Von Benjamin Lassiwe

Im Land Berlin soll es ab 2020 eine landesweite Wohnungslosenstatistik geben. Das kündigte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke) Anfang der Woche nach einer Senatssitzung an. Demnach sollen in einer „Nacht der Solidarität“ die auf den Straßen der Hauptstadt lebenden Menschen gezählt werden. Denn schon seit Jahren reichen in Berlin die Plätze in Notübernachtungen und Tagesstätten für Wohnungslose nicht mehr aus.

Und Brandenburg? Eine Sprecherin des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen sagte der RUNDSCHAU, dass ein ähnlicher Beschluss erst in der nächsten Legislaturperiode gefasst werden dürfte. In der Zeit zwischen Landtagswahl und Regierungsbildung könne die amtierende Ministerin so etwas nicht mehr veranlassen. Die Lübbenauer Landtagsabgeordnete Roswitha Schier (CDU) machte aber deutlich, dass auch hierzulande eine solche Statistik dringend nötig wäre. „Wir haben zu diesem Thema immer wieder ,Kleine Anfragen‘ gestellt, bei denen die Landesregierung immer wieder darauf verwies, dass ihr keine Zahlen über Wohnungslose in Brandenburg vorlägen.“ Wenn man ein Problem angehen und lösen wolle, bräuchte man dafür aber zuallererst verlässliche Daten. „Jeder Wohnungslose im Land bekommt Grundsicherung, oft holen sich die Menschen dieses Geld in Tagessätzen bei der Kommune ab“, sagte Schier. „Es gäbe also eine Möglichkeit, die Menschen zu erfassen.“

Ähnlich äußern sich auch Vertreterinnen der großen Sozialverbände. „Unsere Beratungsstellen berichten seit Längerem von einer Zunahme wohnungsloser Menschen und davon, dass es vermehrt neue Zielgruppen gäbe: junge Menschen, Frauen und Haushalte mit Kindern“, sagte die Direktorin des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (DWBO), Barbara Eschen, der RUNDSCHAU. „Auch Unionsbürgerinnen und Unionsbürger in prekären Verhältnissen nähmen demnach im Land zu.“ Allerdings gebe es durch das Fehlen der Statistik kein Zahlenmaterial, das diese Wahrnehmung belastbar abbilden könnte. „Das Problem der Wohnungslosigkeit macht angesichts steigender Mieten in größeren Städten wie Potsdam, Frankfurt(O), Fürstenwalde und Cottbus auch vor Brandenburg nicht halt“, sagte die Direktorin des Caritasverbands für das Erzbistum Berlin, Ulrike Kostka. Dieser Entwicklung werde von der Politik in Brandenburg zurzeit nicht genügend Beachtung geschenkt. Eine Wohnungsnotfallstatistik, die vor allem die Unterbringungen in Notunterkünften durch die Kommunen enthält, sei auch in Brandenburg sinnvoll und werde durch die Landesarmutskonferenz schon seit Längerem gefordert.