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| 02:38 Uhr

Abituraufgabe "Eisbecher" sorgt für hitzige Debatte

Volle Konzentration. 637 von 1449 Abiturienten im Schulbezirk Cottbus treten heute erneut zum Mathe-Abi an.
Volle Konzentration. 637 von 1449 Abiturienten im Schulbezirk Cottbus treten heute erneut zum Mathe-Abi an. FOTO: dpa
potsdam. Eine Kontrolle der Mathe-Abitur-Aufgabe, die 2600 Brandenburger Schüler nicht lösen konnten – und nachschreiben mussten – fehlte, Einwände von Prüfern wurden ignoriert: So lauten die Vorwürfe von Gordon Hoffmann (CDU), Bildungsexperte und Mitglied des Brandenburger Landtags, die am Mittwoch in der RUNDSCHAU zu lesen waren. Lydia Schauff

Im Mai brüteten Brandenburger Schüler über ihrem schriftlichen Matheabitur und hatten ein großes Problem: Eine der gestellten Aufgaben konnten die Schüler nicht lösen, hatten sie natürliche Logarithmus-Funktion doch im Unterricht gar nicht behandelt.

Für CDU-Bildungsexperte Gordon Hoffmann sind Versäumnisse des Bildungsministeriums Ursache des Mathe-Abi-Desasters. So wäre die Aufgabe, an der 2600 Abiturienten scheiterten, im Rahmen der ersten Kontrollstufe der Abituraufgaben nicht kontrolliert worden. Ein Protokoll für die "Eisbecher"-Aufgabe ohne CAS (Computer-Algebra-System), also ohne grafischen Taschenrechner, fehle.

Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) hatte am Mittwoch in einer Pressemitteilung auf die Vorwürfe reagiert und sagt: "Die Behauptung, es habe laut Aktenlage nur zwei der drei Kontrollrunden gegeben, ist falsch. Alle drei vorgeschriebenen Kontrollrunden haben stattgefunden."

Wie Antje Grabley, stellvertretende Pressesprecherin des Brandenburger Bildungsministeriums, erklärt, hätten die Prüfer ein Protokoll für die entsprechende Rechenaufgabe mit CAS erstellt, für die Aufgabe ohne CAS sei dann kein zusätzliches Protokoll erstellt worden, da die Aufgaben identisch waren - einziger Unterschied: Für die Prüfung mit CAS gab es noch eine weitere Aufgabe. Gordon Hoffmann: "Ich frage mich dann allerdings. Warum es bei den anderen Kontrollrunden eine explizite Unterscheidung zwischen CAS- und Non-CAS-Aufgaben gibt."

Zweiter Stein des Anstoßes beim Mathe-Abi-Ärger ist für CDU-Mann Hoffmann, dass Einwände von Prüfern in der zweiten Kontrollrunde zur "Eisbecher"-Rechenaufgabe, die so viele Schüler zum Verzweifeln brachte, vom Bildungsministerium einfach beiseite gewischt wurden. "LU-Funktion wird doch eigentlich nur am Rande behandelt", protokolliert einer der Prüfer zu der Aufgabe. Ein weiterer Prüfer merkt an: "Für Abitur BRB ungeeignet"; die LU-Funktion sei kein Prüfungsschwerpunkt. Dies geht aus den Kontroll-Protokollen vor, die auch der RUNDSCHAU vorliegen.

Laut Bildungsminister seien die Bedenken der Prüfer sehr wohl berücksichtigt worden: "Selbstverständlich wurden die Rückmeldungen ernst genommen. Sie wurden von der Entwicklergruppe und Fachaufsicht ausgewertet und als fachlich nicht haltbar bewertet." Das habe auch das Gutachten der Uni Potsdam bestätigt, das das Ministerium in Auftrag gegeben hatte, um zu klären, wie es zum "Eisbecher"-Schlamassel gekommen ist.

Gordon Hoffmann kritisiert das Gutachten von Professor Ulrich Kortenkamp: "Dass 2600 Abiturienten die Aufgabe nicht lösen konnten, zeigt ja, dass die Prüfer recht hatten." Dass die Schüler den Stoff laut Rahmenlehrplan hätten beherrschen müssen, zeigt laut Hoffmann, dass die Lehrpläne zu schwammig seien. Dies merkt auch das Potsdamer Gutachten an.

Mit der geplanten Reform der Gymnasialen Oberstufe zum Schuljahr 2018/2019 solle dies laut Bildungsministerium überarbeitet werden. Rahmenlehrpläne sollen konkretisiert, Lehrbücher stärker kontrolliert werden. Außerdem soll die Stundenzahl im Leistungskurs Mathe von vier wieder auf fünf angehoben werden.