Das Potsdamer Gesundheitsministerium arbeitet an einem neuen Krankenhausplan. Erste Eckdaten stehen nun fest. Mehr Betten in der Geriatrie und der Psychiatrie, weniger Betten in der Geburtshilfe und der Kinderheilkunde. Das sind die Eckpunkte des im Entstehen befindlichen neuen Krankenhausplans des Landes, über den Gesundheitsministerin Anita Tack (Linkspartei) sowie Vertreter der Krankenkassen und der Landeskrankenhausgesellschaft am Freitag in Potsdam berieten. "Im Jahr 2020 wird jeder vierte Brandenburger 65 Jahre alt und älter sein", sagte die Gesundheitsministerin vor Journalisten. Gleichzeitig würden weniger Kinder im Land zur Welt kommen. Deswegen müsste auch die medizinische Versorgung angepasst werden. In der Zeit von 2014 bis 2018 soll die Zahl der geriatrischen Krankenhausplätze deswegen um 44 Prozent steigen. Ebenso soll die Zahl der Betten in der inneren Medizin um zehn Prozent, und in der Neurologie um sieben Prozent wachsen.

Um 23 Prozent reduziert werden soll dagegen die Kapazität in der Geburtshilfe, um 19 Prozent bei den Kinderstationen, um 16 Prozent in der Chirurgie und um 25 Prozent in der Hals-Nasen-Ohrenmedizin. "Diese Fächer behandeln vor allem Erkrankungen und Verletzungen, die man sich in jungen Jahren zuzieht", so Tack. Sie würden in Zukunft vermutlich weniger nachgefragt. "Unser Ziel ist es, die Grundstruktur der medizinischen Versorgung im Land Brandenburg zu stabilisieren." Die Ministerin plädierte nachdrücklich dafür, dass sich nicht nur die kirchlichen, sondern auch die kommunalen Krankenhäuser in Klinikverbünden zusammenschließen sollten. Künftig werde stärker als bisher die Regel gelten: "Nicht jedes Haus muss alles machen", so Tack.

Dies gelte besonders bei speziellen Operationen, bei denen kleinere Krankenhäuser nur sehr geringe Fallzahlen aufweisen. Von den 52 Krankenhäusern mit ihren 62 Standorten soll deshalb keines geschlossen werden. Dort, wo Kapazitäten abgebaut werden, sollten möglichst neue Kapazitäten entstehen: Dies gelte etwa für das Krankenhaus Templin, wo die Bettenkapazität in der Geburtshilfe reduziert werde und stattdessen eine Geriatrie neu entstehe.

Insgesamt werde es vor und nach der Reform rund 15 000 Krankenhausbetten in Brandenburg geben. Rund 2600 Betten seien aber von der Strukturverschiebung des neuen Krankenhausplans betroffen. "Das heißt natürlich auch, dass wir neue Fachkräfte brauchen", so Tack. "Die Kliniken sind schon heute aufgefordert, neues Personal etwa für die Geriatrie zu gewinnen."

Auch die Zahl der Plätze in Tageskliniken, wo nicht mehr bettlägerige Patienten nach einem kurzen Krankenhausaufenthalt betreut werden können, will das Land Brandenburg um 300 erhöhen. "Wir sparen dadurch Krankenhaustage", so Tack.

Insgesamt hat Brandenburg in der Zeit von 1991 bis 2014 rund vier Milliarden Euro in seine Krankenhäuser investiert. Allein in dieser Legislaturperiode stehen nach Angaben Tacks 400 Millionen Euro für die Kliniken zur Verfügung. Keine Entscheidung gefallen sei nach Angaben aus dem Ministerium über die Zukunft der Orthopädie in Spremberg und die Kapazitäten und Schwerpunkte des zum Verkauf ausgeschriebenen Krankenhauses in Forst.

Abgelehnt werde der Wunsch des Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikums, neben Bernau, Berlin und Cottbus ein weiteres Herzzentrum zu errichten. Und das Cottbuser Carl-Thiem-Klinikum wird nach dem Vorbild des Potsdamer Sankt-Joseph-Krankenhauses eine Bereitschaftspraxis für nicht lebensbedrohliche Fälle erhalten. "Wer am Wochenende oder während der Feiertage den Wunsch verspürt, einen Arzt aufzusuchen, dem wird dort geholfen werden", so die Ministerin.