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| 16:08 Uhr

Lage normalisiert sich
250-Kilo-Bombe in Potsdam entschärft

Ein Banner am Zaun des ehemaligen Tramdepots in der Heinrich Mann Allee weist auf Kampfmittelräumarbeiten hin. Auf dem Gelände wurde eine 250 kg schwere Weltkriegsbombe entschärft.
Ein Banner am Zaun des ehemaligen Tramdepots in der Heinrich Mann Allee weist auf Kampfmittelräumarbeiten hin. Auf dem Gelände wurde eine 250 kg schwere Weltkriegsbombe entschärft. FOTO: dpa / Friedrich Bungert
Potsdam. In Potsdam ist erneut eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg unschädlich gemacht worden. Rund 3000 Menschen mussten Wohnungen verlassen. Auch die Landesregierung war betroffen.

Bombenentschärfungen gehören in der Landeshauptstadt schon fast zur Routine. Doch die Sprengung der 250-Kilogrammbombe vor Ort gestaltete sich am Freitag wegen eines defekten Zünders schwierig, wie die brandenburgische Landeshauptstadt am Freitag mitteilte. Erst nach gut fünf Stunden waren die Experten des Kampfmittelbeseitigungsdiensts erfolgreich.

Ursprünglich sollte die britische Fliegerbombe vor Ort entschärft werden, was aber aus technischen Gründen nicht möglich war. Deshalb wurde die Bombe kontrolliert gesprengt. Rund 3000 Menschen mussten den Sperrkreis rund um den Fundort verlassen.

Betroffen waren auch die brandenburgische Staatskanzlei, Ministerien, Landesämter sowie zwei Pflegeheime und eine Kindertagesstätte. Der Straßenbahn- und S-Bahnverkehr auf einigen Linien wurden während der Entschärfungsarbeiten unterbrochen.

Der Blindgänger war am Mittwoch bei Bauarbeiten auf dem Gelände eines ehemaligen Straßenbahndepots in nur 60 Zentimeter Tiefe gefunden worden. Insgesamt sicherten rund 200 Helfer unter anderem von Polizei, Feuerwehr und Bundespolizei den Sperrkreis und den Einsatz ab.

In Potsdam wird immer wieder Weltkriegsmunition gefunden. Zuletzt wurde Anfang Juli eine Bombe entschärft, wofür rund zehntausend Menschen zeitweise ihre Wohnungen verlassen mussten. Seit 1990 waren es den Angaben zufolge insgesamt 189 Sprengkörper mit einem Gewicht von über hundert Kilogramm.

Störern drohen hohe Bußgelder

Während der Räumung waren etwa 200 Helfer der Stadt, der Feuerwehr und der Polizei im Einsatz, um den Sperrkreis abzusichern. Alle Anwohner sollten das Gebiet bis Freitagmorgen 7.30 Uhr selbstständig verlassen, sagte Homann „Leider ist es in der Vergangenheit immer wieder zu Störungen und Verzögerungen durch Passanten gekommen. Daher hat sich die Landeshauptstadt entschieden, jede Störung bei der Evakuierung und Entschärfung am morgigen Freitag zur Anzeige zu bringen beziehungsweise selbst Bußgeldverfahren einzuleiten“, heißt es auf der Homepage der Stadt. Störer, die den Gefahrenbereich betreten, würden nicht nur sich selbst, sondern auch den Sprengmeister bei seiner Arbeit gefährden. Störer, die sich unrechtmäßig im Sperrkreis aufhielten, müssten wegen des Verstoßes gegen die Kampfmittelverordnung für das Land Brandenburg mit einem Bußgeld von bis zu 5000 Euro rechnen.

Während der Bombenentschärfung wird der Bahnverkehr zwischen dem Hauptbahnhof und dem S-Bahnhof Babelsberg unterbrochen. Auch zahlreiche Straßenbahn- und Buslinien verkehren nicht.

Homeoffice für Ministeriums-Mitarbeiter

Für die Mitarbeiter der Staatskanzlei und der Ministerien im Sperrkreis wurde für Freitag Homeoffice angeordnet. Dies gelte auch für Justizminister Stefan Ludwig (Linke) der keine auswärtigen Termine habe, sagte eine Ministeriumssprecherin. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sei am Morgen zu einem Fernsehinterview in Templin (Uckermark) und anschließend auf Terminen in Berlin, berichtete Regierungssprecher Florian Engels. „Insofern ist er von den Evakuierungsmaßnahmen nicht betroffen.“

Auch die Bundespolizei muss ihr Präsidium während der Entschärfung vorübergehend räumen. Nähere Angaben machte Präsidiumssprecher Gero von Vegesack aus Sicherheitsgründen nicht. „Die Arbeitsfähigkeit des Bundespolizeipräsidiums wird sichergestellt sein“, betonte er.

Die Reporter der „Märkischen Allgemeinen“ seien während der Entschärfung in der Stadt im Einsatz oder arbeiteten ebenfalls aus dem Homeoffice, sagte Chefredakteurin Hannah Suppa. Zudem werde mit einem kleinen Team in einem Büro in der Innenstadt ein Not-Desk eingerichtet. „Wir hoffen, dass alles gut geht und die Kampfmittelexperten den Blindgänger schnell unschädlich machen können“, sagte Suppa. „Dann werden auch wir ab dem Nachmittag wieder gewohnt weiterarbeiten können – und die MAZ für den Sonnabend produzieren und drucken.“

(dpa/red(AFP/lsh/uf)