• Viele Deutsche fangen bald an, Weihnachtsgeschenke zu besorgen
  • Auch zu Weihnachten 2021 sind Smartphones, Tablets, Fernseher, Fahrräder, Mode oder Spielekonsolen beliebte Geschenke
  • Auf einige Produkte müssen die Kunden momentan aber länger warten als sonst – zu Weihnachten könnte es Lieferschwierigkeiten geben
Die Suche nach dem passenden Weihnachtsgeschenk könnte in diesem Jahr noch etwas mühsamer werden als sonst – besonders wenn es um Elektronik geht. „Verschiedene Hersteller haben signalisiert, dass es beim Nachliefern in den kommenden Monaten zu Engpässen kommen könnte“, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbandes Technik (BVT), Steffen Kahnt, der Deutschen Presse-Agentur. Und auch der Modehandel steht vor Herausforderungen, seine Ware rechtzeitig zum Fest in die Läden zu bringen.
Hintergrund sind coronabedingte Lieferschwierigkeiten bei Produzenten, insbesondere aus dem asiatischen Raum, sowie große Probleme in den Logistikketten, die immer mehr auf den deutschen Handel durchschlagen. Jochen Cramer, Einkaufsleiter der Verbundgruppe ElectronicPartner, betonte, bei fast allen Sortiments- und Warengruppen gebe es seit dem letzten Jahr Lieferengpässe beziehungsweise -probleme. „Die Situation wird auch noch unbestimmte Zeit andauern und sich somit aufs Weihnachtsgeschäft auswirken“, ist der Manager überzeugt.

Media-Markt und Saturn haben noch keine Engpässe bei Smartphones, Notebooks und Tablets – sie können aber kommen

„Es kann zurzeit passieren, dass der Hersteller zugesagte und bestätigte Produkte kurzfristig absagt, da ein Vorlieferant dringend benötige Teile nicht liefern konnte“, beschreibt Cramer die aktuellen Schwierigkeiten der Händler. Betroffen seien Notebooks und Smartphones ebenso wie Fernseher oder Haushaltsgeräte. Die Verbundgruppe bestelle deshalb deutlich mehr Produkte im Voraus als üblich. „Es reicht aktuell nicht, Ware dann zu bestellen, wenn der Kunde im Laden steht.“ Denn die Aufträge könnten oft nicht bedient werden oder es müsse mit sehr langen Lieferzeiten gerechnet werden.
Auf einige Smartphones müssen die Kunden momentan länger als gewohnt warten.
Auf einige Smartphones müssen die Kunden momentan länger als gewohnt warten.
© Foto: Arun Sankar/afp
Deutschlands größte Elektronikhändler Media Markt und Saturn betonten zwar: „Derzeit haben wir keinen Engpässe. In unseren Märkten und Lagern ist ausreichend Ware vorhanden.“ Doch auch dem Großkunden haben einige Lieferanten bereits signalisiert, dass es in den kommenden Monaten zu Engpässen bei der Verfügbarkeit „von einzelnen Produkten in einigen wenigen Produktgruppen“ kommen könnte. Betroffen seien könnten Smartphones, Tablets, Drucker, Geschirrspüler und Kühlgeräte.

Weihnachtsgeschäft: Auch die Mode-Industrie hat Lieferprobleme

Doch beschränken sich die Probleme nicht auf die Elektronikbranche. Das Ifo-Institut betonte kürzlich in seinem Geschäftsklimaindex für Deutschland, „eine große Mehrheit der Händler“ berichte mittlerweile von Lieferproblemen bei der Beschaffung. Axel Augustin vom Handelsverband Textil (BTE) räumte ein, die Lieferprobleme hätten schon im September das Geschäft im Modehandel gebremst und würden wohl bis Weihnachten anhalten. Mit einer Besserung werde in der Branche frühestens ab dem Frühjahr gerechnet.
Ein Opfer der Lieferprobleme ist aktuell Aldi Nord. Der Discounter musste den Verkaufsstart für seine jüngste Fashion-Kollektion in Teilen Deutschlands bereits verschieben.
Einige Modeunternehmen haben Lieferschwierigkeiten.
Einige Modeunternehmen haben Lieferschwierigkeiten.
© Foto: © WAYHOME studio/shutterstock.com
„Insgesamt muss sich der Handel auf zunehmend unberechenbare Transportwege, auftretende Produktionsengpässe und damit auch steigende Produktions- und Beschaffungskosten einstellen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. Er bemühte sich dennoch, die Verbraucher zu beruhigen. „Dass die Menschen bei ihrem Weihnachtseinkauf vor leeren Regalen stehen, ist nicht zu erwarten.“
Auch der deutsche Modeindustrie-Verband GermanFashion versuchte, Sorgen von Verbrauchern im Keim zu ersticken. „Das Weihnachtsgeschäft steht ganz weit oben in der Priorität der Hersteller“, betonte Verbandssprecherin Tanja Croonen. Es werde alles getan, um sicherzustellen, dass die Ware pünktlich in den Läden sei und am Ende auf dem Gabentisch landen könne – auch wenn der Transport dadurch vielleicht etwas teurer werde. So werde ein Teil der Lieferungen bereits vom Schiff auf die Bahn umgeleitet.

