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| 19:06 Uhr

Brandenburg
30 Minuten Flug mit 100-Kilo-Batterie

 Flüsterflieger: Der Eisenacher Flugzeugingenieur Robert Adam ist maßgeblich an der Entwicklung des Elektroflugzeugs F-2e der Firma Flight Design beteiligt. Am Mittwochmorgen hob er damit vom Strausberger Flugplatz ab. Apus-Aircraft-Chef Philipp Scheffel (hinten) folgte mit einer Jak-52.
Flüsterflieger: Der Eisenacher Flugzeugingenieur Robert Adam ist maßgeblich an der Entwicklung des Elektroflugzeugs F-2e der Firma Flight Design beteiligt. Am Mittwochmorgen hob er damit vom Strausberger Flugplatz ab. Apus-Aircraft-Chef Philipp Scheffel (hinten) folgte mit einer Jak-52. FOTO: LR / Gerd Markert
Strausberg. Ein am Mittwoch in Strausberg präsentiertes Elektroflugzeug F-2e ist leiser als ein Rasenmäher und fliegt schadstofffrei. Im nächsten Jahr soll es in Serie produziert werden.

Noch braucht der Vor-Prototyp der F-2e ein Ausgleichsgewicht am Heck, um den kleinen Flieger trotz 100-Kilogramm-Batterie im Rumpf waagerecht zu halten, doch schon im nächsten Jahr wird an dieser Stelle ebenfalls eine Akkumulator montiert sein: Die F-2e wird dann das erste Elektroflugzeug Europas sein, das in Serie gebaut wird. Dann wird sich das Batteriegewicht vervierfacht haben und die Reichweite, geht es nach den Entwicklern des Antriebs, der Siemens eAircraft Erlangen, von 30 Minuten auf mindestens zwei Stunden gestiegen sein. Ab einer Stunde werde sie interessant für Flugschulen, heißt es.

Frank Anton, leitender Vizepräsident von Siemens eAircraft, sagt: „Dieser Antrieb geht jetzt in Serie. E-Mobilität beschränkt sich nicht auf Land und Wasser, sondern lässt sich auch in der Luft praktizieren.“ Nur in den Vereinigten Staaten gibt es einen weiteren Auftraggeber. Die Eisenacher Flugzeugbauer von Flight Design haben die F-2 mit konventionellem Motor als Ultraleichtflugzeug von etwa 450 Kilogramm entwickelt. Geschäftsführer Lars Jörges berichtet von etwa 2000 dieser Flugzeuge, die weltweit fliegen: „Wir haben aus Norwegen bereits einen Auftrag in Aussicht für zehn der F-2e. Die werden dort eingesetzt, um die Ladeinfrastruktur für Elektroflugzeuge landesweit zu optimieren.“

Mit der 100-Kilo-Batterie wiegt die L-2e jetzt 650 Kilogramm und gilt als LSA (Light Sport Aircraft). Dass die Strausberger Flugzeugentwickler um Philipp Scheffel den Auftrag für die Integration des Elektroantriebs in das UL-Flugzeug erhielten, ist kein Zufall. „Apus ist in der Branche bekannt“, sagt Lars Jörges. Seine eigene Entwicklungsabteilung sei übrigens im tschechischen Sumperk östlich von Prag beheimatet, wo es traditionell auch erfahrene Flugzeugingenieure gebe.

Die F-2e ist noch ein Zweisitzer. Sie fliegt etwa 170 bis 200 Stundenkilometer schnell. Je schneller, desto eher geht der Batteriestrom zur Neige. Und natürlich könne sie dann auch aerodynamisch zu Boden gleiten, sagt Flight-Design-Ingenieur Robert Adam. Sicherheitsfeatures werden in der Weiterentwicklung ständig vervollkommnet. So hat die F-2 nicht nur einen Airbag, sondern auch einen Fallschirm mit Drei-Punkt-Gurt für das gesamte Flugzeug. Der wird im Havariefall mit einer kleinen Rakete über das Flugzeug geschossen und ermöglicht einen sanften Sinkflug.

Die Vorteile des elektrischen Fliegens liegen auf der Hand, sagt Lars Jörges. „Es ist leise und hat null Emissionen. Und es hat so gut wie nie Startprobleme. Mit herkömmlichen Motoren müssen Sie immer einmal damit rechnen, dass ihr Flugzeug nicht anspringt. Den Elektroantrieb starten sie mit einem Knopfdruck, der kommt sofort.“ Wichtig sei, dass die Strompreise an den Zapfsäulen nicht durch die Decke gehen und vor allem ein Netz an Elektro-Ladestationen auf Flugplätzen installiert werde.

Die neue Geschäftsführerin des Flugplatzes Strausberg, Irina Kühnel, hat bereits angekündigt, auf dem Gelände eine Elektro- und eine Wasserstofftankstelle errichten zu wollen. Tatsächlich sehen die Flugzeugentwickler den Elektroantrieb auch nicht als die endgültige Lösung, sondern als Brückentechnologie, bis die Brennstoffzelle serienreif ist. Ein Grund ist demnach unter anderem die problematische Beschaffung der Rohstoffe für die Lithium-Batterien.

Während Robert Adam und Lars Jörges die F-2e vor die Apus-Halle schieben, zieht Philipp Scheffel mit einem Helfer einen echten, regelrecht klapprig aussehenden Flugzeug-Oldtimer aus der Halle: Eine Jak-52 in der Kriegsbemalung der Roten Armee während des Zweiten Weltkrieges. Dann surrt der Elektromotor der F-2e leiser als ein Rasenmäher los. Hinten dreht Scheffel den Jak-Propeller und plötzlich knattert deren Motor, zwei graue Wolken aus den Auspuffrohren stoßend, los. Beide Flugzeuge starten nacheinander in östliche Richtung, fliegen einige gegenläufige Platzrunden und landen wohlbehalten. Beifall der Firmenchefs, Ingenieure und Gäste.

 Flüsterflieger: Der Eisenacher Flugzeugingenieur Robert Adam ist maßgeblich an der Entwicklung des Elektroflugzeugs F-2e der Firma Flight Design beteiligt. Am Mittwochmorgen hob er damit vom Strausberger Flugplatz ab. Apus-Aircraft-Chef Philipp Scheffel (hinten) folgte mit einer Jak-52.
Flüsterflieger: Der Eisenacher Flugzeugingenieur Robert Adam ist maßgeblich an der Entwicklung des Elektroflugzeugs F-2e der Firma Flight Design beteiligt. Am Mittwochmorgen hob er damit vom Strausberger Flugplatz ab. Apus-Aircraft-Chef Philipp Scheffel (hinten) folgte mit einer Jak-52. FOTO: LR / Gerd Markert