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Brandenburg dankt mutigen Aktivisten des Herbstes 89

Landtagspräsidentin Britta Stark, Friedrich Schorlemmer und Ministerpräsident Dietmar Woidke bei der Feierstunde in der Cottbuser Oberkirche.
Landtagspräsidentin Britta Stark, Friedrich Schorlemmer und Ministerpräsident Dietmar Woidke bei der Feierstunde in der Cottbuser Oberkirche. FOTO: dpa
Cottbus. Ein glücklicher und dankbarer Blick zurück und das Versprechen, die Erinnerung an den Herbst 1989 wachzuhalten, prägten am Freitagnachmittag die Feierstunde des Landes Brandenburg zum Mauerfall in Cottbus. Simone Wendler

Es war ein historischer Ort, an dem Bürger und politische Prominenz des Landes Brandenburg am Freitagnachmittag in Cottbus zusammenkamen, um an den Fall der Berliner Mauer vor 25 Jahren zu erinnern. Die Oberkirche war der Ort, an dem sich in Cottbus die Menschen im Herbst 1989 trafen, um dann auf die Straße zu gehen und für Freiheit und Demokratie zu streiten.

Schon vorher hatte die Cottbuser Umweltgruppe unter dem Dach der Kirchgemeinde gegen die Diktatur der SED opponiert. Daran erinnerte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD). Er und andere Redner bedankten sich bei diesen Menschen und würdigten ihren Mut.

"Die Mauer ist nicht einfach gefallen, sie wurde umgestürzt von Menschen, die sich nicht länger einsperren lassen wollten", sagte Ulrike Poppe, Diktaturbeauftragte des Landes. Landtagspräsidentin Britta Stark formulierte es ähnlich: "Der Lust auf Freiheit und Demokratie sowie der Bereitschaft vieler Menschen, dafür zu kämpfen, verdanken wir, dass die Mauer fiel." Darauf könnten die Brandenburger mit Stolz zurückblicken.

Stark betonte ausdrücklich auch die Unterstützung Polens beim Prozess der deutschen Einigung. Passend dazu wurde die Feierstunde in Cottbus musikalisch vom philharmonischen Orchester aus Zielona Gora, der Partnerstadt von Cottbus, umrahmt.

Mehrere Festredner gingen auf die aktuelle Diskussion um den Begriff "Unrechtsstaat" für die DDR ein. Es gelte der Verklärung der DDR zu wehren, sagte der Pfarrer der Oberkirchgemeinde, Christoph Polster. Ulrike Poppe forderte, bei solchen Diskussionen aber zu unterscheiden zwischen "unsinnigen verbalen Pirouetten" und dem wirklichen Leugnen von Verbrechen der DDR.

Auch Ministerpräsident Dietmar Woidke forderte, DDR-Unrecht nicht zu verschweigen. Auch deshalb finde der zweite Teil der Feierstunde im Cottbuser Menschenrechtszentrum statt.

In dem ehemaligen Zuchthaus, in dem viele politische Gefangene der DDR inhaftiert waren, überreichte er der geschäftsführenden Vorsitzenden des Trägervereins, Sylvia Wähling, das Bundesverdienstkreuz. Wähling arbeitet seit Jahren unentgeltlich für den Verein und hat den Aufbau der Gedenkstätte maßgeblich vorangetrieben.

Dafür, dass die Feierstunde in Cottbus jedoch nicht von der Erinnerung an das erlittene Unrecht in der DDR dominiert wurde, sorgte der Wittenberger Pfarrer Friedrich Schorlemmer, der eine fast launige Rede hielt.

Er erinnerte jedoch auch auf berührende Weise an den jungen Berliner Chris Geffroy, der damals 20-jährig im Februar 1989 beim Fluchtversuch an der Berliner Mauer erschossen wurde. "Ach hättest du doch nur noch ein paar Monate gewartet", sagte der Pfarrer im Ruhestand.

Er forderte jedoch dazu auf, dass die Freude über das Überwinden des Unrechts die Erinnerung an das Leid übersteigen sollte. "Die Zeitzeugen müssen reden, aber die Freude in unserer Erinnerung sollte uns beflügeln", so Schorlemmer. Die polnischen Musiker fanden dazu das passende Stück. Mit Schillers "Ode an die Freude", der "Hymne" der Europäischen Union, ging der Festakt zu Ende.