Auch in den kommenden Jahren sollen jährlich zwischen 5000 und 6000 Wohnungen in alten DDR-Plattenbauten der Abrissbirne zum Opfer fallen.
Hintergrund der Abriss-Welle ist die dramatische Zunahme des Wohnungsleerstandes, von dem ganz Ostdeutschland betroffen ist. Er droht die ohnehin durch die DDR-Altschulden belasteten Wohnungsgesellschaften in den Ruin zu treiben. Allein in den letzten vier Jahren stieg der Leerstand, wie der Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen jetzt auf einem Kongress in Halle beklagte, um weit über 300 000 auf inzwischen 1,3 Millionen an. Trotz des milliardenschweren Bund-Länder-Programms (2,7 Milliarden Euro bis 2009) für den Stadtumbau Ost gehe es nicht vorwärts.
"Die Probleme wachsen schneller als die Lösungen", so GdW-Präsident Lutz Freitag, der unter anderem mehr Geld für den aufwändigeren Rückbau forderte. Außerdem müsse das Programm über 2009 hinaus verlängert werden.
Eichler erklärt, dass innerhalb des laufenden Programms in den nächsten Jahren etwa 50 000 Wohnungen abgerissen werden könnten. 160 000 stünden in Brandenburg jedoch zurzeit leer, diese Zahl werde weiter steigen. Eichler hält deshalb ein 20-Jahres-Programm für erforderlich.
Dass Brandenburg nicht so stark wie andere ostdeutsche Länder betroffen ist, liegt nicht zuletzt an den besonderen geographischen Bedingungen. In Berlinnähe gebe es teilweise einen starken Bevölkerungszuwachs, so dass der Leerstand im so genannten Speckgürtel deutlich geringer sei. Er betrug dort 2001 durchschnittlich nur 7,4 Prozent. Hingegen nimmt die Bevölkerung in den Randregionen dramatisch ab. Die Leerstandsquote betrug dort im gleichen Jahr rund 14 Prozent. Es gibt allerdings eine Reihe von Städten, wo inzwischen jede vierte Wohnung leer steht: so in Lauchhammer, Luckenwalde und Wittenberge.
Abgerissen wird nach der Verwaltungsvereinbarung mit dem Bund dort, wo Wohnungsunternehmen mit einem Leerstand von mindestens 15 Prozent zu kämpfen haben. In knapp 30 Kommunen gibt es solche hohen Leerstandsquoten. Bauminister Hartmut Meyer (SPD) hatte kürzlich mitgeteilt, dass über 50 Wohnungsunternehmen in ihrer Existenz gefährdet sind.

Hintergrund Abriss statt Rückbau
 Weil schnelle Hilfe not tut., konzentriert sich Brandenburg auf den Abriss und nicht auf den Rückbau von DDR-Plattenbauwohnungen vor allem in den von Wegzug betroffenen Randregionen. Rückbau sei nicht bezahlbar, wird im Bauministerium betont. Beim Abriss betragen die Kosten nach dessen Angaben pro Quadratmeter 60 Euro, beim Rückbau bis 450 Euro.