Von Benjamin Lassiwe

Mit insgesamt 72 Kandidaten will Brandenburgs SPD bei den Landtagswahlen am 1. September antreten. Doch auf der am Montagabend einstimmig vom Landesvorstand beschlossenen Landesliste müssen sich, sieht man von Spitzenkandidat Dietmar Woidke einmal ab, fast alle Bewerber aus der Lausitz hinten einsortieren. Am besten platziert ist noch der Direktkandidat im Wahlkreis 28, der unter anderem die Städte Lübben und Luckau umfasst: Sascha Philipp konnte Listenplatz neun erringen. „Damit unterstreicht die SPD, wie wichtig ihr das Leben auf dem Land ist“, sagt SPD-Generalsekretär Erik Stohn.

Stohn selbst muss sich um den Wiedereinzug in den Landtag dagegen keine Sorgen machen: Er findet sich auf Listenplatz drei, direkt hinter Landtagspräsidentin Britta Stark und vor Innenstaatssekretärin Katrin Lange und dem Fraktionsvorsitzenden Mike Bischoff, der auf Platz fünf antritt. Womit Woidke auch darauf verzichtet, Mitglieder des Kabinetts auf die ersten Plätze seiner Landesliste zu holen.

Ausgerechnet Agrarminister Jörg Vogelsänger, dem viele Beobachter attestieren, den politischen Zenit schon längst überschritten zu haben, findet sich als bestplatzierter Minister auf Listenplatz sieben. Die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, die Cottbuserin Martina Münch, die bei der letzten Landtagswahl noch unmittelbar hinter Dietmar Woidke auf Listenplatz zwei stand, muss sich dagegen auf Listenplatz 14 einsortieren.

Doch bedenkt man, dass die SPD in Umfragen derzeit bei etwas mehr als 20 Prozent liegt, ist das noch ein recht sicherer Listenplatz. Das gilt auch für Wolfgang Roick aus Oberspreewald-Lausitz, der der Ministerin auf Listenplatz 15 folgt, und die in Vetschau kandidierende Verkehrsministerin Kathrin Schneider auf Listenplatz 16.

Danach allerdings könnte es für viele Lausitzer Bewerber schon sehr eng werden. Barbara Hackenschmidt, die in Elbe-Elster antritt, kann sich auf Listenplatz 22 wohl nur noch Hoffnungen auf ein Landtagsmandat machen, wenn die SPD nirgendwo im Land einen Wahlkreis direkt gewinnt.

Ansonsten muss sie ebenso auf den Gewinn eines Wahlkreises setzen, wie die Cottbuserin Kerstin Kircheis, die schon 2014 per Direktmandat in den Landtag eingezogen war und sich dort als Verkehrsexpertin und Kämpferin gegen die Kreisgebietsreform hervortat. Sie wurde von ihrer Partei lediglich auf dem wenig aussichtsreichen Listenplatz 26 platziert.

Noch weiter hinten folgen die Schwarzbacherin Gabi Theiss, der Generalsekretär Erik Stohn im Januar noch „hervorragende Wahlkreisarbeit“ bescheinigte, Jörg Rakete, der im Wahlkreis Spree-Neiße II antritt, und Kerstin Weide aus dem Elbe-Elster-Wahlkreis 37. Sie alle hat der Landesvorstand offensichtlich bereits abgeschrieben. Doch schon bei den letzten Vorstandswahlen war es den Lausitzer Sozialdemokraten ja nicht gelungen, sich auf dem Landesparteitag durchzusetzen. Schon im November waren Dietmar Woidke und LDS-Landrat Stephan Loge als einzige Bewerber aus der Lausitz in den Parteivorstand gewählt worden.

Die Parteispitze indes hob am Dienstag hervor, dass die Liste der SPD eine „junge Liste“ sei: Auf den ersten 20 Listenplätzen seien drei Kandidaten, die jünger als 35 Jahre alt seien. Zudem sei die Liste alternierend aufgestellt, Männer und Frauen wechseln sich ab.

Doch würde das neue Brandenburger Parité-Gesetz schon heute in Brandenburg gelten, könnte auch die SPD nicht mit 72 Kandidaten in das Rennen gehen. Denn ab Listenplatz 66 finden sich auch bei den Sozialdemokraten nur noch Männer auf der Liste.