• Eine ganze Reihe von Tornados hat in den USA teils schwere Verwüstungen in einigen Bundesstaaten angerichtet
  • In einer eingestürzten Kerzenfabrik im Bundesstaat Kentucky werden Dutzende Todesopfer vermutet
  • Im Bundesstaat Illinois wurde ein Amazon-Lager zerstört. Auch hier soll es Tote geben.
  • Im vergangenen Jahrzehnt gab es in den USA immer wieder tödliche Tornado-Serien.
  • Wie entstehen die gewaltigen Wirbelstürme eigentlich? Und wie stark können sie werden?
  • Hier gibt es alle Infos zum Thema:
In den USA haben schwere Unwetter mit Tornados in mehrere Bundesstaaten gewütet. Am schwersten hat es offensichtlich den US-Bundesstaat Kentucky getroffen. Er sei sich „nun sicher, dass es mehr als 70 waren“, sagte Gouverneur Andy Beshear am Samstag vor Journalisten. „Es könnte sogar sein, dass die Zahl 100 überschritten wird, bevor der Tag zu Ende ist.“ Schwere Unwetter mit einer ganzen Serie von Tornados hatten am Freitag mehrere Bundesstaaten im Südosten und im Zentrum der USA getroffen.

Tornado zerstört Kerzenfabrik in Mayfield/Kentucky

In Kentucky hat es vor allem den Ort Mayfield erwischt. Dort sei das Dach einer Fabrik eingestürzt, und es könnte viele Opfer geben, sagte Beshear. Bei dem Gebäude soll es sich um eine Kerzenfabrik handeln. Bei Twitter wurden zahlreiche Fotos von der zerstörten Halle verbreitet. In dem Fabrikgebäude hätten sich etwa 110 Menschen befunden hätten, sagte Gouverneur Beshear. „Wir glauben, dass wir mindestens Dutzende von ihnen verlieren werden.“ Die Zerstörung sei noch schlimmer als zunächst befürchtet. Die Tornados hätten eine Schneise der Verwüstung über 200 Meilen (320 Kilometer) hinterlassen. „Alles in ihrem Pfad ist weg. Häuser, Geschäfte, Regierungsgebäude - einfach weg. Teile von Industrieanlagen, Dächer sind in Bäumen. Es ist schwer vorstellbar, dass das überhaupt möglich ist.“
Der Direktor der Katastrophenschutzbehörde in Kentucky, Michael Dossett, sprach von einem der „dunkelsten Tage“ Kentuckys.
Der Sender CNN zeigte Bilder von den Überresten der Fabrik, die angesichts des Ausmaßes der Zerstörung nicht mehr erkennbar war. „Ich habe keine Ahnung, was wir hier sehen, wir schauen auf ein riesiges Trümmerfeld“, sagte eine CNN-Moderatorin beim Einblenden erster Bilder zunächst. „Das ist überwältigend.“
Mayfields Bürgermeisterin Kathy O’Nan bestätigte, dass in der Kerzenfabrik wegen der Weihnachtszeit rund um die Uhr gearbeitet worden sei. Die Fabrik gehöre einer Familie aus dem Ort und sei ein wichtiger Arbeitgeber.
In Mayfield zerstörte der Tornado auch das Dach dieser Kirche.
In Mayfield zerstörte der Tornado auch das Dach dieser Kirche.
© Foto: Brett Carlsen/AFP
Im Ort Earlington in Kentucky führte der Sturm dazu, dass ein Zug entgleiste und in mehrere Häuser raste. Experten untersuchten, welches Material er geladen hatte und wie viele Menschen in der Gegend verletzt wurden, sagte der Sheriff von Hopkins County, Matt Sanderson, Medienberichten zufolge.
CNN zufolge wüteten mindestens 24 Tornados in fünf US-Staaten. Auf einer Karte des Senders war zu sehen, dass sich das betroffene Gebiet von Norden nach Süden zog. Betroffen waren neben Kentucky zudem auch Tennessee, Missouri, Illinois und Arkansas.

Tornado in Illinois lässt Hallendach einstürzen

So hat ein Tornado im US-Bundesstaat Illinois das Dach eines Verteilerzentrums des Online-Händlers Amazon teilweise einstürzen lassen. Zum Zeitpunkt des Unglücks am Freitagabend (Ortszeit) in Edwardsville nahe der Großstadt St. Louis hätte sich eine nicht bekannte Zahl von Menschen in dem Gebäude aufgehalten, sagte der örtliche Polizeichef, Mike Fillback vor Journalisten. Rettungskräfte hätten eine Anzahl der Eingeschlossenen aus dem Gebäude herausholen können. Unklar sei aber, wie viele noch innen verharrten.
Illinois' Gouverneur JB Pritzer sagte, er bete für die Menschen von Edwardsville. Amazon-Sprecher Richard Rocha sagte, der Konzern prüfe die Situation. „Die Sicherheit und das Wohlergehen unserer Angestellten und Partner hat jetzt unsere höchste Priorität.“
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Tornado in Arkansas: Zwei Tote in Pflegeheim

Ein anderer Tornado hat am späten Freitagabend im US-Bundesstaat Arkansas mindestens zwei Menschenleben gefordert. Die Windhose erfasste nach Medienberichten die Ortschaften Monette und Trumann und beschädigte eine Reihe von Gebäuden, darunter zwei Pflegeheime. In dem Pflegeheim in Monette kamen zwei Menschen ums Leben, weitere fünf Menschen wurden verletzt. Helfer bargen 20 Menschen aus dem Gebäude. Die beiden Ortschaften liegen im Nordosten von Arkansas.
In Tennessee starben mindestens zwei Menschen, wie ein Vertreter des Katastrophenschutzes örtlichen Medien mitteilte.
Das Sturmsystem ist die jüngste einer ganzen Reihe von Naturkatastrophen in den USA. Die Vereinigten Staaten litten in diesem Jahr unter verheerenden Stürmen, schweren Überflutungen und großflächigen Waldbränden.

