Zugleich schickte Madrid zusätzliche Polizeieinheiten nach Galicien, die in der Region Jagd auf Brandstifter machen sollen. "Die Lage ist außerordentlich ernst", sagte die spanische Umweltministerin Cristina Narbona. "Immer wenn ein Brand gelöscht ist, bricht ein neuer aus."
Die spanischen Streitkräfte kommandierten 1200 Soldaten zur Überwachung der Wälder in Galicien ab. Die Regierung geht davon aus, dass die verheerendste Serie von Waldbränden in der Geschichte der Region von Brandstiftern ausgelöst wurde. Die Löschmannschaften kämpften gestern gegen 110 Feuersbrünste. Davon breiteten sich nach Angaben der Behörden 67 Brände unkontrolliert aus. 43 Feuer konnten von der Feuerwehr eingedämmt werden.
Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez unterbrach seine Ferien auf Lanzarote und wollte noch am Nachmittag nach Galicien reisen. Madrid bat die EU in Brüssel darum, zur Unterstützung der Löscharbeiten drei Flugzeuge, fünf Hubschrauber und 20 Löschfahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Die EU-Kommission gab die Bitte an die EU-Mitgliedsstaaten weiter. Portugal und Italien hatten den Spaniern schon vorher Unterstützung zugesagt.
Städte wie Pontevedra, Vigo oder der Wallfahrtsort Santiago de Compostela lagen unter dicken Rauchwolken. Vor den Toren der galicischen Metropolen standen die Wälder in Flammen. In der Regionalhauptstadt Santiago verhinderte ein Wechsel der Windrichtung, dass die Feuer auf den Flughafen übergriffen. Die Schadstoffbelastung der Luft stieg vielerorts auf das Dreifache des normalen Werts.
"Die Waldbrände sind eine Katastrophe wie der Untergang des Öltankers Prestige, sagte Pedro Piñeiro, Bürgermeister von Rianxo bei La Coruña. "Wir erleben eine zweite schwarze Flut." Das Prestige-Unglück vor der Küste Galiciens vor knapp vier Jahren hatte die größte Umweltkatastrophe in der spanischen Geschichte ausgelöst. Damals hatte Zapateros Vorgänger José María Aznar heftige Kritik einstecken müssen, weil er die Region erst Wochen später besuchte.
Bei der Prestige-Katastrophe halfen Tausende von Freiwilligen, die Strände vom Ölschlamm zu säubern. Auch die Waldbrände zogen nun eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität nach sich. Dorfbewohner halfen sich gegenseitig, ihre Häuser vor den Flammen zu schützen. In einigen Orten bildeten sie Löschketten, um Wassereimer weiterzureichen. "Der Geist der Prestige ist nach Galicien zurückgekehrt", schrieb die Zeitung "La Voz de Galicia".