Erst kam der Absturz des sozialdemokratischen Hoffnungsträgers. In seiner Partei hatten viele den 52-Jährigen schon als Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 2009 gesehen - vorbei. Nach nur fünfmonatiger Amtszeit trat Platzeck im April als SPD-Bundesvorsitzender zurück, begründet mit zwei Hörstürzen, Nerven- und Kreislaufkollaps, aber auch überfordert und aufgerieben vom Spagat, eine schwierige Partei zu führen und als Ministerpräsident ein ostdeutsches Umbruchland zu regieren. Dann folgte Jörg Schönbohm, sein Innenminister und Vize im Kabinett, der zu früh seinen Rückzug vom Vorsitz der Landes-CDU angekündigt hatte, damit Diadochenkämpfe im Landesverband auslöste, und auf dem Dresdner Bundesparteitag im November prompt nicht wieder ins Präsidium gewählt wurde.
Matthias Platzeck und Jörg Schönbohm, die rot-schwarze Doppelspitze, wurde anno 2006 geschwächt wie nie zuvor. Liegt darin der tiefere Grund, weshalb auch die Landespolitik in Provinzialität, Klein-Klein zurückfiel, sich in Affären und Machtkämpfe verstrickte, und das in einer atemberaubenden Dynamik? Den Anfang machte die CDU mit der E-Mail-Affäre. Der Internetdienstleister des Landesverbandes warf im August dem damaligen Generalsekretär Sven Petke vor, den elektronischen Postverkehr der Führung ausgespäht zu haben. Dieser trat auf Druck seines bisherigen Mäzens Schönbohm zurück und verkündete am Tag danach seine Kandidatur für den Parteivorsitz. Alle Minister und die Mehrheit der Landtagsfraktion unterstützen dagegen Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns, den Wunschnachfolger Schönbohms - die Union ist tief gespalten. Nachdem die Staatsan waltschaft die Ermittlungen gegen Petke inzwischen einstellte, gilt das Ende dieses politischen Krimis als offen.
Eigentlich hätte sich die SPD, die eine Umfrage im Sommer erstmals seit Jahren bei der 40-Prozent-Marke sah, gelassen zurücklehnen können. Doch Missmanagement und Alleingänge von Platzeck und seinem Finanzminister Rainer Speer stürzten auch die Genossen in eine Krise. Die Rundum-Versorgung für den Ex-Minister und neuen Cottbuser Oberbürgermeister Frank Syzmanski (SPD) und die Kür der Landtagsabgeordneten Britta Stark zur designierten Rechnungshofpräsidentin lösten Unverständnis und Empörung aus. Dann zwang auch noch die Landtagsfraktion Platzeck, die umstrittene Streichung des Weihnachtsgeldes für Beamte auf Eis zu legen, Speer hatte gar mit Rücktritt gedroht.
Im Dezember entschuldigte sich der Regierungschef im Landtag für all diese Affären (und für die CDU gleich mit), welche die eigentlich gute Brandenburger Bilanz vermasselt hätten. Sicher, da war auch noch der vom Potsdamer Stadtparlament zweimal vergeigte Bau des "Landtags-Schlosses" auf dem Alten Markt.
Trotzdem ist etwas dran. Die Arbeitslosigkeit ist 2006 im Land gesunken, die Exporte steigen, in Frankfurt (Oder) und Brandenburg werden neue Solarfabriken errichtet, in Potsdam eine Bonbonfabrik. Daimler schickte in Ludwigsfelde den neuen Sprinter los.
Der Flughafen Berlin-Brandenburg-International in Schönefeld wird gebaut. Und am Soldatenfriedhof in Halbe verhinderten Tausende Demokraten am Volkstrauertag einen Aufmarsch von Neonazis. Nach den Schlagzeilen, die am Ende nicht dominierten, war es vielleicht doch ein ganz gutes Jahr für die brandenburgische Provinz.