Von Benjamin Lassiwe

Brandenburgs Forstverwaltung hat weiter massive Probleme mit Waldbesitzern, die sich gegen die Befliegung und das Besprühen ihrer Waldflächen mit Insektiziden gegen Schadinsekten wehren. „Es ist uns nicht gelungen, zu diesen absoluten Gegnern vorzudringen“, sagte der Referatsleiter für Forst und Jagd im Brandenburger Landwirtschaftsministerium, Carsten Leßner, am Mittwoch im Landwirtschaftsausschuss des Potsdamer Landtags. „Irgendwann wird es zu einem Glaubenskrieg – das ist wie mit den Impfgegnern.“

Mitte Mai hatte das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) den Einsatz des Insektizids „Karate Forst flüssig“ gegen den Kiefernschädling Nonne gestoppt, weil die Genehmigungsbehörde die erforderlichen naturschutzrechtlichen Prüfungen nicht durchgeführt habe.

Vor den Abgeordneten betonte Leßner, dass das Mittel zur Benutzung zugelassen sei und damit die nötigen Prüfungen durchgeführt wurden. Derzeit überlege das Ministerium, ob man einen neuen Bescheid zur Befliegung erlasse, der freilich um die entsprechenden Anmerkungen des OVG ergänzt werden solle.

Keine Alternative zur chemischen Bekämpfung der Schädlinge

Leßner machte deutlich, dass es aus Sicht des Ministeriums keine Alternative zur chemischen Bekämpfung der Schädlinge gebe. Sowohl das Aufstellen von Pheromonfallen als auch das Anbringen von Leimringen sei auf Flächen von der Größe mehrerer Hektar nicht praktikabel.

Auf Nachfrage erklärte Leßner, die wichtigsten Vorsorgemaßnahmen gegen derartige Schädlinge seien im Übrigen ein konsequenter Wald­umbau und eine gute Waldpflege. Dies könne man aber nur über Beratungsmaßnahmen erreichen.

Eine von den Abgeordneten Benjamin Raschke (Grüne) und Carsten Preuß (Linke) angesprochene Anordnung von Waldumbaumaßnahmen lehnte Leßner ab. „Wir haben so etwas intern diskutiert“, sagte Leßner. Dies wäre aber ein massiver Eingriff in das Eigentumsrecht des Waldbesitzers. „Eine zwangsweise Anordnung, mit einer bestimmten Baumart seinen Wald zu bepflanzen, würde uns über viele Jahre gerichtlich beschäftigen.“

Ein Problem sei ferner, dass es derzeit in ganz Mitteleuropa zu Forstschäden komme. Unternehmen, die für die Beseitigung von Schadholz infrage kämen, seien deswegen sehr gefragt.