„Jungs, Euch stehen alle Chancen offen“ , macht der Erfolgs-Trainer den Nachwuchsboxern Mut. „Die meisten Weltmeister kommen von ganz unten und von sehr kleinen Vereinen“ , weiß Wegner aus langjähriger Erfahrung. Die Box-Gruppe, die mittlerweile als Sektion im Lübbener Turnverein beheimatet ist, entstand aus dem Streetworkerprojekt „Integration durch Sport“ .

Boxer landesweit etabliert
Nach nur drei Jahren haben sich die Faustkämpfer vor allem dank des Engagements des ukrainischen Boxtrainers Vitalij Süß landesweit etabliert. Süß war einst ehemaliger ukrainischer Meister, der 2003 von St. Petersburg nach Lübben umsiedelte. „Wir wollten für die Jugendlichen etwas tun und ihnen eine Beschäftigung anbieten“ , erzählt Tatjana Süß, die Frau des Box-Trainers. Ganz klein haben sie damals in der Spreewaldstadt angefangen. Eine Turnhalle hatten sie noch nicht. „Trainiert wurde auf der Straße“ , erinnert sie sich. Mit der Unterstützung der Stadt und vielen anderen Förderern ist aus der losen Gruppierung inzwischen eine gut organisierte Sektion im Turnverein Lübben geworden.
Bei der ersten Teilnahme an den brandenburgischen Meisterschaften hatten die jungen Lübbener noch keine einheitliche Sportkleidung oder einen eigenen Kopfschutz. Auch im sportlichen Bereich waren die Unterschiede groß. „Wir haben bei null angefangen“ , sagt Tatjana Süß. Doch in den vergangen drei Jahren haben die Lübbener hart trainiert und viel dazu gelernt. Mittlerweile sind die Sportler auch gut ausgestattet, haben kürzlich vom städtischen Förderverein „Freundeskreis für Lübben“ neue Trainingsanzüge bekommen. „Die Jugendlichen gehen einer sinnvollen Beschäftigung nach und verbringen ihre Zeit nicht auf der Straße“ , lobt Horst Fiedler das Engagement der Gruppe. Der Vorsitzende des Fördervereins hat selbst früher einmal geboxt und weiß, dass die Jugendlichen durch den Sport auch Disziplin und Verantwortung lernen. Zudem leiste das gemeinsame Boxen einen großen Anteil zur Integration.
In Lübben trainieren unter anderem russische, ukrainische und deutsche Kinder und Jugendliche gemeinsam. Zusammenhalt werde in der Box-Sektion groß geschrieben, versichert Tatjana Süß. Ihr Mann achte besonders darauf, dass die Schüler freundschaftlich miteinander umgehen und sich gegenseitig respektieren. Vitalij Süß steht mit den Faustkämpfern fast jeden Tag im Ring. Der Coach verlangt ihnen dabei alles ab.
Der brandenburgische Amateurboxverband hat Süß für sein Engagement mit der Ehrennadel in Bronze geehrt. Auch Ulli Wegner lobt den Lübbener für seine Arbeit. Der Erfolgs-Trainer weiß: „Ohne der Basis und den Amateuren gibt es in Deutschland auch keine erfolgreichen Profiboxer.“ Das Training von Vitalij Süß ist hart, doch der Erfolg gibt dem Lübbener Recht. Mit Alexander Auer und Valentin Knorr sind zwei seiner Schützlinge in diesem Jahr brandenburgische Meister geworden.

Von Zielen und Träumen
Der 18-jährige Valentin geht mittlerweile auf die Cottbuser Sportschule. Zweimal am Tag trainiert er dort. Doch Profi möchte der Lübbener nicht unbedingt werden. „Die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft oder den Olympischen Spielen wäre super“ , sagt der junge Mann, der erst einmal sein Abitur erfolgreich abschließen möchte. Alexander Auer träumt dagegen von der ganz großen Karriere. Doch das nächste Ziel ist erst einmal die Sportschule in Cottbus. Dort wolle der Elfjährige ab der siebenten Klasse Sport und Unterricht kombinieren. Dafür trainiert Alexander fast jeden Tag. Das er den Sprung auf die Sportschule schafft, davon ist sein Trainer überzeugt. „Alexander hat Talent und ist sehr ehrgeizig“ , freut sich Vitalij Süß über die Einstellung des Jungen.
Aber nicht für alle Boxer kommt es auf sportliche Erfolge an. Mir gefällt die Atmosphäre hier, erzählt der aus Russland stammende Roman Firsov. „Ich trainiere für mich, um meinen Körper fit zu halten“ , ergänzt er. Alina nimmt seit rund einem Jahr regelmäßig an den Übungsstunden teil. Einen Wettkampf habe sie zwar noch nicht absolviert, „doch das Boxen gibt mir Selbstvertrauen und Sicherheit“ , sagt die 15-Jährige.