US-Präsident Joe Biden sagt nach Tornados Unterstützung zu

Nach den verheerenden Tornados hat US-Präsident Joe Biden den betroffenen Bundesstaaten die Unterstützung der Bundesregierung zugesagt. „Einen geliebten Menschen in einem solchen Sturm zu verlieren, ist eine unvorstellbare Tragödie“, teilte Biden am Samstag mit. „Wir arbeiten mit den Gouverneuren zusammen, um sicherzustellen, dass sie alles haben, was sie benötigen.“ Bidens Sprecherin Jen Psaki schrieb auf Twitter: „Wir sind untröstlich über die Verwüstungen.“ Das Weiße Haus verfolge die Auswirkungen des verheerenden Sturmsystem in der Nacht zu Samstag in weiten Teilen des Landes genau.

Was ist ein Tornado und wie entsteht er?

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) ist ein Tornado eine Luftsäule mit Bodenkontakt, die um eine mehr oder weniger senkrecht orientierte Achse rotiert und sich unter einer cumuliformen Wolke befindet.
Ein Tornado kann entstehen, wenn starke Temperaturgegensätze herrschen und Luft aufsteigt bzw. gehoben wird. Durch frei werdende Kondensationswärme und starke vertikale Windscherung (Zunahme der Windgeschwindigkeit und ggf. zusätzlich Änderung der Windrichtung mit der Höhe) wird dabei ein rotierender Aufwindschlauch erzeugt. Dieser kann einen Durchmesser bis über einen Kilometer erreichen, wobei Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Kilometern pro Stunde auftreten können.
Ein Tornado verwüstet längs seiner Zugbahn einen Streifen von einigen hundert Metern Breite (Asgardsweg). Die Stärke der Tornados wird anhand der Fujita-Skala (F-Scale) festgelegt. Die stärkste bisher beobachtete Tornadoklasse (F5) mit Windgeschwindigkeiten von etwas über 500 km/h trat zum Glück bisher recht selten auf (nur 1 Prozent aller Fälle).

Tödliche Tornado-Serien in den USA

Bei den fünf tödlichsten Tornado-Serien der vergangenen zehn Jahre kamen mehrere hundert Menschen ums Leben:

April 2011: 354 Tote bei rund 300 Tornados im Südosten der USA

Zwischen dem 22. und 28. April 2011 wurde der Südosten der USA von etwa 300 Tornados heimgesucht, 354 Menschen kamen ums Leben. Allein in Alabama, wo Ortschaften wie etwa Tuscaloosa fast gänzlich von der Landkarte getilgt wurden, zählten die Behörden 250 Opfer. Betroffen waren aber auch Tennessee, Mississippi, Georgia, Arkansas und Virginia. Der dramatischste Tag war der 27. April - mit 314 Toten in fünf Bundesstaaten.

Mai 2011: 161 Tote in der Stadt Joplin

Am 22. Mai 2011 verwüstete ein Tornado mit Böen von bis zu 320 Stundenkilometern den rund 50.000 Einwohner zählenden Ort Joplin im Bundesstaat Missouri, 161 Menschen starben. Der Sturm hinterließ eine 6,4 Kilometer lange und über einen Kilometer breite Schneise der Verwüstung.

März 2012: Über 50 Tote im Mittleren Westen

Am 2. März 2012 trafen rund 80 Tornados den Mittleren Westen der USA, darunter vor allem Kentucky und Indiana, aber auch Ohio, Tennessee oder Illinois. Mindestens 38 Menschen wurden getötet - erst zwei Tage vorher waren bei ähnlichen Unwettern 13 Menschen ums Leben gekommen.

April 2014: 35 Tote im Zentrum und Süden der USA

Am 27. und 28. April 2014 wurden mindestens 35 Menschen durch eine Reihe von Tornados getötet, die sechs Staaten im Zentrum und im Süden des Landes (Mississippi, Alabama, Tennessee, Arkansas, Iowa und Oklahoma) verwüsteten.

April 2020: Mehr als 30 Tote im Süden

Am 12. und 13. April 2020 suchten Tornados im Süden des USA ein Gebiet heim, das von Texas über Mississippi, Georgia, Tennessee, Arkansas bis nach South Carolina reichte. Die Behörden registrierten mindestens 32 Todesopfer.
Der tödlichste Tornado in der Geschichte der USA war im Jahr 1925: Bei seinem Durchzug durch Missouri, Illinois und Indiana kamen damals 747 Menschen ums Leben.