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Brandanschläge an Bahnstrecken in ganz Deutschland

Eine Hinweistafel informiert am 19.06.2017 in Berlin die Reisenden und Pendler im S-Bahnhof Treptower Park über einen Kabelbrand. Hier brannte es am frühen Morgen in einem Kabelschacht. Es kam zu erheblichen Problemen im Nahverkehr. Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.
Eine Hinweistafel informiert am 19.06.2017 in Berlin die Reisenden und Pendler im S-Bahnhof Treptower Park über einen Kabelbrand. Hier brannte es am frühen Morgen in einem Kabelschacht. Es kam zu erheblichen Problemen im Nahverkehr. Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet. FOTO: Paul Zinken (dpa)
Update Berlin. Knapp drei Wochen vor dem G20-Gipfel in Hamburg haben Unbekannte an zahlreichen Bahnstrecken in ganz Deutschland Brandanschläge verübt. Nun ist ein Bekennerschreiben von Gegnern des G20-Gipfels im Juli aufgetaucht. dpa/bob

Ein Berliner Polizeisprecher erklärte, in der Nacht zum Montag habe es nach einem ersten Überblick 13 mutmaßliche Anschläge in mehreren Bundesländern gegeben. Betroffen waren unter anderem Berlin, Hamburg, Köln, Dortmund, Leipzig und mindestens ein Ort in Niedersachsen. Teils gab es erhebliche Probleme für Reisende. In vielen Fällen ermittelt der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz der jeweiligen Kriminalpolizei.

Im Großraum Leipzig hat es am Montag massive Behinderungen für Bahnreisende in gegeben. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gab es Probleme im Zugverkehr. Nach Angaben der Bundespolizei wurden seit 2.40 Uhr Brandanschläge auf Kabelschächte und elektronische Stellwerke der Bahn im Raum Leipzig verübt. "In einigen Fällen konnten Brandvorrichtungen unschädlich gemacht werden, bevor sie Schaden anrichteten", sagte ein Sprecher der Bundespolizei am Montag. Zudem sei mit einem Hubschrauber aus der Luft nach weiteren Brandorten gesucht worden. Hinweise auf den oder die Täter gebe es allerdings bislang nicht.

Nach Angaben der Bahn müssen Reisende und Pendler auf den Strecken Leipzig-Dresden, Leipzig-Coswig, Leipzig-Chemnitz, Leipzig-Halle und Leipzig-Erfurt mehr Zeit einplanen. Fernverkehrszüge würden umgeleitet. Auf den Regional- und S-Bahn-Strecken müsse mit deutlichen Verspätungen gerechnet werden. Wegen der defekten Signalanlagen seien Streckenteile nicht befahrbar. Die Bahn bemüht sich nach eigenen Angaben um Ersatzverkehr durch Busse.

In Berlin hat ein Kabelbrand hat den S-Bahnhof Treptower Park weitgehend lahmgelegt. Im Berufsverkehr am Montagmorgen kam es zu erheblichen Einschränkungen. Betroffen sind die Linien S41, S42, S8, S85 und S9, wie die S-Bahn auf ihrer Internetseite mitteilte. "Eine Aufsicht hatte am frühen Morgen starken Rauch neben den Gleisen bemerkt und die Rettungskräfte alarmiert", sagte ein Polizeisprecher. Der Rauch kam aus einem Kabelschacht, der zwischen den Bahnhöfen Treptower Park und Sonnenallee liegt. Die Feuerwehr rückte an und löschte den Brand.

Die Berliner Polizei geht nach den Brandanschlägen einem möglichen Bekennerschreiben nach, das auf der Internetplattform "linksunten.indymedia.org" aufgetaucht ist. Das Schreiben sei bei der Berliner Polizei bekannt und werde jetzt geprüft, sagte ein Sprecher am Montag. Aus Sicherheitskreisen hieß es, das mutmaßliche Bekennerschreiben passe ins "Raster". Allerdings sei es noch zu früh zu sagen, ob dies tatsächlich authentisch sei. Indymedia versteht sich als offene Plattform zur freien Verbreitung von Informationen. In der Vergangenheit waren dort im Zusammenhang mit Bekennerschreiben zu Straftaten auch Fälschungen aufgetaucht.

Anfang Juli treffen sich die Staats- und Regierungschefs aus den führenden Industrie- und Schwellenländern sowie Vertreter der EU in Hamburg. Generell sei ein Zusammenhang zwischen den Angriffen und linken Protesten gegen den G20-Gipfel möglich, hieß es aus den Sicherheitskreisen. "Angriffe auf die Infrastruktur passen ins Muster linksextremistischer Mobilisierung vor dem G20-Gipfel." Linksextremisten hatten wiederholt Aktionen und Anschläge gegen das Treffen angekündigt.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte in Berlin, es sei noch zu früh für Aussagen, ob es einen Zusammenhang zwischen den Angriffen und dem bevorstehenden G20-Gipfel gebe. Die Kabelbrände gingen auf unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen zurück. Die Ermittlungen dazu liefen unter Hochdruck. "Wir beobachten das natürlich sehr aufmerksam, aber um solche Zusammenhänge belastbar (...) zu bestätigen, ist es zu früh."