Den Auftakt dafür bildete am Mittwoch ein Spitzentreffen im Potsdamer Gesundheitsministerium. Wie es im Anschluss hieß, könnten künftig die Praxisassistentinnen die Hausärzte auf dem Land stärker bei der Behandlung von Schmerz- und Krebspatienten und bei der Versorgung von Pflegebedürftigen entlasten. Dadurch könnten neue Finanzierungsquellen erschlossen werden.Dabei hatte die SPD-Fraktion im Landtag im Vorfeld die Erwartungen an konkrete Ergebnisse geschürt und enormen Druck auf das von Anita Tack (Linke) geführte Gesundheitsressort aufgebaut. Statt einer von der SPD-Gesundheitsexpertin Sylvia Lehmann geforderten "Brandenburger Lösung" legte Gesundheitsstaatssekretär Daniel Rühmkorf lediglich einen Fahrplan vor. Was aus Agnes wird, deutete er nur an, denn es geht ums Gel d. Wie sich seit 2005 in der dreijährigen Pilotphase mit zwei Gemeindeschwestern am Medizinischen Zentrum in Lübbenau (Oberspreewald-Lausitz) herausgestellt hat, kostet deren Einsatz pro Fall samt Fahrtkosten 21,50 Euro. Doch der Bewertungsausschuss des Bundes hat die Fallpauschale auf 17 Euro festgesetzt. Besonders bei Einsätzen mit langen Wegen zu den Patienten ist das aus Sicht der Beteiligten zu wenig. Immerhin ist das Modell inzwischen Teil der Regelversorgung der Krankenkassen, auch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern machen mit. In Brandenburg beteiligen sich inzwischen 19 Hausarztpraxen an der Ausbildung von 20 Helferinnen. Doch deren Arbeit ist nun erheblich eingeschränkt, weil für die Ausstattung mit einem EKG-Gerät und Telemedizin-Technik wie in der Pilotphase die Mittel fehlen. "Agnes ist der richtige Ansatz", sagte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Hans-Joachim Helming. Um mit dem bereitstehenden Geld auszukommen, müssten aber möglicherweise Strukturen verändert werden. Auch Gesundheitsstaatssekretär Rühmkorf lobte nach dem Treffen unter anderem mit Vertretern des Medizinischen Zentrums Lübbenau das Projekt, sprach aber auch von nötigen Nachbesserungen. Geprüft werden müssten organisatorische Probleme, ob etwa jede Fahrt der Gemeindeschwester nötig sei, ob es etwa lohne, wenn Patienten nur zwei Kilometer von einer Praxis entfernt wohnen. Möglicherweise müsse nachjustiert werden. Vorerst werden dazu die Daten des Medizinischen Zentrums Lübbenau und einer Einzelpraxis in einer ländlichen Region ausgewertet. Frank Michalak, Vorstandschef der AOK Berlin-Brandenburg, erklärte: "Wir sind uns einig, dass wir weitermachen wollen." Denn von 2006 zu 2009 habe die Zahl der medizinischen Hausbesuche von 4000 auf 6400 gesteigert werden können. Um das Agnes-Projekt auszubauen, solle es künftig eine weitere Modellregion geben. In Sachsen sind derzeit vier Praxisassistentinnen tätig, unter anderem in Waldhufen (Kreis Görlitz), sagte der Sprecher des Dresdner Gesundheitsministeriums, Ralph Schreiber, der RUNDSCHAU. Im Freistaat lief zwischen 2007 und 2009 das Modellprojekt mit Gemeindeschwestern ebenfalls unter dem Titel Agnes. Damals nahmen fünf Arztpraxen mit jeweils fünf Helferinnen teil. "Die Ärzte fühlten sich spürbar entlastet, ohne dass es zu Abstrichen bei der Betreuung ihrer Hauspatienten gekommen ist. Auch die Akzeptanz bei den Patienten war sehr hoch", berichtet Schreiber.