Von Benjamin Lassiwe

Das Land Brandenburg stellt seinen Hochschulen in den nächsten fünf Jahren rund 1,76 Milliarden Euro zur Verfügung. Am Donnerstag unterzeichneten Wissenschaftsministerin Martina Münch (SPD) und die Präsidenten fast aller Brandenburger Hochschulen – lediglich die amtierende Präsidentin der BTU, Christiane Hipp, fehlte aus persönlichen Gründen – die Hochschulverträge, die die rechtliche Grundlage für die Landesfinanzierung der Bildungseinrichtungen darstellen. Darin enthalten sind etwa die Rahmenbedingungen für die Entwicklung der jeweiligen Hochschulen, Vereinbarungen über neue Studiengänge oder andere Vorgaben.

Wie sich die 1,76 Milliarden Euro unter den Hochschulen genau aufteilen, ist nach Angaben des Sprechers des Forschungsministeriums, Stephan Breiding, im Vorfeld nicht absehbar: Jahr für Jahr würden die Beträge an Hand von Faktoren, wie der Entwicklung der Studierendenzahlen, der Zahl der Professoren oder der Einwerbung von Drittmitteln neu berechnet.

Klar sind allerdings die Schwerpunkte des Landes: „Wir stellen 5,5 Millionen Euro zusätzlich für die Lehrerbildung zur Verfügung“, sagte Martina Münch. Für den Aufbau von dualen Studiengängen soll es 1,8 Millionen Euro geben, zudem sollen die Präsenzstellen in den regionalen Wachstumskernen ausgebaut werden.

Der Vorsitzende der Landeshochschulrektorenkonferenz, der Präsident der Universität Potsdam, Oliver Günther, begrüßte die neuen Verträge. Sie bildeten eine solide Grundlage für die Fortsetzung der Zusammenarbeit zwischen Land und Hochschulen. „Entscheidend ist allerdings, wie die nächste Landesregierung die Hochschulen finanziell ausstattet.“

Sehr zurückhaltend äußerte sich Münch zu den Forderungen auch aus ihrer eigenen Partei nach einer Ausbildung für Berufsschullehrer an der BTU. „Wir haben ein voll ausgebautes Lehramtsstudium in Potsdam, und wir wollen ja schnell neue Lehrer fürs Land haben“, sagte Münch. Würde man Teile der Lehramtsausbildung an die BTU verlagern, würde das deutlich länger brauchen.

Dem Land sei vollkommen klar, dass bei den Berufsschullehrern ein Bedarf bestehe. „Aber noch sind wir auf der Ebene der Kultusministerkonferenz dabei zu sortieren, wie man solche Studiengänge hinbekommt“, sagte Münch. „Wir werden mit der Universität darüber nachdenken, ob wir da im Masterbereich ausgewählte Dinge anbieten.“

Insgesamt gibt es in Brandenburg derzeit rund 47 000 Studierende. „Ich würde mir wünschen, dass wir uns bei 50 000 Studierenden einpendeln“, sagte Münch. Insgesamt wachse die Zahl der Studierenden in Brandenburg.

An der Universität Potsdam kommen etwa auf 4000 Studienplätze rund 20 000 Bewerber. Dagegen sinke an der BTU die Zahl der Studenten. „Das ist ein Sonderthema“, sagt Münch. Die BTU sei eine „Universität im Umbruch und Umbau“. Alte Studiengänge würden verschwinden, neue Schwerpunkte entstehen.

„Bei der BTU geht es auch nicht darum, um jeden Preis die Zahl der Studierenden hochzutreiben“, sagte die Ministerin. „Es geht vielmehr um die Ankerfunktion, die die Hochschule in der Region und im Strukturwandel hat.“

Das Ministerium sei aktiv damit beschäftigt, neue Forschungseinrichtungen in der Region anzusiedeln. „Wenn wir die besten Köpfe in die Region holen wollen, sind das aber vielfach auch internationale Wissenschaftler“, sagte Münch. „Da muss sich dann aber auch die Stadt klar engagieren und sagen: Ihr seit hier bei uns willkommen.“

Der Vizepräsident für Lehre und Studium der BTU, Matthias Koziol, sagte, es gebe an seiner Universität eine Reihe von Studiengängen, die nicht ausgelastet seien. Dies betreffe technische Studiengänge ebenso wie die Informations- und Medientechnik oder die Informatik. Auch in den grundständigen Studiengängen der Physik oder der Chemie fehlten Studierende. „Als Technische Universität brauchen wir das aber eigentlich“, sagte Koziol. Gerade Absolventen dieser Fächer würden in der Wirtschaft und angesichts des Strukturwandels in der Region benötigt.