Brandenburgs Landesregierung geht indes nach dem juristischen Sieg im Streit um Nachtflüge vom künftigen Hauptstadtflughafen auf die Anwohner zu. Probleme bei der Bewilligung von Schallschutz müssten abgestellt werden, stellte Staatssekretär Rainer Bretschneider (SPD) klar. „Es geht offensichtlich darum, dass unterschiedliche Ingenieurbüros unterschiedliche Kriterien angelegt haben“, erklärte er. „So etwas darf nicht sein.“

Bretschneider sagte, es mache ihm keine Sorgen, dass der Bürgerverein Brandenburg-Berlin den Streit nun vor europäischen Richtern fortsetzen will. „Es ist ein gutes Recht aller Betroffenen sich zu wehren, ob in Europa oder in Karlsruhe beim Bundesverfassungsgericht.“ Das Thema sei juristisch nicht zu lösen. „Was wir brauchen ist neben dem Juristischen eine Akzeptanzstrategie, die sich in der Tat mehr der Menschen annimmt als bisher.“

Die Unterlegenen machen unterdessen weiter ihrem Unmut Luft. Der Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow, Ortwin Baier (SPD), warf dem Vorsitzenden Richter am Bundesverwaltungsgericht, Rüdiger Rubel, Befangenheit vor. Die höchste Instanz hatte am Donnerstag Flüge am späten Abend und am frühen Morgen genehmigt. Das Infrastrukturministerium habe den Gestaltungsspielraum eingehalten, die Lärmschutzinteressen der Bürger seien ausreichend ermittelt.

Am Rande der Urteilsverkündung hatten am Donnerstag Anwohner berichtet, sie würden wie Bettler behandelt, wenn es um Einbauten wie Schallschutzfenster oder Lüfter gehe. „Die Realität sieht so aus, dass man sich um jede Hilfe streiten muss“, sagte Herbert Burmeister, der frühere Bürgermeister von Schulzendorf. Bretschneider sprach dagegen von Einzelfällen, die so nicht passieren dürften. „Die Bürger in der Region müssen das Gefühl haben, dass sie anständig und sachgerecht behandelt werden. Das ist selbstverständlich.“

Die Flughafengesellschaft hatte in der Verhandlung zugesagt, das Schallschutzgebiet zu erweitern. Summen wurden bisher nicht genannt. Bislang sind 140 Millionen Euro vorgesehen. Ein Jahr vor der geplanten Eröffnung des Flughafens am 3. Juni 2012 hatten erst 16 000 der bis dahin 25 500 Berechtigten Anträge eingereicht.

Bei der heutigen Demonstration in Friedrichshagen hatten die Gegner der betreffenden Flugroute auf die Anwesenheit von Klaus Wowereit (SPD) gehofft. Nun werfen sie dem Regierenden Bürgermeister von Berlin vor, er habe eine Zusage nach dem Leipziger Urteil zurückgezogen. Senatssprecher Richard Meng sagte, es habe nie eine Zusage gegeben. Wowereit gehe zur Gala „Künstler gegen Aids“, das sei schon lange geplant. Er sei aber weiterhin bereit, bei einem späteren Termin bei der regelmäßigen Demo zu erscheinen.