Umfrage: Kunden befürchten Probleme am Black Friday

Dennoch blickt so mancher Verbraucher dem Weihnachtseinkauf mittlerweile mit ein bisschen Bangen entgegen. Nach einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar im Auftrag der Vergleichsplattform Idealo erwarten zwei Drittel der Onlineshopper bereits bei dem traditionell Ende November stattfindenden vorweihnachtlichen Schnäppchentag Black Friday Lieferengpässe. Sie befürchten vor allen, dass es zu längeren Lieferzeiten kommen und Angebote schneller vergriffen sein könnten.
Doch ist die mangelnde Verfügbarkeit mancher Produkte nur eines der Probleme, die dem Verbraucher die Weihnachtsstimmung verderben könnten. Angesichts des angespannten Umfelds müssten sich Verbraucher außerdem auf „höhere Preise“ einstellen, warnte Vincent Stamer vom Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel kürzlich im Gespräch mit dem Online-Portal Merkur.de. Bei nachgefragten Produkten sei mit Preisanstiegen bis zu 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu rechnen.

In England könnten zu Weihnachten die Truthähne knapp werden

In Großbritannien könnten die Truthähne knapp werden: Infolge des Brexits fehlen viele Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland. Deswegen haben viele Landwirte weniger Truthähne geschlachtet und verarbeitet als in den Vorjahren. Außerdem haben viele Supermärkte weniger bestellt, weil sie nicht genug Lastwagenfahrer finden.
Um die wenigen Truthähne zum Fest streiten sich dann die Verbraucherinnen und Verbraucher – damit dürften die Preise deutlich steigen. Viele Familien gehen dazu über, jetzt schon ihre Bestellungen auf den Höfen zu machen. Die in der Traditional Farm-fresh Turkey Association organisierten 40 Höfe berichten teils jetzt schon von fünf Mal mehr Direktbestellungen im Vergleich zum Vorjahr.
Zu Weihnachten könnten die Truthähne in England knapp werden.
Zu Weihnachten könnten die Truthähne in England knapp werden.
© Foto: © Africa Studio/Shutterstock.com
Nun ist der Geflügelsektor zwar eine hart getroffene Branche, aber längst nicht die einzige: In Großbritannien warnen Verkäufer von Tannenbäumen vor hohen Preisen wegen gestiegener Import- und Transportkosten, Spielwaren könnten aus denselben Gründen teurer werden. Und sind sie einmal in den Häfen angekommen, fehlen Lkw-Fahrer und Lagerpersonal, die die Ware verteilen.
Die Schweinezüchter im Land finden nicht genügend Schlachter und Fleischer. Diese nicht ganz angenehme Arbeit wurde in der Vergangenheit ebenfalls häufig von ausländischen Fachkräften erledigt. Der Nationale Schweinezüchterverband spricht von der "größten Krise seit Jahrzehnten" und berichtet von Landwirten, die ihre Tiere schlachten, ohne sie überhaupt in die Nahrungsmittelkette zu geben, da die Kosten zu hoch sind. Damit ist ein weiteres beliebtes Weihnachtsgericht in Gefahr: Würstchen im Schlafrock.
"Würstchen im Schlafrock" werden in Teig eingerollt.
„Würstchen im Schlafrock“ werden in Teig eingerollt.
© Foto: StockSnap/Pixabay

X-Box, Playstation & Co.: Kommt es zu Lieferschwierigkeiten bei Spielen und Konsolen?

