30 bis 40 der in Deutschland vor 150 Jahren ausgerotteten Wildtiere sind inzwischen wieder nach Brandenburg zugewandert, und die Fachleute rechnen mit einem weiteren Anstieg der Zahl der gesetzlich unter Schutz stehenden Wölfe im Land. Deswegen will sich das Umweltministerium jetzt verstärkt darum bemühen, das Zusammenleben – oder genauer gesagt – das möglichst konfliktfreie Nebeneinander von Menschen und diesen immer noch mit allerlei Schreckensgeschichten verbundenen einst heimischen Raubtieren zu ermöglichen.

Mit dem WWF hat die Ministerin auch einen renommierten und vor allem zahlungsfähigen Partner gefunden, um zunächst die Erkenntnisse über die Tiere zu verbessern. Derzeit sind die vor allem in der Lausitz beheimatet, aber aus Sicht des Artenschutzexperten des WWF Volker Komes ist ganz Brandenburg „Wolfserwartungsland“. Dass die Tiere aus Osteuropa kommen, war bislang schon bekannt. Neuere wissenschaftliche Ergebnisse zeigen aber auch, dass so mancher Wolf hin und zurück wandert, und damit die in Brandenburg ansässigen Rudel nicht völlig isoliert von den weit größeren Beständen in Polen oder Weißrussland sind.

Die amtlichen Anstrengungen in Brandenburg konzentrieren sich neben der Beobachtung der Tiere, die weitestgehend vom WWF finanziert wird, auf Hilfen zum Schutz von Nutztierbeständen und Schadensregulierung bei denen, die unfreiwillig mit ihren Schafen oder Kälbern dem Wolf die Nahrungssuche erleichtern. Sachsen, bereits früher von den Wölfen wieder heimgesucht, hat mit dem Projekt „Lupus“ (lateinisch für Wolf) bereits wesentlich weitergehende Erfahrungen insbesondere in der Oberlausitz gesammelt. Die Konflikte, die dort insbesondere mit der Jägerschaft auftreten, sind laut Tack in Brandenburg bisher nicht zu beobachten.

Sachsens Kompetenz von Nutzen Tack versprach auch, die bislang eher bescheidene Kooperation mit den Sachsen zu verstärken. Ein wesentlicher Teil des inzwischen von ihrem Haus verbreiteten umfangreichen Info-Materials stammt auch von den Mitarbeiterinnen von Lupus. Die Sachsen haben sich bundesweit als die mit Abstand kompetentesten Wolfskenner profiliert und die Lausitz zu einer für Artenschützer weltweit hoch interessanten Region werden lassen.

Neben der Beobachtung der Tiere sollen die veralteten, aus dem Jahr 1994 stammenden Wolfsmanagementpläne überarbeitet und den neuen Erfahrungen angepasst werden. Der WWF ist bereits in Mecklenburg-Vorpommern und auch in Polen beim Wolfsschutz aktiv. Einer der wichtigsten Schwerpunkte wird die Öffentlichkeitsarbeit sein. Denn laut Tack sitzen die Ängste vieler Menschen immer noch tief, was an dem Zerrbild liege, das über dieses Raubtier verbreitet werde.

Dabei seien die Wölfe eine Tierart, die sich sehr gut der Kulturlandschaft anpassen kann, ohne für die Menschen zu einer direkten Gefahr zu werden. Informiert werden soll insbesondere in den Gegenden des Landes, in denen aufgrund der Beobachtung der Rudel mit einem dauerhaften Aufenthalt der Tiere zu rechnen ist. Geholfen werden kann in Zukunft nicht nur gewerblichen Tierhaltern beim Schutz ihrer Bestände, sondern auch Hobby-Bauern, die nur einen kleinen Bestand von Nutztieren ihr Eigen nennen.