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800 Unterstützer marschieren gegen neue Tagebaue

Teilnehmer des 9. Sternmarsches für die vom Braunkohletagebau bedrohten Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz im Südosten von Brandenburg gehen am 03.01.2016 zu einer Kundgebung nahe Kerkwitz.
Teilnehmer des 9. Sternmarsches für die vom Braunkohletagebau bedrohten Dörfer Atterwasch, Grabko und Kerkwitz im Südosten von Brandenburg gehen am 03.01.2016 zu einer Kundgebung nahe Kerkwitz. FOTO: dpa
Lausitz. Atterwasch, Grabko und Kerkwitz. In diesen, von Abbagerung bedrohten Orten startete ein Sternenmarsch gegen die Tagebaupläne der brandenburgisch-polnischen Grenzregion. Unterstützung gab es in diesem Jahr auch von Teilen des Berliner Senats. utr1

Bereits zum neunten Mal wurde ein Marsch gegen den Bau neuer Tagebaue in der Lausitz organisiert. Trotz der eisigen Temperaturen nahmen 800 Unterstützer an der Veranstaltung teil. Beim diesjährigen Sternmarsch haben die Braunkohlegegner Unterstützung von polnischer Seite erhalten - und erstmals auch aus dem Berliner Senat.

Groß war das Medieninteresse am Sonntagnachmittag beim Sternmarsch gegen neue Tagebaue. Wie immer startete der Marsch in den drei Orten Atterwasch, Grabko und Kerkwitz (alle Landkreis Spree-Neiße), die von der Abbaggerung bedroht sind und endete auf einer Wiese am "Alten Schafstall".

Mitglied der Berliner Landesregierung in Atterwasch

Moderator und Mitorganisator Steffen Krautz aus Kerkwitz dankte den vielen Anwesenden aus Nah und Fern für ihre große Unterstützung im Kampf gegen die Kohle. Ganz herzlich begrüßte er die Staatssekretärin für Justiz und Verbraucherschutz, Sabine Toepfer-Kataw (CDU), die erstmals als ein Mitglied der Berliner Landesregierung in Atterwasch dabei war.

Brandenburg und Berlin betreiben seit 1996 eine gemeinsame Landesplanung, zu der auch die Braunkohleplanung gehört. Während Berlin weitere Tagebaue ablehnt, hält Brandenburg daran fest - unter anderem mit dem Verweis auf rund 8000 Arbeitsplätze in der Lausitz.

Sabine Toepfer-Kataw war gekommen, weil es auch darum gehe, dass durch neue Tagebaue wieder neue Flächen für die Landwirtschaft unbrauchbar werden. "Dieser Aspekt ist bisher nicht betont worden, dabei ist er sowohl für Berlin als auch Brandenburg von Interesse. Mit meiner Teilnahme heute hier, will ich ein Zeichen setzen, denn nach der Braunkohle gibt es keine Kulturlandschaft mehr im herkömmlichen Sinn, sondern nur noch eine künstliche Landschaft. Ein paar neue Badeseen können keine abgebaggerten Dörfer und schon gar keine landwirtschaftlich nutzbaren Flächen und damit keine Landwirtschaftsprodukte ersetzen", sagte sie unter großem Applaus.

Protest auch gegen Tagebau im polnischen Gubin

Anna Dziadek, Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen neue Tagebaue in den Gemeinden Gubin und Brody bedankte sich für die große Unterstützung von deutscher Seite. Denn im benachbarten polnischen Gubin ist ein Großtagebau geplant. Ab 2015 will der halbstaatliche Konzern PGE damit beginnen, dort jährlich 17 Millionen Tonnen Kohle zu fördern. Für den riesigen Tagebau müssten rund ein Dutzend Dörfer und Siedlungen auf polnischer Seite ganz oder teilweise weichen. Derzeit läuft dafür die grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung, die aufgrund von EU-Regelungen durchgeführt werden muss. Die Pläne liegen seit Ende Dezember öffentlich aus, Bürger können bis zum 12. Januar Einwände einreichen. Polnische Umweltaktivisten protestierten mit einem Transparent mit der Aufschrift "Kopalnia Nie" (Tagebau nein) dagegen. "Wir können das nur gemeinsam schaffen, denn noch ist Polen nicht verloren", sagte Anna Dziadek und erntete viel Applaus.


Andreas Stahlberg, bei der Gemeinde Schenkendöbern zuständig für bergbaubedingte Sonderaufgaben, hob hervor, dass 2016 ein entscheidendes Jahr ist, "weil es auch um unsere Gubiner Nachbarn gehe". Monika Schulz-Höpfmer (CDU) wünscht sich viel Kampfesgeist über das ganze Jahr, denn auch sie sieht 2016 als entscheidend an. "Ich hoffe, dass wir in einem Jahr hier wieder stehen, aber dann nur noch, um zu feiern", sagte sie. Denn Steffen Krautz hatte versprochen: "Wenn die Tagebaupläne endgültig gekippt werden können und es keinen Grund mehr gibt, gegen die Abbaggerung unserer drei Dörfer zu kämpfen, dann wird es hier an dieser Stelle ein großes Konzert mit einem Ochsen am Spieß geben."

Zum Thema:

Der Sternmarsch von den bedrohten Braunkohleorten Kerkwitz, Atterwasch und Grabko hin zum "Alten Schafstall" findet bereits zum neunten Mal statt. 2007 erfuhren die Bewohner der betroffenen Orte, dass die Landesregierung und Vattenfall ihre Abbaggerung planen - entgegen früheren Versprechen der Politik.