In keinem anderen Land sind so viele Kinder und Jugendliche an dem Brechdurchfall erkrankt wie in Brandenburg. Nach jüngsten Angaben hat sich die Anzahl der Erkrankten auf 2896 erhöht, zuletzt hatten die Behörden in Potsdam von 2415 Betroffenen gesprochen. Laut Gesundheitsministerium gibt es aber keine neuen Fälle, es seien lediglich welche nachgemeldet worden. „Seit Sonntag gibt es keine neue Erkrankungen“, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Montag.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) handelt es sich um die größte von Lebensmitteln ausgelöste Krankheitswelle dieser Art in Deutschland. Unter ihr zu leiden hatten nach Brandenburg vor allem Kinder und Jugendliche in Sachsen (2880 Fälle) und Berlin (2223 Fälle), in Thüringen gab es 913 und in Sachsen-Anhalt 50 Fälle. Sämtliche betroffenen Einrichtungen waren von der Catering-Firma Sodexo beliefert worden.

Bundesweit verzichten inzwischen Einrichtungen auf Essen von Sodexo. Da die Ursache für die Erkrankungen noch nicht geklärt ist, sehen die Behörden in Brandenburg jedoch keine Grundlage, eine Verpflegung durch die Firma zu untersagen. Außerdem seien nicht alle Schulen und Kitas im Land, die zu den Kunden zählten, auch von Krankheitsfällen betroffen, so die Behörden. Zudem wolle das Unternehmen seit Montag ausschließlich neue Waren verwenden.

In den knapp 1000 Schulen ist die Situation derzeit nicht akut, da die Herbstferien begonnen haben. Gesundheits- und Bildungsministerium rieten den rund 1800 Kitas und Horten im Land jedoch, ihre Essens-Lieferanten genau unter die Lupe nehmen. Die Behörden verwiesen auf die Zuständigkeit der Träger und ermunterten Eltern sowie Verantwortliche von Kitas und Schulen, sich bei Fragen nach der Qualität einzumischen.

Nach dem Höhepunkt Mitte vergangener Woche hat sich die Lage laut Robert Koch-Institut beruhigt. Erste Fälle hatte es demnach bereits am 19. September in Sachsen gegeben, also mehr als eine Woche, bevor die Erkrankungen offiziell bekanntwurden. Aus Sicht des RKI ist es aber auch möglich, dass diese Erkrankungen mit der späteren Welle nichts zu tun haben.

In Sachsen ist das hochansteckende Norovirus inzwischen in 69 Fällen als Erreger von Magen-Darm-Erkrankungen nachgewiesen worden. Neben diesen Erregern stehen auch Gift bildende Bakterien im Verdacht. Sicher ist offenbar: Die Erkrankungen hängen mit dem Schulessen der Cateringfirma aus dem hessischen Rüsselsheim zusammen. Ein Sprecher hatte am Sonntag erklärt, dass es im Produktionsprozess keine Ungereimtheiten gebe. Um die Ursache so schnell wie möglich zu finden und den Ausbruch der Magen-Darm-Erkrankungen zu stoppen, war eine Task Force unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingerichtet worden.

Die Fraktion der Grünen im brandenburgischen Landtag forderte angesichts der Vorfälle ein generelles Umdenken. „Durch den hohen Kostendruck wird auf Massenware gesetzt - da bleibt die Qualität auf der Strecke“, teilte Michael Jungclaus mit. Der Sprecher für Verbraucherschutz forderte die Landesregierung auf, eine Datengrundlage zur Situation der Schulverpflegung in Brandenburg zu erstellen.