Der Streik-Sommer hat gerade erst begonnen: Nachdem die Piloten eine Urabstimmung für unbefristete Streiks begonnen hat, will nun auch das Bodenpersonal der Lufthansa die Arbeit niederlegen. Die Gewerkschaft Verdi kündigte einen Warnstreik für Mittwoch, den 27.07.2022 an.
  • Streik am Mittwoch: An welchen Flughäfen wird gestreikt?
  • Flüge der Lufthansa: Welche Flüge könnten betroffen sein?
  • Gehört Eurowings zur Lufthansa?
  • Wie lange soll der Streik andauern?

Streik am Mittwoch: Bodenpersonal der Lufthansa streikt bundesweit

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat die Bodenbeschäftigten der Lufthansa bundesweit zu einem ganztägigen Warnstreik am Mittwoch aufgerufen. Die Bodenbeschäftigten sind auch für die Wartung der Flugzeuge zuständig und dafür, die Maschinen in die entsprechenden Positionen zu schieben.
Der Warnstreik beginne am Mittwochmorgen um 03.45 Uhr und ende am Donnerstag um 06.00 Uhr, teilte Verdi mit. Es werde zu "größeren Flugausfällen und Verzögerungen kommen".
Folgende Lufthansa-Standorte und Flughäfen werden auf jeden Fall betroffen:
  • Frankfurt am Main
  • Düsseldorf
  • Köln
  • Hamburg
  • München
  • Berlin
An den Flughäfen Frankfurt, München und Hamburg wird es außerdem Kundgebungen der Verdi geben.
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Berlin

Andere Flughäfen in Deutschland können durch den Warnstreik indirekt betroffen sein. Verspätungen oder Ausfälle von Maschinen an einem Standort können Folgen auf den gesamten Luftverkehr haben. Wer also am 27. Juli mit einer anderen Airline fliegt, sollte also auch mit Verspätungen rechnen, die wegen des Warnstreiks der Lufthansa womöglich betroffen sein könnten.

Gehört Eurowings zu Lufthansa?

Die Eurowings, früher Germanwings, ist eine Tochtergesellschaft der Lufthansa. Es ist daher gut möglich, dass der Streik des Lufthansa-Personals auch Eurowings-Flüge treffen könnte.

Welche Flüge sind vom Lufthansa Streik betroffen?

Ganz genau lässt sich das noch nicht sagen. Sobald genaueres bekannt wird, informieren wir an dieser Stelle. Reisende sollten aber davon ausgehen, dass es am Mittwoch zu längeren Wartezeiten an allen Flughäfen kommt. Zudem sollten Lufthansa- und Eurowings-Reisende damit rechnen, dass Flüge möglicherweise ganz ausfallen.

Verspätung oder Ausfall durch Streik: Welche Rechte habe ich?

Bei streikbedingtem Flugausfall oder einer Verspätung von mehr als drei Stunden muss die Airline laut der Verbraucherzentrale Reisenden eine alternative Beförderung zum Ziel anbieten - etwa durch Umbuchung auf einen anderen Flug. Dies passiert oft automatisch. Oder die Airline bietet die Option an, das Ticket für innerdeutsche Flüge in eine Bahnfahrkarte umzuwandeln.
Bietet die Airline so etwas nicht von selbst an, sollten Betroffene ihr eine Frist zur Beschaffung der Alternative setzen. Als angemessenes Zeitfenster für die Frist sieht Reiserechtler Paul Degott zwei bis drei Stunden nach der geplanten Abflugzeit. Kommt die Airline der Aufforderung nicht nach, rät die Verbraucherzentrale Reisenden, sich selbst Ersatz beschaffen und die Kosten der Airline hinterher in Rechnung stellen.
Hat ein Flug mehr als fünf Stunden Verspätung, können Reisende das Ticket zurückgeben und ihr Geld zurückverlangen - Gutscheine müssen sie nicht akzeptieren. Auch Bearbeitungsgebühren dürfen nicht von der Airline einbehalten werden.

Warum findet der Streik bei der Lufthansa statt?

Hintergrund sind die stockenden Tarifverhandlungen für die rund 20.000 Beschäftigten der Lufthansa. In der zweiten Runde der Tarifverhandlungen Mitte Juli wurde kein Ergebnis erzielt; Verdi nannte das Lufthansa-Angebot "unzureichend".Die Gewerkschaft rief nun zu dem Warnstreik auf, "um den Druck auf die Arbeitgeber zu erhöhen", wie Verdi erklärte. Sie müssten in der nächsten Verhandlungsrunde ein "deutlich verbessertes, abschlussfähiges Angebot" vorlegen.
Verdi-Verhandlungsführerin Christine Behle erklärte, die Situation auf den Flughäfen eskaliere; die Überlastung der Beschäftigten aufgrund erheblichen Personalmangels, die hohe Inflation und ein dreijähriger Lohnverzicht würden die Beschäftigten immer mehr unter Druck setzen. "Sie brauchen dringend mehr Geld, und sie brauchen Entlastung - für sich selber und für die Passagiere."
In den Tarifverhandlungen fordert Verdi 9,5 Prozent mehr Gehalt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten und einem Mindeststundenlohn von 13 Euro. Die Arbeitgeber boten in der zweiten Runde laut Verdi drei Varianten eines Angebots aus Festbeträgen und einer ergebnisabhängigen Komponente bei einer Laufzeit von 18 Monaten an. Laut Gewerkschaft würde das Angebot die Inflation "nicht annähernd ausgleichen". Die nächste Verhandlungsrunde findet am 3. und 4. August in Frankfurt am Main statt.