Von Benjamin Lassiwe

Im Bemühen um mehr Insektenschutz haben nach den Landnutzern nun auch die Naturschutzverbände BUND und NABU ihre Volksinitiative zum Artenschutz gestartet. Unter der Überschrift „Artenvielfalt retten – Zukunft sichern“ fordern die beiden Organisationen ein Verbot des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in Naturschutz- und FFH-Gebieten. Zudem sollte es zehn Meter breite Gewässerrandstreifen entlang von Gräben, Bächen und Tümpeln geben, auf denen ebenfalls keine Pestizide mehr eingesetzt werden dürfen. Und landeseigene Agrarflächen sollten vorzugsweise an ökologisch wirtschaftende Betriebe verpachtet werden.

„Die Honigbiene liegt auf der Intensivstation“, sagte Johann Lütke Schwienhorst, Agrarreferent der auf den Bienenschutz spezialisierten Berliner Aurelia-Stiftung am Montag in der Potsdamer Landespressekonferenz. Und von den Wildbienen- und wespenarten, die in Deutschland vorkommen, sind nach Angaben des stellvertretenden Landesvorsitzenden des BUND, Thomas Volpers, rund 50 Prozent in ihrem Bestand gefährdet. „Nur mit gesetzlichen Festlegungen können wir eine politische Kehrtwende hin zu einer naturverträglichen Landwirtschaft in Brandenburg schaffen“, sagte Friedhelm Schmitz-Jersch, der Vorsitzende des NABU Brandenburg. „Bislang ist dies in der Landespolitik sträflich vernachlässigt worden – die Quittung in Form des Artensterbens haben wir jetzt.“

Doch die Naturschutzverbände sind nicht die Einzigen, die derzeit Unterschriften gegen das Artensterben sammeln. Denn schon am Freitag hatten die Landnutzerverbände rund um das Forum Natur mit einer eigenen Volksinitiative begonnen. Zuvor waren Gespräche zwischen beiden Gruppen in Potsdam gescheitert. Doch im Unterschied zu Bayern, wo es dem Bauernverband nicht gelang, dem am Ende von mehr als 1,8 Millionen Menschen unterzeichneten Volksbegehren der Naturschützer etwas entgegenzusetzen, sind die Landnutzer in Brandenburg kampagnenfähig. Und mit mehr als 200 000 Menschen erreichen die Landnutzerverbände etwa zehn Mal so viele Mitglieder wie die Naturschützer. Schmitz-Jersch freilich machte dem Bauernverband und den übrigen Agrarverbänden, die sich im „Forum Natur“ zusammengeschlossen haben, am Montag schwere Vorwürfe. Deren Volksinitiative „Mehr als nur ein Summen“ sei ein „unseriöses Vorgehen“. Sie vertrete „nur Scheinlösungen, um Menschen von unserer wirkungsvollen Volksinitiative abzuhalten“.

Unterstützung erhielt die Volksinitiative der Naturschutzverbände am Montag von den Grünen. „Wir freuen uns, dass nach der grandios erfolgreichen Volksinitiative in Bayern mit mehr als 1,75 Millionen Unterschriften auch hier in Brandenburg die Volksinitiative zur Rettung der Artenvielfalt startet“, sagte der Landtagsabgeordnete Benjamin Raschke (Bündnis 90/Die Grünen). Das gebe dem Artenschutz Rückenwind, denn bislang seien alle Anläufe dafür am Widerstand des SPD-Agrarministers gescheitert. „Jetzt braucht es das gesellschaftliche Engagement, um die Landesregierung zur Kurskorrektur zu zwingen.“