Brandenburgs Landesregierung will sich stärker gegen Rechtsextremismus engagieren. "Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus und Intoleranz sind nach wie vor eine große Gefahr für die Gesellschaft", erklärte der Chef der Staatskanzlei, Thomas Kralinski (SPD), am Donnerstag bei einer Demokratiekonferenz in Potsdam. Er verwies darauf, dass es in Brandenburg 2015 fast 1600 Fälle rechtsmotivierter Kriminalität gegeben habe. "Das können und das wollen wir so nicht stehen lassen", sagte der Staatssekretär vor rund 90 Teilnehmern.

Bei der Konferenz berieten Experten, wie jährlich rund 2,3 Millionen Euro aus zwei Bundesprogrammen am besten genutzt werden können. Die Programme sollen verzahnt und die Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene verstärkt werden, sagte der kommissarische Leiter des Vereins Demokratie und Integration Brandenburg, Markus Klein.

Eine große Herausforderung für die kommenden Jahre sei die Integration von Flüchtlingen, sagte Klein. "Wie schaffen wir es, die Leute ins Gemeinwesen zu integrieren?" Das zweite große Themenfeld sei die Polarisierung der Gesellschaft. Ein Teil der Menschen stehe ein für eine offene Gesellschaft, ein Teil sehe in der Zuwanderung dagegen eine Gefahr. Ziel müsse es sein, ins Gespräch zu kommen, sagte Klein. "Wir dürfen vor Ort nicht sprachlos sein."

Auf der Konferenz berichteten Vertreter von Projekten auch von ihren Erfahrungen vor Ort. Ein Thema sei das Spannungsfeld gewesen, dass auf Bundesebene über eine stärkere Abschottung gegen Flüchtlinge diskutiert werde, während sich vor Ort oftmals Ehrenamtliche für eine bessere Integration einsetzten. "Das macht die Arbeit nicht einfacher", sagte Klein.

Der Verein Demokratie und Integration Brandenburg war vor zehn Jahren in seiner heutigen Form gegründet worden. Zu ihm gehören auch die Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Inte gration und Demokratie (RAA) sowie das Institut für Gemeinwesenberatung mit seinen mobilen Beratungsteams. Insgesamt zähle der Verein bis zu 60 Mitarbeiter, sagte Klein.

Die Ursprünge der Arbeit gehen auf die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Ostdeutschland Anfang der 1990er-Jahre zurück. Ziel des "Brandenburger Wegs" sei es heute, die Leute vor Ort nicht belehren zu wollen. Vielmehr solle geholfen werden, Probleme zu lösen, sagte Klein. Mit dem Flüchtlingszuzug vor einem Jahr sei deutlich mehr Arbeit auf Mitarbeiter und Ehrenamtliche zugekommen.

Zum Thema:
Einen Monat nach der Schändung der Potsdamer Moschee mit einem Schweinekopf steht fest, woher das Tier stammte. Wie ein Sprecher des Innenministeriums am Donnerstag mitteilte, haben Ermittler am abgelegten Kopf eines Ferkels eine Ohrmarke entdeckt. Diese führte zu zwei landwirtschaftlichen Betrieben in Mecklenburg-Vorpommern. Das bedeute aber nicht, so der Sprecher, dass die Betriebe mit der Schändung in Verbindung gebracht werden könnten. Sie beliefern auch Großhändler im Raum Potsdam, hieß es. Der Kopf wurde am 1. Oktober vor den Moschee-Räumen gefunden. dpa/roe