Von Benjamin Lassiwe

Etwas schüchtern steht Susanna Karawanskij vor der roten Wand in der Parteizentrale der Potsdamer Linken, dem Lothar Bisky-Haus. „Das macht man ja auch nicht so alle Tage“, sagt die 37-jährige frühere Bundestagsabgeordnete der Linken. In der vergangenen Woche hatte die von der Landesvorsitzenden Anja Meyer geleitete Findungskommission der Linkspartei die Leipzigerin gefragt, ob sie sich nach ihrem Ausscheiden aus dem Parlament im Herbst 2017 die Nachfolge von Diana Golze im Brandenburger Gesundheitsministerium vorstellen könne. Und Karawanskij sagte nach einiger Bedenkzeit „Ja“.

Dabei hat die Politikerin aus Sachsen bislang kaum Erfahrungen im Gesundheitsbereich. Einige Jahre war sie im Vorstand des Deutschen Kinderhilfswerks, und als Finanzpolitikerin hatte sie mit Unterhaltszahlungen und Steuern oder der Ausstattung von Frauenhäusern zu tun. Aber sie soll sich schnell in neue Themen einarbeiten können. Und das wird auch nötig sein: Denn in Potsdam springt Karawanskij ins eiskalte Wasser. „Die Zeit drängt ja in gewisser Weise“, sagte die neue Ministerin. Sie wolle das Haus kennenlernen, sich den Mitarbeitern vorstellen. „Aber wir kommen in eine politische Lage, wo wir handeln müssen.“

 So wolle sie sich für eine zügige Umsetzung der Erkenntnisse der Lunapharm-Taskforce einsetzen – dass diese Aussage so fallen würde, war beim ersten öffentlichen Auftritt der neuen Gesundheitsministerin mehr als nur erwartbar.

Doch Karawanskij will sich auch Zeit für die Betroffenen nehmen. Sie will mit den Menschen reden, „ihnen Sicherheit geben“, Patientinnen und Patienten besuchen. „Die Linke sagt ja immer: Gesundheit ist keine Ware“, sagt Karawanskij. Genau das waren die Dinge, die bei den Aufarbeitungsversuchen ihrer Vorgängerin Diana Golze fehlten. Nicht ein einziges Treffen mit einer Krebs-Selbsthilfegruppe stand in dem den Medien zugänglichen Terminkalender, nicht ein Mal suchte die frühere Ministerin direkt Kontakt zu den Patienten – obwohl es doch seit den Zeiten Manfred Stolpes fast zur Staatsraison in Brandenburg gehört, dass Minister im Land unterwegs sein müssen und Kontakt zur Bevölkerung zu suchen haben.

Karawanskij indes wusste am Freitag, was sich gehört: „Ich möchte es an der Stelle auch nicht versäumen, meiner Vorgängerin Diana Golze dolle zu danken“, sagte die Politikerin. Golze saß nur einige Meter weiter im Vorstandsraum der Linken und hatte an der mit nur einer Enthaltung erfolgten Nominierung Karawanskijs teilgenommen. An einige ihrer Projekte will die neue Sozialministerin auch anknüpfen, etwa an den „Runden Tisch“ zur Kinderarmut oder an die aus dem Brandenburger Sozialministerium gestartete Bundesratsinitiative für Verbesserungen in der Pflege.

 Doch im Zentrum von allem wird in den nächsten Monaten der Lunapharm-Skandal stehen – und die in Leipzig lebende Tochter und der Gatte der 37-jährigen Politikerin werden sich wohl damit abfinden müssen, dass sie Susanna Karawanskij künftig etwas seltener sehen als bisher. Pläne zu einer Kandidatur für den Brandenburger Landtag habe sie derzeit allerdings noch nicht, sagte die Politikerin am Freitagabend. Aber was nicht ist, kann ja noch werden – schließlich gehört die Sächsin genau jener Generation von Politikern an, in der es bei den Brandenburger Linken einen eklatanten Personalmangel gibt. Da kann es gut sein, dass die Verstärkung aus Sachsen auch länger gebraucht wird, als nur bis zur nächsten Landtagswahl.