Von Benjamin Lassiwe

Der Rat für Angelegenheiten der Sorben/Wenden beim Potsdamer Landtag hat eine neue Vorsitzende. Das Gremium wählte am Dienstag einstimmig die stellvertretende Domowina-Regionalsprecherin von Cottbus, Kathrin Schwella. Sie folgt auf den langjährigen Ratsvorsitzenden Torsten Mack, der bei der Wahl des Gremiums im Herbst nicht mehr antrat. „Ich komme von der Basis, und muss zunächst einmal das neue Amt kennenlernen“, sagt Schwella, die zu DDR-Zeiten ein Ingenieurstudium für Baustoffverfahrenstechnik abschloss und nach der Wiedervereinigung im Witaj-Sprachenzentrum arbeitete.

Als große Herausforderungen des Rates nannte sie den Strukturwandel in der Lausitz und die aktuellen Probleme in der Bildungspolitik. „Wir haben das Problem, vor dem auch alle anderen im Bildungsbereich stehen“, sagte Schwella. „Wir brauchen Lehrer und Erzieher.“ In den letzten Jahren sei vielleicht nicht genügend geworben worden, um den Beruf des Sorbisch-Lehrers attraktiver zu machen. „Wir brauchen eine bessere Zusammenarbeit mit der Ausbildungsstätte in Leipzig und mit dem Niedersorbischen Gymnasium“, sagte Schwella. Denn der Sorbisch-Unterricht stehe vor einem großen Lehrermangel in den nächsten Jahren. „Wir haben kein Problem mehr mit den Schülern, die die sorbische Sprache erlernen wollen – uns fehlt mittlerweile das Lehrpersonal.“

Überschattet wurde die Neuwahl allerdings von der geringen Wahlbeteiligung bei den landesweiten Briefwahlen zum Sorben/Wenden-Rat. Ganze 630 gültige Stimmzettel gingen beim Wahlvorstand ein. „Viele Wähler glaubten wohl, noch von der letzten Wahl im Wählerverzeichnis zu stehen, das existierte aber nicht mehr“, sagt Schwella. Wer sich an der Wahl beteiligen wollte, habe sich neu in das Wählerverzeichnis eintragen müssen.