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3000 Menschen in Not geholfen

Potsdam.. Trotz rückläufiger Kriminalität nimmt in Brandenburg nach Erkenntnissen der Organisation Weißer Ring die Zahl der Opfer stetig zu. Es häuften sich die schweren, mit großer Brutalität begangenen Verbrechen, sagte der Landesbeauftragte Jürgen Lüth gestern in Potsdam-Golm. Viele der Opfer befänden sich in einer beschämenden Lage und müssten als Bittsteller auftreten.


Der Weiße Ring unterstützt Kriminalitätsopfer und betreute bisher nach eigenen Angaben 1895 Fälle; mehr als 3000 Mal half er Menschen in Not. Außerdem habe der gemeinnützige Verein bisher rund 1,2 Millionen Euro an finanziellen Hilfen ausgezahlt, berichtete Lüth, der bis zum Sommer 2002 Präsident des Polizeipräsidiums Cottbus war. Zur Jubiläumsfeier kamen auch Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) und Justizministerin Barbara Richstein (CDU).
Erneut kritisierte der Landesbeauftragte in seiner Bilanz, dass der Täter einen Pflichtanwalt auf Staatskosten erhalte, nicht aber das Opfer. Die Betroffenen müssten obendrein vielfach mehrere Prozesse über sich ergehen lassen, um zu ihrem Recht zu kommen. Lüth forderte eine kürzere Verfahrensdauer. Die Hilfe durch den Weißen Ring reiche vom moralischen Beistand über finanzielle Unterstützung bis zur Begleitung bei Behördengängen oder Zuwendungen für einen Erholungsurlaub. Die Betreuung der Opfer sei nicht an eine Mitgliedschaft im Weißen Ring gebunden.
Brandenburg habe nach wie vor ein massives Problem mit Gewaltkriminalität, meinte Regierungschef Platzeck. Es gebe hier nicht den geringsten Anlass zur Entwarnung. Justizministerin Richstein versprach, sich für die Verbesserung gesetzlicher Regelungen sowie von Verfahrensabläufen bei Polizei, Staatsanwaltschaften und Gerichten einzusetzen.
In den alten Bundesländern besteht der Weiße Ring bereits seit 1976. Heute verfügt er in ganz Deutschland über 70 000 Mitglieder und 400 Außenstellen. Rund um die Uhr sind ein Opfer-Notruf und ein Info-Telefon unter der Nummer 01803 / 343434 geschaltet. (dpa/ta) Weißer Ring im Internet: www.weisser-ring.de

Hintergrund Finanzen des Vereins
 Der vor zehn Jahren in Brandenburg gegründete Weiße Ring e.V. zählt heute rund 800 Mitglieder und 130 ehrenamtliche Mitarbeiter. Der Weiße Ring finanziert sich nach Angaben des Landesbeauftragten Jürgen Lüth zu 45 Prozent aus Spenden und zu 20 Prozent aus Nachlässen. Zu den Sponsoren gehörten neben Privatpersonen die Sparkassen und zahlreiche Autohäuser. Dazu kommen unter anderem die von Gerichten zu Gunsten des Weißen Rings verhängten Geldbußen sowie Mitgliedsbeiträge. Lüth forderte von der Landesregierung eine stärkere Unterstützung durch Lottomittel . Im bundesweiten Vergleich könne der Verein mehr Unterstützung durch noch mehr Mitglieder gebrauchen.