Welch' Lobeshymnen sind nicht schon auf dieses Getränk gesungen worden, und wird es nicht gar zärtlich liebkost? Dabei ist das "kühle Blonde" bei den Brandenburger Kleinbrauereien gern auch schon mal "lieblich brünett" oder "rassig dunkel". Und hat Bier nicht die kuriosesten Beinamen? Hopfenkaltschale, Flüssigbrot, Krawallbrause, Hopfentee sind nur einige.

Dabei ist Brandenburg mit seinen 24 Brauereien, darunter 21 Kleinbrauereien, erst wieder ein aufstrebendes Bierland und im Vergleich zu Bayern mit nahezu 600 Bierherstellern noch ein Zwerg. Aber einer, der mehr und mehr von sich reden macht. Während die Großbrauereien jährlich vier bis fünf Prozent weniger Bier verkaufen, liegen die Wachstumsraten bei den Kleinstbrauern zwischen zehn und 30 Prozent. Jörg Kirchhoff, Vorsitzender des Vereins zur Förderung Brandenburger Klein- und Gasthausbrauereien und Braumeister in der Braumanufaktur Forsthaus Templin bei Potsdam, bremst die aufkommende Euphorie: "Die Kleinbrauereien in ganz Deutschland produzieren nur etwa fünf Prozent des Gesamtvolumens."

Aber sicher ist, regionale Biere sind auf dem Vormarsch. Das weiß auch Uwe Oppitz, Geschäftsführer des Finsterwalder Brauhauses. "Fast alle Biere unserer Mitglieder sind inzwischen in Hotelketten und besonderen touristischen Einrichtungen nachgefragt." Uwe Oppitz hat mit dem Verein in Finsterwalde nicht nur die erste Brandenburger Bierkönigin küren lassen, er ist auch der Vater der Brandenburger Bierstraße. Die wird am 23. April ebenfalls offiziell eröffnet. Zehn Brauereien liegen an der etwa 400 Kilometer langen Radlerstrecke. Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) will den ersten Teilabschnitt persönlich unter die Pedale nehmen, nachdem er mit Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) gemeinsam das große Bierfest um 11 Uhr eröffnet hat. Dass sich Pro Agro-Geschäftsführer Kai Rückewold da mit einklinkt, hat mehrere Gründe: "Die Kleinbrauereien passen genau in unser Jahresmotto ,Ein reich gedeckter Tisch - willkommen im Schlaraffenland Brandenburg', und sie unterstützen das, was auch wir fördern: mehr Individualität und mehr Regionalität beim Essen und Trinken", sagt er.

Bevor am nächsten Wochenende das Bier in Strömen aus den Zapfhähnen der 13 Kleinbrauereien fließen wird - mit dabei sind neben dem Finsterwalder Brauhaus die Babben-Brauerei Lübbenau und die Spreewälder Privatbrauerei Schlepzig - will Potsdams Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) die ersten Bierfässer anstechen. Durch die Stadt fährt ein Pferdefuhrwerk, von dem Freibier ausgeschenkt wird. Auf einer Bühne gibt es Livemusik.