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| 01:30 Uhr

Brandenburg bildet palästinensische Polizisten aus

In einem vierwöchigen Kurs lernen die jungen Männer alles über den Umgang mit Fingerabdrücken. Ihr neu erworbenes Wissen werden sie bald im Hauptquartier der palästinensischen Polizei in Ramallah anwenden können. Fotos: dpa
In einem vierwöchigen Kurs lernen die jungen Männer alles über den Umgang mit Fingerabdrücken. Ihr neu erworbenes Wissen werden sie bald im Hauptquartier der palästinensischen Polizei in Ramallah anwenden können. Fotos: dpa
Oranienburg/Wiesbaden. Palästinensische Polizeibeamte lernen derzeit in Oranienburg das Lesen von Fingerabdrücken. Zu Hause im Westjordanland sollen sie das erlernte Know-how anwenden – ein Mosaikstein auf dem Weg zu einem funktionierenden palästinensischen Staat. Von Haiko Prengel

Nabil Ishaq muss kurz die Augen zukneifen. Fingerabdrücke lesen strengt ziemlich an. Dann beugt sich der palästinensische Polizeibeamte wieder über die kleinen schwarzen Fingerkuppen-Muster, die er seit Stunden zu Übungszwecken studiert. Schon bald werden es echte Spuren von Kriminellen sein, die es zu entschlüsseln gilt.

Neuland für die Gäste

In einem Unterrichtsraum der Polizeifachhochschule in Oranienburg lernt der 23-Jährige zusammen mit drei Kollegen derzeit emsig den Umgang mit Fingerabdrücken, der Daktyloskopie. Nach dem vierwöchigen Lehrgang geht es für sie direkt zurück in ihre Heimat, das Westjordanland.

Im Hauptquartier der palästinensischen Polizei in Ramallah sollen die jungen Polizeibeamten ihr erworbenes Fachwissen anwenden. “Wir lernen hier in Deutschland viel„, sagt Ishaq. Daheim sei Ermittler-Einmaleins wie die Daktyloskopie Neuland.

Ishaq und seine Kollegen sind die ersten von insgesamt 24 palästinensischen Beamten, die bis 2012 in Oranienburg in die Fingerabdruck-Analyse eingewiesen werden. Das Projekt wird vom Auswärtigen Amt finanziert und ist Teil der Initiative “Zukunft für Palästina„. Mit ihr will die Bundesregierung den Aufbau staatlicher Strukturen in den palästinensischen Autonomiegebieten in Nahost politisch und vor allem ganz praktisch unterstützen.

BKA leitet Projekt

Ziele sind dabei die Einrichtung von Schulen und Kindergärten, die kulturelle Zusammenarbeit, aber auch der Aufbau eines funktionierenden Sicherheitsapparats. Kriminelle mithilfe der Daktyloskopie zu überführen werde ein Stück Normalität im Alltag der West Bank schaffen, sagt ein Beamter der Oranienburger Polizeifachhochschule.

Das Bundeskriminalamt (BKA) leitet die Ausbildung der palästinensischen Beamten. “Es geht um eine intensive Grundlagenvermittlung der Daktyloskopie„, sagt Dozentin Carola Haase. Dazu gehören der Aufbau der Haut, das ABC der Spurensicherung und technische Aspekte. Aber ist das Lesen von Fingerabdrücken nicht eine antiquierte Technik in Zeiten moderner DNA-Analyse? “Auf keinen Fall.„ Haase schüttelt energisch den Kopf. “Daktyloskopie ist die schnellste, beste und sicherste Methode der Personen-Identifizierung.„

Ishaq und seine Kollegen wollen ihr neu erworbenes Know-how möglichst bald in ihrer Heimat anwenden. Erst muss das BKA in Ramallah, dem behördlichen Zentrum im Westjordanland, allerdings die technischen Voraussetzungen dafür schaffen und ein sogenanntes Automatisiertes Fingerabdruck-Identifiizierungssystem (AFIS) installieren. “Gekauft ist die Anlage schon, aber sie muss noch von den Israelis genehmigt werden„, erläutert BKA-Koordinator Stefan Klein. In der West Bank hänge viel von der Zustimmung der Israelis ab.

Fortschritte zu verzeichnen

Die palästinensischen Polizeischüler wollen sich nicht zur politischen Lage in ihrer Heimat äußern - zum schwierigen Alltag in den Autonomiegebieten, zur Rolle der radikal-islamischen Hamas. “No Comment„, sagt einer von ihnen. Nur so viel: Die palästinensische Polizei habe die Lage auf den Straßen im Griff, versichert einer der Gäste per Dolmetscher. Der gerade mal 15 Jahre alte Sicherheitsapparat habe zuletzt viele Fortschritte gemacht.

Organisierte Kriminalität gebe es im Westjordanland kaum, die meisten Delikte verübten Diebe und Einbrecher. Ishaq: “Die können sich jetzt warm anziehen.„