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2580 Schüler wiederholen Mathe-Prüfung

Potsdam. Rund 2580 Brandenburger Abiturienten werden am 12. Juni die Mathematik-Prüfungen nachholen. Benjamin Lassiwe / iwe1

Schuld daran ist eine Aufgabe, in der es um eine "Schar von Logarithmusfunktionen" geht: Sie war in der im Mai geschriebenen originalen Mathe-Klausur vorhanden, obwohl dieses Thema nicht an allen Schulen im Unterricht behandelt wurde. Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske (SPD) bedauerte am Donnerstag, dass es nun an insgesamt 113 von 136 Schulen Nachschreiber gibt: "Es tut mir leid", sagte der Minister, der gleichzeitig aber klarstellte, dass die Aufgabe dem Rahmenplan entsprochen habe.

Dass das Mathematik-Abitur derart fulminant in die Hose ging, hängt offenbar vor allem mit einem strukturellen Versagen an den Schulen zusammen: Seit diesem Jahr gilt in Mathematik ein neuer Rahmenlehrplan - doch als das Landesinstitut für Schule und Medien (Lisum) dazu für alle Schulen verpflichtende Fortbildungen anbot, schickten überhaupt nur 70 Prozent aller Schulen einen Lehrer in die Fortbildung. "Wir haben festgestellt, dass es viele Schulen gab, an denen Lehrer davon überzeugt waren, dass die betreffende Aufgabenstellung gar nicht unterrichtet werden muss", sagte der Potsdamer Professor für Didaktik der Mathematik, Ulrich Kortenkamp, der im Auftrag des Ministeriums den Vorgang untersuchte. "Wenn ein neuer Rahmenlehrplan eingeführt wird, muss der von den Lehrern auch gelesen werden." Wenn man sich nicht sicher sei, "wäre es jedenfalls hilfreich, an einer Fortbildung teilzunehmen, auf der erklärt wird, was der Rahmenplan bedeutet."

Kortenkamp regte zudem an, auch kritisch auf die im Unterricht verwandten Lehrbücher zu blicken: Zwar würden die Scharen von Logarithmusfunktionen auch in dem in Brandenburg am meisten verwandten Lehrbuch behandelt, es fehle aber eine entsprechende Übungsaufgabe. Baaske kündigte an, dass künftig schärfer kontrolliert werden solle, ob an verpflichtenden Fortbildungen auch teilgenommen werde. "Mir haben Schulleiter gesagt, sie hätten gerne Lehrer zur Fortbildung geschickt, aber es wollte kein Lehrer gehen." Künftig sollen die Schulleiter deswegen Mittel in die Hand bekommen, mit denen durchgesetzt werden könne, dass Lehrer zu Fortbildungen gehen müssen.

Zudem soll es in Brandenburg im Fach Mathematik wieder eine Trennung in Grund- und Leistungskurse geben, um auch schwächere Schüler besser zu fördern. Der Leiter der Abteilung Unterrichtsentwicklung im Lisum, Renato Albustin, kündigte an, dass man die Lehrpläne so überarbeiten wolle, dass Missdeutungen künftig nicht mehr möglich seien.

Der SPD-Bildungspolitiker Thomas Günther sprach sich im Ausschuss dafür aus, die Schulen, von denen kein Lehrer an den Fortbildungen teilgenommen habe, "mit der Hand auf der Schulter freundschaftlich darauf hinzuweisen". Die Grünen-Abgeordnete Marie Luise von Halem erklärte, wo es Schrift gebe, gebe es auch Missverständnisse. Deswegen seien Fortbildungen so wichtig. Von Halem beklagte außerdem eine schlechte Kommunikation der Veränderungen im Rahmenplan: "Offenbar erhielten die meisten Mathelehrer wichtige Informationen zum Rahmenlehrplan - wenn überhaupt - nur aus zweiter Hand", sagte die Grünen-Politikerin. "Natürlich gehen dabei Inhalte verloren." Der Prignitzer CDU-Abgeordnete und Bildungsexperte Gordon Hoffmann sprach von einem "systemischen Versagen". Die Lehrpläne seien zurzeit einfach "zu schwammig formuliert". "Die Anschuldigungen des Ministers gegenüber der Lehrerschaft richten sich auch gegen ihn selbst", sagte Hoffmann. "Schließlich verantwortet er auch die Schulaufsicht."