In Erftstadt-Blessem in Nordrhein-Westfalen ist eine Reihe von Häusern ganz oder teilweise eingestürzt. Es gibt Tote und Vermisste. Das hat die Kölner Bezirksregierung am Freitagmorgen mitgeteilt. Ursache seien massive und schnell fortschreitende Unterspülungen der Häuser.
Aus den Häusern kämen immer wieder Notrufe. Menschen könnten derzeit aber nur mit Booten vom Wasser aus gerettet werden. Dazu erschwere ein nicht abstellbarer Gasaustritt die Rettungsarbeiten. Mehrere Pflegeheime würden geräumt. Die Feuerwehr hatte am Donnerstagabend im Kreis Heinsberg drei schwer verletzte Menschen aus dem Fluss Wurm retten können, die dort zu ertrinken drohten.

Todesopfer nach Hauseinstürzen in Erftstadt

Beim Einsturz von Häusern in Erftstadt-Blessem sind Menschen ums Leben gekommen. „Es gibt Todesopfer“, sagte eine Sprecherin der Bezirksregierung Köln am Freitag.
Von der Bezirksregierung verbreitete Luftbilder und Fotos von dpa-Fotografen zeigen Erdrutsche von gewaltigem Ausmaß. Häuser wurden mitgerissen und verschwanden. Autos lagen in neu entstandenen riesigen Erdlöchern neben Betonteilen der ehemaligen Kanalisation.
Laut der Sprecherin der Bezirksregierung wurde ein Katastrophenschutztrupp losgeschickt, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Bereits am frühen Morgen teilte die Bezirksregierung mit, dass der Betrieb der Krankenhäuser vor Ort wegen der "massiven und schnell fortschreitenden Unterspülungen" nicht mehr möglich sei und mehrere Pflegeheime evakuiert würden. Aus den Häusern erfolgten demnach immer wieder Notrufe, weil Menschen trotz Warnung zurück ins hoch gefährliche Schadensgebiet gekehrt seien oder es nicht verlassen hätten.
Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

Bildergalerie Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

NRW: Rhein-Erft-Kreis ruft Katastrophenfall aus - Landrat appelliert

Der Krisenstab im Rhein-Erft-Kreis in Nordrhein-Westfalen hat nach den andauernden starken Regenfällen den Katastrophenfall ausgerufen. Wegen der Hochwasserlage entlang der Erft bestehe die Gefahr, dass sich die bisher örtlich begrenzte Lage neben Erftstadt auch auf Kerpen, Bergheim und Bedburg ausweiten könnte, heißt es in einer Pressemitteilung von Donnerstag. Die kreisangehörigen Kommunen wurden aufgefordert, „die notwendigen Maßnahmen des Bevölkerungsschutzes wie insbesondere Evakuierungen und Unterbringungen vorzubereiten und vorzunehmen“.
Das NRW-Innenministerium sprach am späten Donnerstagabend von mindestens 30 Toten. Der Landrat von Euskirchen, Markus Ramers (SPD), sagte, er rechne mit weiteren Toten, die entdeckt würden, wenn das Wasser abgeflossen sei.

Die Karte zeigt schematisch, wo in Rheinland-Pfalz und NRW in den vergangenen Tagen wieviel Regen heruntergekommen ist, das für die massiven Überschwemmungen und Hochwasser aktuell sorgt.
Die Karte zeigt schematisch, wo in Rheinland-Pfalz und NRW in den vergangenen Tagen wieviel Regen heruntergekommen ist, das für die massiven Überschwemmungen und Hochwasser aktuell sorgt.
© Foto: dpa-infografik GmbH

Einsatz von Feuerwehr, Polizei, Städten und THW nach massiven Regenfällen

„Wir durchleben gerade eine Krise, deren Dimensionen heute noch nicht abschätzbar sind“, sagte Landrat Frank Rock. Die extreme Wetterlage fordere schon jetzt den massiven Einsatz von Feuerwehr, Polizei, Städten, Stadtwerken, Technischem Hilfswerk und vielen anderen Helfern im ganzen Rhein-Erft-Kreis. „Der soziale Zusammenhalt und die Solidarität aller Bürgerinnen und Bürger ist in dieser schwierigen Zeit nun wichtiger mehr denn je. Helfen Sie bitte Nachbarn, Kindern, Älteren und mobilitätseingeschränkten Personen“, sagte der Landrat.

Hochwasser nach Unwetter in Rheinland-Pfalz und NRW

In Euskirchen droht ein Dammbruch der Steinbachtalsperre. Die A61 ist gesperrt, Bewohner in Schweinheim, Flamersheim und Palmersheim werden evakuiert.

