Statt Landkreise zu fusionieren, müsse stärker nach Alternativen gesucht werden, etwa einer stärkeren Kooperation zwischen den Kreisen.

Kommunaler Finanzausgleich

Denkbar wäre auch die Einführung eines kommunalen Finanzausgleichs zwischen den reichen Gemeinden im Speckgürtel und ärmeren Kommunen in der Peripherie. Zusammen mit der Innenpolitikerin Barbara Richstein und dem Parlamentarischen Geschäftsführer Jan Redmann hatte sich Senftleben auf einer "Grenzgängertour" über die Folgen von Kreisgebietsreformen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen informiert. Bei Terminen in Neubrandenburg, Genthin und Görlitz habe man erfahren, dass die Reformziele der Reformen in den Nachbarbundesländern vielfach nicht erreicht wurden, so Richstein.

"In Mecklenburg-Vorpommern sollten durch die Reform 400 Stellen gespart werden - unsere Gesprächspartner berichteten davon, dass es allenfalls 40 geworden seien." Dies gelte auch für die finanziellen Ziele der Reformen. "Für das Problem der überschuldeten Städte hat man keine Lösungen gefunden", so Richstein. Senftleben betonte, dass "alle Bereiche unseres Lebens von der Reform betroffen sein" werden. Der Nahverkehr, die Schulstrukturen, aber auch Fußballverbände und Feuerwehrverbände würden nach einer Kreisgebietsreform in anderen Formen arbeiten. Wenn Brandenburgs Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Finanzminister Christian Görke (Linke) in den nächsten Wochen zu Informationsveranstaltungen in die Landkreise fahren, will laut Redmann auch die CDU vor Ort sein. Man plane, mit Informationsständen und einer Kampagne am Rande aller 18 geplanten Veranstaltungen über die befürchteten Auswirkungen der Reform zu informieren.

"Mein Herz schlägt kreisfrei"

In Brandenburg/Havel kämpfen Parteien unter dem Motto "Mein Herz schlägt kreisfrei" gemeinsam für den Erhalt der Eigenständigkeit ihrer Stadt. Oberbürgermeisterin Dietlind Tiemann (CDU) gab am Freitag den Startschuss für eine Unterschriftensammlung. "Wir Bürgerinnen und Bürger wollen auch weiterhin selbst vor Ort über die Zukunft unserer Stadt entscheiden", sagte sie bei der Eröffnung eines Infostands. Vertreter aller Fraktionen des Stadtparlaments nahmen teil.