Platzeck fügte hinzu, dass die Problemlage in Brandenburg anders sei als in Berlin, wo es nicht zuletzt um die frühzeitige Integration der Migrantenkinder gehe. In Brandenburg würden fast alle Kinder des letzten Vorschuljahres trotz Elternbeiträgen in Kitas betreut.
Auch Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) meinte, dass die Notwendigkeit in Brandenburg nicht so groß sei wie in Berlin. Dennoch sei die - in Berlin bereits beschlossene - Einführung eines gebührenfreien dritten Kita-Jahres ein Thema, das man in Brandenburg debattieren müsse. Sozial schwache Familien könnten so entlastet werden, sagte Rupprecht. Man müsse auch im Auge behalten, dass Brandenburg und Berlin eine gemeinsame Bildungsregion bildeten.

Drei Jahre nicht zu finanzieren
Einig sind sich Politiker der regierenden SPD/CDU-Koalition darin, dass die von Wowereit angekündigte gebührenfreie Kitabetreuung über alle drei Jahre vom Land nicht zu finanzieren ist. Rupprecht sagte, sie sei zwar absolut sinnvoll. Er werde aber nicht wie Wowereit einen Vorstoß machen, "den man dann womöglich nicht bezahlen kann". Finanzminister Rainer Speer (SPD) kommentierte: "Eine gebührenfreie Kitabetreuung ist von der Realität weit entfernt." Aus dem Landeshaushalt sei das auf keinen Fall zu finanzieren. Es sei auch leicht gesagt, dass der Bund einspringen solle. Wenn kein Geld da sei, haben solche Forderungen wenig Sinn. CDU-Generalsekretär Sven Petke sagte, der Vorstoß Wowereits habe wahltaktische Gründe.
Hingegen will die Potsdamer Koalition prüfen, ob ein gebührenfreies letztes Vorschuljahr eingeführt werden kann. Rupprecht kündigte an, das Thema am kommenden Dienstag in der ersten Sitzung der SPD-Fraktion nach der Sommerpause ansprechen zu wollen. Er verwies darauf, dass auf dem SPD-Landesparteitag bereits ein entsprechender Beschluss gefasst worden sei - allerdings mit der Einschränkung einer Beteiligung des Bundes. "Wir können das derzeit finanziell allein nicht stemmen."

CDU geht weiter als SPD
Die Programmkommission der CDU geht inzwischen weiter als die SPD: Sie hat am Dienstagabend eine flächendeckende Erhöhung der Qualität der Kitabetreuung und die Einführung einer Vorschule beschlossen. Sie will im letzten Jahr vor der Schule eine Art Unterricht einführen, der für die Eltern kostenfrei ist. Er halte es für notwendig, die Familien zu entlasten, die teilweise trotz geringer Einkommen hohe Kita-Beiträge bezahlen müssten, sagte Petke. Auch die große Koalition unter Angela Merkel in Berlin habe sich ein gebührenfreies Vorschuljahr ab 2009 auf ihre Fahnen geschrieben.
Wie der CDU-Generalsekretär sieht auch die PDS ein gebührenfreies Vorschuljahr als "Einstieg" an. Über die zusätzlichen Kosten gibt es unterschiedliche Schätzungen: Rupprecht geht von zehn Millionen Euro im Jahr aus, die PDS von über 20 Millionen.