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| 01:10 Uhr

200 verschiedene Apfelbäume werden im Frankfurter Sortengarten blühen

Die Obstbäuerin Claudia Schernus geht durch ihren neu angepflanzten Garten mit mehr als 200 Apfelsorten. Goldparmäne, Auralia, Ananasrenette und Gravensteiner sorgten in den Gärten Ostbrandenburgs einst für reiche Ernten. Doch inzwischen sind die Apfelsorten kaum mehr bekannt. Nun soll es für die Obst-Vielfalt ein Comeback geben.
Die Obstbäuerin Claudia Schernus geht durch ihren neu angepflanzten Garten mit mehr als 200 Apfelsorten. Goldparmäne, Auralia, Ananasrenette und Gravensteiner sorgten in den Gärten Ostbrandenburgs einst für reiche Ernten. Doch inzwischen sind die Apfelsorten kaum mehr bekannt. Nun soll es für die Obst-Vielfalt ein Comeback geben. FOTO: Foto: ZB
Goldparmäne, Auralia, Ananasrenette und Gravensteiner sorgten in den Gärten in Ostbrandenburg einst Jahr für Jahr für reiche Ernten. Doch inzwischen sind die Apfelsorten kaum mehr bekannt. Nun soll es für die Obst-Vielfalt ein Comeback geben. Von Wilko Döll

Die Obstbauern Claudia Schernus und Thomas Bröcker wollen in Frankfurt (Oder) 200 verschiedene Apfelsorten zum Blühen bringen. "Äpfel, die in keinem Supermarkt verkauft werden und Sorten, die kaum noch jemand kennt, stehen nun bei uns im neuen Sortengarten", erklärt die gelernte Bibliothekarin voller Stolz.

Die Nachtfröste taten nicht gut
Das Obstbauern-Paar, das bis zum Fall der Mauer beim Volkseigenen Gut Obstproduktion Markendorf arbeitete und nun einen eigenen Obstbaubetrieb hat, pachtete von der Stadt eine gut anderthalb Hektar große Fläche am Rand von Frankfurt. Dort pflanzte es im vergangenen Jahr 600 Apfelbäume; jeweils drei von einer Sorte. "Wir wollen die Sortenvielfalt der Äpfel erhalten -und zeigen", sagt Claudia Schernus. Viele Apfelarten stammen aus einem aufgegebenen Sortengarten eines früheren Frankfurter Obstgutes. Andere entdeckten die leidenschaftlichen Apfelfans in Privatgärten.
Momentan schaut Claudia Schernus aber mit Sorge auf den noch jungen Apfelgarten. "Die vielen knackigen Nachtfröste im April taten den Blüten nicht gut, ihre Entwicklung ist im Rückstand", sagt die Fachfrau. Die ersten weißen, großbüschigen Blüten der frühen Sorten werden nun erst jetzt zu sehen sein. Anfang Mai soll der Sortengarten dann einem Apfelblütenmeer mit ganz verschiedenen Farbtönen gleichen. "Noch schöner wird dann der Herbst sein, wenn auf kleiner Fläche grüne, gelbe, rote und orangefarbene sowie kleine und große Äpfel an den Bäumen hängen", schwärmt Claudia Schernus.

Fünf Jahre daran gearbeitet
Für das Paar ist der Sortengarten ein Hobby. Fünf Jahre lang haben sie von der ersten Idee bis zur Umsetzung daran gearbeitet. Nun können Gartenfans durch den Apfelgarten spazieren und Reiser zum Veredeln ihrer eigenen Apfelbäume kaufen. Sie bekommen auch Tipps von den Experten für den richtigen Anbau der Apfelbäume. "Leben aber könnten wir von diesem Garten nicht", erklärt Cornelia Schernus.
Deshalb steht vor dem Apfelgarten auch eine kleine Hütte. Dort gibt es auch Produkte aus dem Obstbaubetrieb der Apfel-Experten. "Apfelgalerie" hat die ehemalige Bibliothekarin den kleinen Betrieb ihres Mannes genannt. 50 Hektar bewirtschaftet er mit einigen Angestellten. Natürlich werden Äpfel angebaut, aber auch Erdbeeren, Birnen, Spargel und Kartoffeln. "Wir arbeiten in der Natur und sind von ihr abhängig, da können wir nicht nur eine Frucht anbauen." Ein schlechtes Apfeljahr würde sonst die Existenz der Familie gefährden.

Kämpfen mit der Bürokratie
Die Obstbauern kämpfen aber nicht nur mit den Unbilden des Wetters, sondern auch mit der EU-Bürokratie. Die Frankfurter "Apfelgalerie" ist als Direktvermarkter eingestuft und muss deshalb 80 Prozent der Erzeugnisse selbst über Markt- und Straßenstände verkaufen. Handelsketten dürfen nicht beliefert werden. "Der Beruf ist hart, aber welche berufliche Alternative hätten wir sonst in der Umgebung von Frankfurt", meint Schernus.