Der Verband der deutschen Videospielbranche, game, hat wegen des weltweiten Computerchip-Mangels vor Engpässen im Weihnachtsgeschäft gewarnt. "Wir gehen davon aus, dass einige Gaming-Produkte im Weihnachtsgeschäft daher nur schwer zu bekommen sind", sagte game-Geschäftsführer Felix Falk den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). Besonders betroffen seien dabei Spielekonsolen und Grafikkarten. "Aber auch bei anderen Gaming-Geräten kann der Chipmangel zu einem knapperen Angebot führen."
Von Problemen in der Lieferkette ist auch die Fahrradindustrie betroffen. "Wer ganz genau weiß, was es sein soll, und bei Farbe, Ausstattung, Einzelteilen sehr festgelegt ist, kann Pech haben und lange warten müssen", sagte Burkhard Stork, Geschäftsführer des Zweirad-Industrie-Verband (ZIV), den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Wer flexibler sei, komme schneller zu einem neuen Rad – ob mit oder ohne elektronische Unterstützung. Sein Tipp für Weihnachten: "Jetzt was Schönes kaufen, was im Laden steht oder lieferbar ist."

Keine Probleme bei TV-Geräten erwartet

Wenig Probleme meldet dagegen die Unterhaltungselektronik-Branche. In dem Segment "gehen wir aktuell nicht von einer Knappheit an Geräten für den Endverbraucher aus", sagte Wolfgang Weber, Vorsitzender der Geschäftsführung des Zentralverbandes Elektrotechnik- und Elektroindustrie (ZVEI). Vier von fünf Kunden hätten beispielsweise in diesem Jahr laut einer aktuellen ZVEI-Umfrage beim Kauf eines TV-Geräts keine Lieferverzögerungen beklagt.
Es dauert momentan etwa zwei Wochen, bis ein TV-Gerät geliefert wird.
Es dauert momentan etwa zwei Wochen, bis ein TV-Gerät geliefert wird.
© Foto: Amazon
Wer das Gerät nicht direkt aus dem Laden mitnimmt, muss mit durchschnittlich zwei Wochen Lieferzeit rechnen. Das sei "immer noch kurz", sagte Weber. Probleme könne es dagegen bei Haushaltsgroßgeräten geben. Dazu zählen beispielsweise Kühlschränke oder Waschmaschinen. "Bei Elektro-Haushaltsgroßgeräten kann derzeit nicht jeder Kunde damit rechnen, sein Wunschgerät wie gewohnt gleich mitnehmen zu können oder innerhalb der gewohnt kurzen Frist geliefert zu bekommen", warnte Weber. Allerdings seien die Produktgruppen unterschiedlich stark betroffen.

Wie teuer sind Weihnachtsbäume im Jahr 2021?

Steigende Preise lassen Verbraucherinnen und Verbraucher bei vielen Produkten derzeit aufhorchen – bei Weihnachtsbäumen allerdings soll es nach Branchenangaben in diesem Jahr keine nennenswerte Teuerung geben. Erwartet würden "weitgehend konstante Preise", prognostizierten am Mittwoch der Bundesverband der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Deutschland (BWS) und der Verband natürlicher Weihnachtsbaum (VNWB). Demnach gab es flächendeckend eine gute Witterung, weshalb mit einer ausreichenden Menge an Bäumen gerechnet wird.
Weihnachtsbäume sollen in diesem Jahr nicht teurer werden.
Weihnachtsbäume sollen in diesem Jahr nicht teurer werden.
© Foto: © SKatzenberger/shutterstock.com
Beide Verbände nennen einen Laufmeterpreis für Nordmanntannen von 21 bis 27 Euro, für Blautannen von zwölf bis 16 Euro und für Fichten von neun bis zwölf Euro. "Durch die optimalen Wetterbedingungen und die vorausschauende Arbeit der Familienbetriebe bleiben die Preise aller Voraussicht nach konstant", erklärte Benedikt Schneebecke, Vorsitzender des VNWB. Der BWS-Vorsitzende Bernd Oelkers verwies darauf, dass es kaum Spätfröste, dafür aber ausreichend Niederschläge gegeben habe. Deshalb könnten sich "alle zum Fest auf einen erschwinglichen und dennoch echten Baum freuen".