Stecken Rechtsextreme hinter dem Feuer auf dem Hof des für seine Zivilcourage mehrfach ausgezeichneten Künstlerpaares in Jamel? Am Donnerstag suchen Polizisten den Brandort nach Spuren ab. Der Staatsschutz wird wegen möglicher politischer Motive eingeschaltet. "Wir gehen nach bisherigen Erkenntnissen von einem rechtsextremistischen Anschlag aus." sagt Polizeisprecher Heiko Tesch. Die Ermittler finden Spuren von Brandbeschleuniger. Damit stehe fest, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde, sagt der Sprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin, Stefan Urbanek, am Freitag. Wer dafür verantwortlich zu machen ist, sei noch unklar. "Wir ermitteln immer noch gegen unbekannt."

Birgit und Horst Lohmeyer engagieren sich in dem von Rechtsextremisten dominierten Dorf Jamel bei Wismar seit Jahren gegen Fremdenhass und für Toleranz. Dass sie in dem Dorf mit rund 40 Einwonern nicht willkommen sind, wird den Eheleuten immer wieder sehr deutlich zu verstehen gegeben: eine tote Ratte im Briefkasten, Schmähungen, Anzeigen, Nötigungen durch abrupt bremsende Autos auf der Dorfstraße.

Als "Störenfried" wurde das aus Hamburg stammende Ehepaar ausgemacht, das 2004 den alten Forsthof bezog und für sich herrichtete. Schon bald darauf hätten die Anfeindungen durch die offenbar gezielt in Jamel angesiedelten Neonazis begonnen. "Doch der Brand jetzt, das ist eine völlig neue Dimension. Da geht es um Leib und Leben", sagte der Musiker Horst Lohmeyer. Er ist sicher, dass der Brand gelegt wurde und eine direkte Reaktion auf die kürzliche Zuerkennnung des Georg-Leber-Preises für Zivilcourage an das Paar ist. Dass nichts Schlimmeres passierte und die schnell herbeigerufene Feuerwehr ein Übergreifen der Flammen auf das nur etwa sechs Meter entfernte Wohnhaus verhindern konnte, ist wohl nur einem Zufall geschuldet. "Ein Gast, der mit seiner Familie in unserer Ferienwohnung Urlaub macht, war mit seinen Kindern noch spät draußen, um nach Sternschnuppen Ausschau zu halten. Er hat die Flammen bemerkt und Alarm geschlagen", berichtet Lohmeyer. Der Mann habe kurz zuvor auch einen Unbekannten bemerkt, der zügig das Grundstück verließ.

Als Reaktion auf die fortwährenden Anfeindungen hatten Birgit und Horst Lohmeyer 2007 das Festival für Toleranz und Demokratie "Jamel rockt den Förster" ins Leben gerufen. Die 9. Auflage des nichtkommerziellen Musiktreffens ist für den 28./29. August auf dem alten Forsthof geplant. Dann soll auch der mit 10 000 Euro dotierte Georg-Leber-Preis für Zivilcourage der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt überreicht werden. Birgit Lohmeyer ließ keine Zweifel aufkommen, dass das Festival stattfinden wird. "Wir waren uns noch in der Nacht sofort einig, dass der Förster auch in diesem Jahr rocken wird. Wir lassen uns nicht einschüchtern und sagen: Jetzt erst recht", sagt die Krimi-Autorin.

Das Paar war für seinen unerschrockenen Einsatz für Demokratie und Toleranz vor wenigen Jahren auch mit dem Bürgerpreis der deutschen Zeitungen und mit dem Paul-Spiegel-Zivilcourage-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland geehrt worden.