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1600 Lausitzer Pilger in Neuzelle

Die Stiftskirche platzte aus allen Nähten. Sogar Klappstühle waren nötig, um alle Gläubigen unterzubringen.
Die Stiftskirche platzte aus allen Nähten. Sogar Klappstühle waren nötig, um alle Gläubigen unterzubringen. FOTO: Raphael Schmidt/Bistum Görlitz
Neuzelle. "Pilger sind wir Menschen, suchen Gottes Wort ...", erklang es aus vielen Hundert Kehlen in der barocken Stiftskirche von Neuzelle. Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt, Klappstühle wurden in den Gängen aufgestellt, viele Menschen mussten stehen. Benjamin Lassiwe

Mehr als 1600 Menschen waren gestern zur traditionellen Bistumswallfahrt des katholischen Bistums Görlitz in das hoch über dem Odertal gelegene Zisterzienserkloster gekommen, das für Katholiken aus ganz Ostdeutschland ein beliebtes Wallfahrtsziel ist, seit die Möglichkeiten zu Pilgerreisen in die Marienwallfahrtsorte Schlesiens nach dem Zweiten Weltkrieg spärlicher wurden.

Und von der in Neuzelle erlebbaren Frömmigkeit zeigte sich auch ein weit gereister Gast beeindruckt: "Angesichts der kleinen Zahl der Katholiken in der Region hätte ich das nicht erwartet", sagte Gregor Maria Hanke, Bischof im bayerischen Eichstätt, der RUNDSCHAU. Denn tatsächlich nahmen auch gestern wieder mehr als fünf Prozent der Katholiken aus Südbrandenburg und Ostsachsen an der Wallfahrt teil. Für die Lausitzer Katholiken ist die Bistumswallfahrt eben etwas ganz Besonderes. "Einmal im Jahr erlebt man hier ein Gemeinschaftsgefühl, das man so in vielen kleinen Gemeinden nicht hat", sagte der Vorsitzende des katholischen Diözesanrats, Hartmut Schirmer. "Hier trifft man viele Menschen, die gleichgesinnt sind".

In seiner Predigt erinnerte der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt die Pilger daran, dass "wir alle gemeinsam auf der Suche nach den Spuren Christi" seien. Im "Zeitalter der Navigationssysteme" vertrauten Menschen darauf, ihr Ziel sicher und ungestört zu erreichen. Das Ziel der Christen sei es, "einmal in den ausgebreiteten Armen des Vaters im Himmel anzukommen, und bei ihm für immer zu Hause zu sein." "Die Navi-Taste mit der Heimatadresse" sei fest programmiert, so Ipolt. Allerdings müssten sich auch Christen immer daran erinnern, dass Christsein bedeute, eigene Vorstellungen und Pläne im Lichte des Evangeliums kritisch zu betrachten. Vor "selbstherrlichen Oberflächlichkeiten" sollte man sich schützen, warnte Ipolt.

Die heimlichen Stars der Bistumswallfahrt freilich waren die vier Zisterziensermönche, die in der vergangenen Woche in Neuzelle eingetroffen waren, um dort im kommenden Jahr ein Tochterkloster der österreichischen Abtei zu gründen.

Während draußen vor der Stiftskirche eine Blaskapelle spielte, nutzten viele Lausitzer Katholiken die Gelegenheit, sich an den Marktständen mit den Mönchen zu unterhalten. "Wir sind hier weich gelandet", sagte Pater Kilian. Und auch der Abt des Klosters Heiligenkreuz, Maximilian, bedankte sich bei Bischof Ipolt und dem ganzen Bistum Görlitz für die Aufnahme seiner Ordensbrüder. "Ich bin sehr dankbar für die Aufnahme und das Entgegenkommen, das wir hier gefunden haben", sagte Maximilian. "Ich bin der festen Überzeugung, dass es der Wille Gottes ist, dass es hier ein Kloster gibt und die Stundengebete der Mönche hier wieder gebetet werden." Er hoffe deswegen sehr, dass die anstehenden Gespräche mit der staatlichen Stiftung und dem Kultusministerium zur dauerhaften Unterbringung der Mönche ein positives Ende finden werden.

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Die Sternsinger haben die Milliarden-Marke geknackt: Wie das katholische Kindermissionswerk "Die Sternsinger" bekannt gab, hätten die kleinen Könige Anfang 2017 rund 46,8 Millionen Euro gesammelt. Davon stammten rund 45 000 Euro aus dem Lausitzbistum Görlitz. Seit der ersten Sternsingeraktion 1959 wurden damit 1,040 Milliarden Euro für Kinder in der Dritten Welt gesammelt. Ein positives Spendenergebnis vermeldete kürzlich auch die evangelische Aktion "Brot für die Welt": Im Jahr 2016 erhielt das zum Evangelischen Werk für Diakonie und Entwicklung gehörende Hilfswerk Spenden und Kollekten in Höhe von 61,7 Millionen Euro - rund 4,2 Millionen mehr als im Jahr zuvor. Etwa 3,1 Millionen Euro kamen aus der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz.