Auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Dresden ist ein Brandanschlag verübt worden. Wie das für extremistische Straftaten zuständige Operative Abwehrzentrum (OAZ) mitteilte, warfen Unbekannte in der Nacht zum Mittwoch vier Molotowcocktails auf das leerstehende Gebäude auf einem Schulgelände im Stadtteil Prohlis. Es entstand Sachschaden. Es sei den Tätern aber nicht gelungen, das Gebäude in Brand zu setzten. Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) nannte den Anschlag „beschämend und widerlich“. Die Polizei sucht nach Zeugen. Ermittelt werde in alle Richtungen. „Ein rechtspolitisch motivierter Hintergrund der Tat ist jedoch sehr wahrscheinlich“, hieß es in einer Erklärung des OAZ.

Am vergangenen Freitag hatte die Stadt mitgeteilt, dass ab den Herbstferien in direkter Nachbarschaft zu einer ebenfalls auf dem Gelände untergebrachten Grundschule 150 Flüchtlinge Quartier finden sollen. In den vergangenen Tagen hatte es heftige Kritik und Proteste gegen die Pläne gegeben.

Der Anschlag sei durch nichts zu rechtfertigen, erklärte Hilbert. Ängste und Unsicherheiten würden ernst genommen. „Fakt ist aber auch, dass in diesem Fall nicht Asylbewerber und Flüchtlinge die Gewalt auf die Straße tragen, sondern radikalisierte Gruppen, die meinen, im Namen der "besorgten Bürger" zu handeln.“ Die eigentliche Bedrohung gehe von denjenigen aus, „die Brandbomben werfen und Hass predigen, nicht von denen, die bei uns Schutz suchen“. Hilbert warnte auch diejenigen, „die vielleicht heimlich Beifall klatschen“. Der Schaden für die Stadt sei weit größer, „als kaputte Türen und Fensterscheiben“.

„Hier geht die von Pegida und AfD ausgestreute Saat des Hasses auf“, meinte der Fraktionsvorsitzende der Linken im Stadtrat, André Schollbach. Er warf Stadträten von CDU und FDP vor, „mit übler Stimmungsmache vor dem Schulgebäude an der Boxberger Straße zusätzlich Öl in das Feuer gegossen“ zu haben. Die Dresdner CDU und der Landeselternrat hatten die geplante Nutzung des Schulgebäudes zur Flüchtlingsunterbringung ebenfalls kritisiert.

Die Vorbereitung für die Einrichtung der Unterkunft gehe trotz des Anschlags planmäßig voran, teilte die Stadt mit. Aktuell bemühe man sich um eine ausreichende Zahl von Sanitärcontainern. Es werde parallel aber auch überlegt, einen anderen Standort für die Grundschule zu suchen. Diese hat ihren Sitz eigentlich woanders, ist aber wegen Sanierungsarbeiten vorrübergehend auf dem Ausweichgelände untergebracht.