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| 14:41 Uhr

Agrargenossenschaft Neuzelle
Abmahnungen nach Tötung von Ferkeln

Kritische Töne: In diesem Stall wurden die umstrittenen Aufnahmen von der Tötung von Ferkeln gemacht.
Kritische Töne: In diesem Stall wurden die umstrittenen Aufnahmen von der Tötung von Ferkeln gemacht. FOTO: Janet Neiser
Neuzelle. Die Agrargenossenschaft Neuzelle (Oder-Spree) hat Konsequenzen aus den Filmaufnahmen von Tieraktivisten gezogen, in denen mehrere Ferkel durch Schlagen auf den Stallboden getötet wurden. Von Janet Neiser

Künftig soll es noch mehr Schulungen und unangekündigte Kontrollen geben. Vorsitzender Frank Matheus bestätigte, dass in dem Stall in Wellmitz aus Sicht des Tierschutzes Fehler passiert seien, die nicht hätten passieren dürfen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen, als ich das gesehen habe“, sagte er am Dienstag und versicherte, dass er nichts davon gewusst habe.

Die Mitarbeiter hätten alle Schulungen für sachgemäße Ferkeltötungen erhalten. Doch die Agrargenossenschaft steht zu den Mitarbeitern. „Jeder hat eine zweite Chance verdient“, erklärte Matheus.

„Drei Personen haben eine Abmahnung von uns erhalten. Passiert so etwas noch einmal, werden sie fristlos gekündigt.“

Alle drei Wochen kommen bei der Agrargenossenschaft in einem sogenannten Abferkelstall circa 850 Ferkel von gut 50 Sauen zur Welt. „Das sind im Vergleich zu anderen Betrieben geringe Zahlen“, sagt Frank Matheus. „Und glauben Sie mir, ich und meine Mitarbeiter wollen, dass möglichst viele der Ferkel auch groß werden.“

Vor einigen Wochen herrschte in dem Vorzeige-Betrieb des Landkreises noch heile Welt. Doch die heimlich gemachten Filmaufnahmen, die Tieraktivisten öffentlich gemacht haben, lösten ein Beben aus.

Darauf sind Mitarbeiter zu sehen, die Ferkel auf dem Stallboden totschlagen. Matheus versichert, dass es sich in dem Film um Ferkel handele, die nicht überlebt hätten und damit notgetötet werden dürfen.

„Als vor einigen Jahren die ersten Filmaufnahmen dieser Art aus anderen Betrieben auftauchten, haben wir die fachgerechte Nottötung nachweislich mit Tierärzten durchgesprochen und den Mitarbeitern auch so angewiesen“, sagt Matheus. Die Ferkel sind durch einen Schlag auf den Kopf bewusstlos zu machen und dann durch einen Kehlschnitt auszubluten.

Um weiteren Schaden vom Unternehmen abzuwenden, geht der Vorstand nun in die Offensive. Den Vorwurf, dass in der Agrargenossenschaft Neuzelle Ferkel aus wirtschaftlichen Gründen getötet werden, weist Matheus ausdrücklich zurück.

Alle drei Wochen, nach jeder Abferkelung, werden ihm zufolge zirka 250 bis 300 Ferkel an einen Händler verkauft. Der Rest werde aufgezogen. Etwa zwei Prozent seien im Normalfall nicht lebensfähig. Damit in Zukunft keine solchen „Zuwiderhandlungen“ im Stall mehr vorkommen, werden künftig zwei Mal im Jahr Schulungen zum Thema Nottötungen durchgeführt. „Zudem wird es häufiger unangemeldete Kontrollen geben“, sichert Matheus zu.

Die Wurst- und Fleischprodukte aus Neuzelle werden bis nach Berlin geliefert. „Bisher halten 99 Prozent unserer Partner zu uns“, sagt Matheus dankbar. Dieses Vertrauen wolle er nicht enttäuschen.

Geht in die Offensive: der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Neuzelle, Frank Matheus, vor der Betriebszentrale.
Geht in die Offensive: der Vorsitzende der Agrargenossenschaft Neuzelle, Frank Matheus, vor der Betriebszentrale. FOTO: Janet Neiser