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| 17:53 Uhr

Brandenburger Verein Opferperspektive:
174 rechtsextreme Gewaltdelikte: Cottbus bleibt Hochburg

 Hochburg rechts motivierter Übergriffe  soll nach wie vor die kreisfreie Stadt Cottbus sein. Allein dort seien im vergangenen Jahr 35 Angriffe registriert worden.
Hochburg rechts motivierter Übergriffe soll nach wie vor die kreisfreie Stadt Cottbus sein. Allein dort seien im vergangenen Jahr 35 Angriffe registriert worden. FOTO: fotolia / Bits and Splits
Potsdam. Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung: Nach wie vor ist die Zahl rechter Gewalttaten in Brandenburg hoch – laut Verein Opferperspektive vor allem in Cottbus.

In Brandenburg ist die Zahl rechter Gewalttaten nach Angaben des Vereins Opferperspektive weiter hoch: 174 rechte Gewaltdelikte zählte der Verein 2018. Das waren ähnlich viele Fälle wie im Jahr davor (171). In 86 Prozent war Rassismus das Motiv, wie der Verein am Mittwoch in Potsdam mitteilte. „Die Normalisierung der Gewalt, von der wir inzwischen sprechen müssen, bewerten wir als sehr besorgniserregend“, sagte Geschäftsführerin Judith Porath.

Hochburg rechts motivierter Übergriffe sei nach wie vor die kreisfreie Stadt Cottbus. Allein dort wurden im vergangenen Jahr 35 Angriffe registriert - die meisten davon richteten sich gegen Geflüchtete, die in der Stadt wohnten. In den Vorjahren waren die Zahlen ähnlich hoch (2015: 28, 2016: 41; 2017: 32).

Joschka Fröschner, Berater für die Region Süd, bezeichnete das Ergebnis als „traurige Spitzenposition in Brandenburg“. Die hohe Anzahl der Angriffe korreliere mit einer starken und selbstbewussten, rechten Szene, die aktiv den Weg in die Stadtgesellschaft suche, so Fröschner. „Wir haben ein Klima rassistischer Gewalt, das sich in der Stadt festgesetzt hat.“

Betroffen seien vor allem die Orts- und Stadtteile Schmellwitz und Sachsendorf. Aber auch rund um die Stadthalle komme es zu Angriffen - ob beim Einkaufen oder Spazieren gehen. „Es gibt einfach Menschen in Cottbus, die aufgrund ihrer Herkunft, ihres Erscheinungsbildes und den Erlebnissen, die sie in Cottbus machen mussten bisher, nach Einbruch der Dunkelheit nicht aus dem Haus gehen“, sagte Fröschner.

Der Landkreis mit der höchsten Anzahl rechter Gewaltdelikte ist nach Angaben des Vereins die Uckermark. 27 Angriffe wurden dort 201 registriert. 2017 waren es 13 Fälle. Zu den häufigsten Gewalttaten gehörten Körperverletzungen (83). Dabei handele es sich meist um spontane Taten in der Öffentlichkeit, wie der Verein mitteilte. Auch Nötigung und Bedrohung (20) kämen häufiger vor.

Vor allem seien junge Männer Opfer von rechten Gewalttaten. Doch auch Angriffe auf Frauen registriert der Verein. Unter 262 direkt Betroffenen waren 50 weiblich. Besonders schlimm ist es, wenn die Angriffe in Gegenwart der Kinder geschehen, wie Porath sagte. So wie in einem Fall aus Guben im September, als eine Frau aus Somalia von Motorradfahrern mit ihren vier Kindern auf dem Heimweg von der Kita verfolgt worden sei, berichtete Porath. Die Frauen seien doppelt belastet. Sie machten sich Vorwürfe, dass sie ihre Kinder nicht schützen konnten.

Nach jüngsten Angaben des Innenministeriums wurden 2018 nur 127 Delikte bei der Polizei registriert. Der Verein erfasst mehr Vorfälle als die Polizeistatistik, weil er andere Kriterien zugrunde legt. Außerdem werden viele Fälle nach eigenen Angaben nicht zur Anzeige gebracht.

Spitzenkanidat der Brandenburger Linken, Sebastian Walter, teilte mit Blick auf die Zahlen des Vereins mit: „Rechtsmotivierte Gewalttaten sind normal geworden. So schätzt es jene Beratungsstelle ein, die sich jeden Tag mit rechter Gewalt auseinandersetzt.“ Im täglichen Umfeld sei persönliche Courage gefragt, sei es im Zug, auf der Straße, bei der Arbeit oder in der Schule.

Der Verein Opferperspektive berät Betroffene von rechter Gewalt und zählt seit 2001 entsprechende Vorfälle.

Von ähnlichen Tendenzen bei rechten Gewaltdelikten hatte am Mittwoch auch die Beratungsstelle ReachOut für Berlin berichtet.

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(dpa/uf)