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| 15:03 Uhr

Mauerfall vor 30 Jahren
Erinnern an die friedliche Revolution

 Die Landesbeauftragte zur Aufar­beitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke.
Die Landesbeauftragte zur Aufar­beitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke. FOTO: Bernd Settnik
Potsdam. Brandenburgs Aufarbeitungsbeauftragte Maria Nooke beschäftigt sich mit dem 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls – auch in Forst. Von Benjamin Lassiwe

Von Benjamin Lassiwe

Es ist ein altes Schwarz-Weiß-Foto. Zwei Frauen tragen ein Transparent. Darauf steht: „Für ein offenes Land mit freien Menschen.“ Das Foto stammt von einer Montagsdemonstration im September 1989 in Leipzig.

Eine der Frauen war die Malerin Katrin Hattenauer. Sie wurde wenige Tage nach der Demonstration in Leipzig verhaftet. In diesem Jahr wird Katrin Hattenauer auf Einladung der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur, Maria Nooke, zu Gast im Land Brandenburg sein. Denn ihre alte Forderung von damals ist von Nooke zum Motto für das „Erinnerungsjahr 1989 – 30 Jahre friedliche Revolution in der DDR“ bestimmt worden.

Es soll am 20. März mit einer Auftaktveranstaltung an der Evangelischen Schule in Neuruppin beginnen. Und am 20. Juni wird es in Forst zusammen mit dem Forster Geschichtsstammtisch und der evangelischen Kirche der Region einen Vortrag und ein Zeitzeugengespräch zum Auftrittsverbot für Stefan Krawczyk und Freya Klier geben, das in einem Konzert von Krawczyk enden wird.

„Wir wollen die Erfahrungen von 1989 aufgreifen und heute reflektieren“, sagte Nooke. Nach 1989 seien viele Menschen erst einmal damit beschäftigt gewesen, sich in den neuen Strukturen zurechtzufinden.

„Die neuen Freiheiten brachten auch viele Ungewissheiten mit sich“, sagte Nooke. So mussten etwa Kinder und Jugendliche die Umorientierungen ihrer Eltern und Lehrer verstehen. „Wir fragen uns also: Was hat das mit den Menschen in Ostdeutschland gemacht und mit denen, die heute im Land Brandenburg leben“, sagte Nooke. Man wolle nicht in die Debatte über die Ostdeutschen einsteigen, sondern das Gespräch mit den Menschen suchen.

„Wir wollen ein Angebot machen, um die Erinnerungen von damals zu heben, die Wünsche und Ängste zu besprechen“, sagte Nooke. „Und wir möchten uns gemeinsam mit den Brandenburgern darüber vergewissern, was für uns heute Freiheit bedeutet.“ Denn auch heute gingen wieder Menschen auf die Straße und forderten einen Systemwechsel. „Dem wollen wir etwas entgegensetzen“, sagt Nooke. „Wir wollen fragen: Was bedeutet das für uns heute? Was heißt für uns Freiheit heute?“

Zu den Projekten im Erinnerungsjahr zählt auch ein Jugendmedienprojekt unter dem Hashtag „#Moment Mal“.

Dabei sollen Jugendliche in ihrer Familie oder in ihrer Nachbarschaft nach Erinnerungen aus der Zeit der Wende fragen und darüber beispielsweise einen kleinen Videofilm produzieren.

„Es geht darum, wie man die Kommunalwahlen oder die Gründung der neuen Parteien und Bürgerbewegungen erlebt hat, vielleicht auch die Flucht über Ungarn oder die Botschaftsbesetzungen“, sagte Nooke.

Daneben soll es für die Jahre 2019 und 2020 einen mit je 25 000 Euro pro Jahr augestatteten Fonds geben, aus dem Vereine, Museen und Initiativgruppen Mittel für Veranstaltungen und Ausstellungen, die sich mit der friedlichen Revolution 1989 beschäftigen, beantragen können.