• Die Hochsaison der Zecken hat begonnen.
  • Eine Impfung schützt vor einer FSME-Erkrankung.
  • Ist eine schnelle Immunisierung vor dem Sommerurlaub möglich?
  • Welche Tricks schützen vor einem Zeckenstich?
  • Wie entfernt man eine Zecke am besten?
  • Alle Infos gibt es hier:
Egal ob beim Wandern, bei einem einfachen Spaziergang oder selbst im Garten – sie lauern überall: Zecken. Die Spinnentiere sind für Menschen und Tiere gefährlich, da sie gefährliche Krankenheiten übertragen können, wie Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) oder Borreliose. Allein im Jahr 2020 gab es 704 registrierte FSME-Fälle – ein Rekordhoch. Für 2021 werden von Experten ebenfalls hohe Fallzahlen prognostiziert.
Menschen, die sich in der Natur aufhalten und ein Risiko für Zeckenstiche haben, sollten sich impfen lassen. In Risikogebieten wie Baden-Württemberg und Bayern werden die Kosten von den Krankenkassen übernommen.
Im Süden Deutschlands treten vermehrt FSME-Fälle auf.
Im Süden Deutschlands treten vermehrt FSME-Fälle auf.
© Foto: (C) Pfizer/www.zecken.de

FSME und Zecken: Wem wird die Impfung empfohlen?

Gegen FSME schützt eine aus drei Einzeldosen bestehende Impfung, die alle drei bis fünf Jahre aufzufrischen ist. Von den im vergangenen Jahr Erkrankten waren 98 Prozent nicht oder unzureichend geimpft. Eine Schutzimpfung gegen Borreliose gibt es dagegen nicht. Früh erkannt, lässt sich die Infektion aber gut mit Antibiotika behandeln. Allen Menschen, die in ausgewiesenen FSME-Risikogebieten wohnen oder dahin reisen und die dort vor Ort in der Natur unterwegs sind, wird die Impfung empfohlen.

Wie läuft die FSME-Impfung konkret ab?

Die Impfung läuft in drei Etappen. Nach der ersten Spritze sollte die nächste zwei Wochen bis drei Monate später erfolgen. Wer im Frühsommer geschützt sein möchte und noch nicht geimpft wurde, sollte sich also möglichst zeitnah darum kümmern. Fünf bis zwölf Monate nach der zweiten folgt die dritte Impfdosis - dann hat man laut RKI eine Grundimmunisierung. Eine Auffrischung empfiehlt sich danach in der Regel nach drei Jahren.

Impfung kurz vor dem Urlaub: Ist das möglich?

Viele Menschen fahren demnächst in den Sommerurlaub und möchten sich kurzfristig noch gegen FSME impfen lassen. Doch ist das in einer so kurzen Zeit überhaupt möglich?
Es gibt theoretisch die Möglichkeit, mit drei Impfungen binnen drei Wochen eine Immunität herzustellen. Schnellerer Schutz werde schwierig, sagt Professor Gerhard Dobler, Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Normalerweise folgt die zweite FSME-Impfung zwei Wochen bis drei Monate nach der ersten. Wählt man hier den knappest möglichen Abstand von 14 Tagen, besteht laut Dobler nach einem Monat eine Immunität. Diese Methode eignet sich laut dem Experten vor allem für Menschen, die in ein Hochrisikogebiet fahren und sich dort viel in der Natur aufhalten.