23 Landkreise in NRW von Überschwemmungen betroffen

In Nordrhein-Westfalen sind nach Angaben des Bundesamtes für Bevölkerung und Katastrophenschutz (BBK) in Bonn 23 Städte und Landkreise von Überschwemmungen betroffen. Nach Angaben des BBK auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur waren dies (Stand Donnerstagabend):
  • Oberbergischer Kreis
  • Rhein-Sieg-Kreis
  • Mettmann
  • Heinsberg
  • Düren
  • Hochsauerlandkreis
  • Rheinisch-Bergischer Kreis
  • Wuppertal
  • Rhein-Erft-Kreis
  • Bochum
  • Hagen
  • Mülheim an der Ruhr
  • Euskirchen
  • Essen
  • Ennepe-Ruhr-Kreis
  • Köln
  • Leverkusen
  • Solingen
  • Märkischer Kreis
  • Oberhausen
  • Unna
  • Düsseldorf
  • Bottrop

NWR und RLP: Bundeswehr rückt zur Unterstützung an

Die Bundeswehr hat zur Unterstützung inzwischen etwa 900 Soldaten in die Katastrophengebiete in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz geschickt.
Erftstadt in Nordrhein-Westfalen: Ein Sanitätsfahrzeug der Bundeswehr fährt durch den Ortsteil Blessem.
Erftstadt in Nordrhein-Westfalen: Ein Sanitätsfahrzeug der Bundeswehr fährt durch den Ortsteil Blessem.
© Foto: Marius Becker/dpa
Landesweit werden die Rettungs- und Aufräumarbeiten fortgesetzt. In den Städten Schleiden und Bad Münstereifel stießen die Einsatzkräfte auf einsturzgefährdete oder bereits zerstörte Häuser. In Weilerswist wurden Feuerwehrleute von den Wassermassen eingeschlossen. Sie konnten sich nach Angaben des Kreises selbst befreien.

NRW: Bis zu 180 Liter Regen pro Quadratmeter

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes waren im Süden von NRW bis zu 180 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland waren am Mittwoch und in der Nacht zu Donnerstag über die Ufer getreten. Mehr als 15 000 Feuerwehrleute und Katastrophenhelfer absolvierten bis Donnerstag landesweit über 22 000 Einsätze.

Stromausfälle durch Überschwemmungen in NRW und RLP

Rund 165 000 Menschen im Westen Deutschland waren nach Angaben des Energieversorgers Eon aufgrund des Unwetters am Donnerstagnachmittag ohne Strom. Besonders betroffen seien die Eifel, der linksrheinische Rhein-Sieg-Kreis, der Rheinisch-Bergische Kreis und Teile des Bergischen Landes, teilte das Unternehmen in Essen mit.

Bundeskanzlerin Merkel sagt Betroffenen Hilfe zu

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen Menschen Hilfen zugesagt. "Wir werden sie in dieser schwierigen, schrecklichen Stunde nicht alleine lassen und werden auch helfen, wenn es um den Wiederaufbau geht", sagte Merkel nach dem Treffen mit US-Präsident Joe Biden in Washington. Merkel erklärte, ihr gehe das Leid der Betroffenen sehr nahe. Sie habe sich den ganzen Tag lang über die Katastrophe informieren lassen.
Es sei ein Tag gewesen von Angst um Leben und Besitz, ein Tag der Sorgen und Verzweiflung. Hunderttausende hätten erleben müssen, dass Wohnhäuser zu "Todesfallen" geworden seien.

Flutkatastrophe im Westen Deutschlands

Dauerregen und Unwetter haben im Westen Deutschlands Flüsse und Bäche in reißende Fluten verwandelt. Es gibt viele Tote und Vermisste. Politiker eilen in die Katastrophengebiete in NRW und Rheinland-Pfalz.
In der Eifel sind nach Unwettern und starkem Regen mindestens sechs Häuser eingestürzt. Weitere Häuser in der Gemeinde Schuld im Kreis Ahrweiler sollen einsturzgefährdet sein.
Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Toten auf 50 gestiegen. „Die Befürchtung ist, dass es noch mehr werden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz am Freitagmorgen. Die Bergungsarbeiten liefen weiter. Wie viele Menschen insbesondere in der Region um Bad Neuenahr-Ahrweiler noch vermisst werden, konnte der Sprecher nicht genau sagen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte am Donnerstagabend davon gesprochen, dass das Schicksal von 40 bis 60 Menschen weiterhin ungeklärt sei.

Mehr als 90 Tote nach schweren Unwettern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz

Bei den schweren Unwettern in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz starben bereits mehr als 90 Menschen. Es handelt sich um eine der größten Unwetterkatastrophen der Nachkriegszeit in Deutschland. Obwohl die Rettungsmaßnahmen noch voll im Gange waren, lag die Zahl der Toten bereits deutlich höher als beim sogenannten Jahrhunderthochwasser des Jahres 2002, bei dem in Deutschland 21 Menschen starben.