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| 19:56 Uhr

Öffentlicher Verkehr
150 Bahnhöfe in Brandenburg sollen bis 2029 modernisiert werden

 Der Falkenberger Bahnhof gehört zu jenen Stationen, die in den kommenden zehn Jahren modernisiert werden sollen.
Der Falkenberger Bahnhof gehört zu jenen Stationen, die in den kommenden zehn Jahren modernisiert werden sollen. FOTO: LR / Sylvia Kunze
Potsdam. Das Land Brandenburg und die Deutsche Bahn AG wollen in den kommenden zehn Jahren rund 150 Bahnhöfe modernisieren – das ist etwa jeder zweite Brandenburger Bahnhof. Von Benjamin Lassiwe

Im Land Brandenburg soll in den nächsten zehn Jahren jeder zweite Bahnhof der Deutschen Bahn AG modernisiert werden. Eine entsprechende Rahmenvereinbarung unterzeichneten Landesverkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) und der Infrastrukturvorstand der Deutschen Bahn AG, Ronald Pofalla, am Donnerstag in Potsdam. „Es geht um ein Investitionsprogramm von 170 Millionen Euro für die nächsten zehn Jahre“, sagte Schneider. Davon sollten 102 Millionen Euro von der im Bundesbesitz befindlichen DB Station und Service AG getragen werden. Das Land Brandenburg will 68 Millionen Euro zu dem Programm beisteuern.

Zu den Bahnhöfen, die von dem Programm profitieren, gehört etwa der Bahnhof von Falkenberg (Elster). An dieser Station kreuzen die Bahnlinien von Cottbus nach Halle und von Berlin nach Dresden. Dort sollen nun die Bahnsteige des unteren Bahnhofs, also an der Strecke von und nach Berlin erneuert werden. Zusätzlich soll die Station einen Aufzug und ein Blindenleitsystem erhalten. Auch eine Reihe anderer Lausitzer Bahnhöfe soll perspektivisch neue Aufzüge bekommen, etwa die Stationen in Elsterwerda, Lübben, Lübbenau, Sedlitz-Ost und Senftenberg. Die Bahnsteige in Beutersitz, Guben und Lauchhammer sollen erneuert werden. Und in Elsterwerda, Herzberg (Elster), Forst und Senftenberg sollen Bahnsteigdächer saniert oder neu gebaut werden. Zudem soll es an zahlreichen Bahnhöfen neue Vitrinen und Anzeigen oder Wlan geben.

Eine besondere Rolle soll künftig auch der Bahnhof Cottbus spielen. „Cottbus wird einer unserer Zukunftsbahnhöfe“, sagte Jeanette Winter, die Leiterin des Regionalbereichs Nordost von DB Station und Service. „In diesem Bahnhof wollen wir innovative Dinge unterbringen.“ In Zusammenarbeit mit Studenten von der BTU sollen neue Sitzelemente erprobt werden. Nachgedacht werden soll auch über Steckdosen zum Aufladen von Handys, Ruhezonen und der Schaffung einer Coworking-Etage für Büroarbeit. „Unser Ziel ist, dass der Bahnhof künftig nicht nur dazu dient, anzukommen und abzufahren.“ Insgesamt werden bis 2028 rund 150 Bahnhöfe und Haltepunkte durch das Programm modernisiert.

„Die Metropolregion Berlin-Brandenburg ist aus Sicht der Bahn ein ganz wichtiger Mobilitätsschwerpunkt“, sagte Pofalla. „Mit dem Programm leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Erreichbarkeit und der Wettbewerbsfähigkeit des Landes Brandenburg.“

 Kritischer sieht der Grünen-Abgeordnete Michael Jungclaus das neue Programm. Der Politiker, der zu Beginn der Legislaturperiode zahlreiche Bahnhöfe im Rahmen einer Bahnhofstour besucht hatte, freut sich zwar darüber, dass das Ministerium nun eine „Kernforderung der Grünen“ erfülle. „Vom Verfahren her ist das aber unmöglich“, sagte Jungclaus dieser Zeitung. „Zehn Jahre lang hat man nichts gemacht und jetzt, drei Monate vor der Wahl, wird so ein Programm vorgestellt – und die nächste Regierung muss es dann umsetzen.“ Er wolle sich in der kommenden Woche im Verkehrsausschuss danach erkundigen, wo eigentlich das Geld für das Programm herkommen solle.

Auch die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, Anita Tack, freute sich über das neue Maßnahmenpaket. Jetzt müsse es darum gehen, das Versäumte aufzuholen, um für mehr Aufenthaltsqualität und Service auf der Schiene zu sorgen und so eine nachhaltige Mobilitätspolitik voranzubringen, erklärte Tack in Potsdam.

Nichts mit dem neuen Programm zu tun haben im Übrigen die im Rahmen des Strukturwandels in der Lausitz geplanten Investitionen etwa in ein zweites Gleis zwischen Lübbenau und Cottbus. Dennoch zeigte sich Ministerin Schneider gestern glücklich darüber, dass das Gleis nun im Eckpunktepapier des Bundeskabinetts enthalten ist. „Die Genehmigungsplanung für das Gleis ist momentan am Laufen“, sagte Schneider. „Als Nächstes kommt dann die Planfeststellung.“ Wann das Gleis tatsächlich gebaut werden könne, hänge davon ab, wie lange das Planfeststellungsverfahren dauere. „Aber es ist wichtig, dass wir jetzt eine Finanzierungsperspektive haben.“

Bahnhofsmodernisierungsprogramm des Landes Brandenburg