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

Zecken können unter anderem den Erreger der sogenannten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen, einer virusbedingten Hirnhaut- oder Gehirnentzündung. Besonders oft waren Einheimische an Orten mit einem besonders hohen FSME-Risiko betroffen. FSME-Übertragungen durch den Verzehr von Rohmilch oder Rohmilchprodukten sind möglich, aber selten. Die meisten FSME-Infizierten bleiben zwar beschwerdefrei. Aber in schweren Fällen kann diese Viruserkrankung zu einer Gehirnentzündung führen und das Rückenmark schädigen.
Am häufigsten durch Zecken übertragen wird jedoch die von Bakterien verursachte sogenannte Lyme-Borreliose, die Nervensysteme und Gelenke schädigen kann. Die Schätzungen zu den Krankheitsfällen schwanken sehr stark zwischen 40.000 und 120.000 pro Jahr. Treten binnen vier Wochen grippeähnliche Symptome, Fieber, Lymphknotenschwellungen oder die sogenannte Wanderröte auf, sollte sicherheitshalber ein Arzt aufgesucht werden. Denn sonst drohen noch nach Jahren Spätfolgen.

Wie kann ich mich sonst noch schützen?

Spaziergänger sollten in Wald, Feld und Wiese lange Kleidung und feste Schuhe tragen. Über die Hosenbeine gestülpte Strümpfe erschweren den Zecken die Suche nach nackter Haut. Antizeckenmittel bieten nur einen begrenzten Schutz für einige Stunden. Nach einem Ausflug ins Freie sollte jeder seinen Körper gründlich absuchen. Dies gilt auch für Kinder nach dem Spielen. Besonders an den feuchteren Stellen des Körpers fühlen sich Zecken wohl. Deshalb gilt es vor allem Kniekehlen, den Genitalbereich, die Armbeugen und die Achseln abzusuchen.

Zeckenbiss: Wie entferne ich die Zecke richtig?

Der Zecken-Experte Gerhard Dobler bevorzugt zum Entfernen der Tiere feine Splitterpinzetten. „Mit der Pinzette fasse ich die Zecke nah an der Haut und ziehe sie raus“, erklärt der Leiter des Nationalen Konsiliarlabors für FSME am Institut für Mikrobiologie der Bundeswehr in München. Prinzipiell gehe das auch mit einer handelsüblichen Pinzette aus dem Nagel-Pflege-Set.
Weitere gängige Hilfsmittel sind zum Beispiel die Zeckenkarte oder eine Schlinge. Dobler zufolge gibt es auch elektrische Zeckendreher. Und welches nimmt man nun? „Jeder sollte das Hilfsmittel nehmen, mit dem er am besten umgehen kann“, gibt sich der Fachmann diplomatisch. Wichtig sei vor allem, die Zecke direkt unter der Haut anzufassen.
Bleibt beim Rausziehen ein kleiner schwarzer Punkt in der Haut, ist das kein Grund zur Beunruhigung. „Das ist nur der Stachel“, sagt Dobler. Und der sei nicht infektiös. Borrelien oder FSME-Viren werden von ihm allein, ohne den Zeckenkörper, nicht weitergegeben. Darum sollte man auch nicht versuchen, den Stachel mit einem Nagel oder anderen Hilfsmitteln herauszukratzen. Das führt höchstens zu einer Wundinfektion. Stattdessen einfach abwarten: „Die Haut stößt den Stachel innerhalb weniger Tage von selbst ab.“

Welche Gebiete in Deutschland gelten als Risikogebiete?

Als Risikogebiete gelten in Deutschland fast gesamt Baden-Württemberg, große Teile Bayerns und Teile Hessens, Thüringens und Sachsens. Einzelne Risikogebiete finden sich nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und im Saarland. Insgesamt sind 169 Kreise in Deutschland als FSME-Risikogebiete erfasst. In den Jahren 2018 und 2020 wurden in Baden-Württemberg die meisten Fälle gezählt. „Letztes Jahr sind hier 331 Menschen an FSME erkrankt“, sagte Rainer Oehme vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg. „Das trägt natürlich auch zum deutlichen Anstieg der deutschlandweiten Fallzahlen bei.“ Bayern war der Hotspot im Jahr 2019.
Das Ansteckungsrisiko in Risikogebieten ist von Region zu Region unterschiedlich. Insgesamt, so Experten, liegt die Wahrscheinlichkeit einer FSME-Infektion nach einem Zeckenstich in einem Risikogebiet bei 1:50 bis 1:100.