• In Rheinland-Pfalz ist der Kreis Ahrweiler Schwerpunkt der Katastrophe.
  • In der Gemeinde Schuld in der Eifel sind mindestens sechs Häuser eingestürzt
  • Weitere Gebäude sind Polizei und Feuerwehr zufolge einsturzgefährdet
  • Im Kreis Ahrweiler ist der Katastrophenfall ausgerufen
  • Es gibt viele Tote und Vermisste
  • Menschen und Unternehmen in Ahrweiler droht langer Ausfall der Gasversorgung
  • Nach starkem Regen und Unwettern gibt es an vielen Orten entlang von Mosel, Saar und Rhein Hochwasser und Überschwemmungen
Schwere Unwetter mit starkem Regen haben am Mittwochabend und in der Nacht auf Donnerstag erneut Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz heimgesucht. In der Eifel sind sechs Häuser infolge der schweren Regenfälle in der Nacht zu Donnerstag eingestürzt. Mindestens 362 Menschen wurden im Kreis Ahrweiler verletzt, wie die Polizei in Koblenz am Freitag mitteilte. Allein im Örtchen Schuld an der Ahr mit 700 Einwohnern wurden mindestens sechs Häuser von den Wassermassen mitgerissen und zahlreiche weitere Gebäude teils schwer beschädigt.

Zahl der Flut-Todesopfer im Kreis Ahrweiler gestiegen

Die Zahl der Todesopfer nach den verheerenden Überschwemmungen im Kreis Ahrweiler ist auf 117 gestiegen. Zudem seien mindestens 749 Menschen verletzt worden, teilte eine Polizeisprecherin in Koblenz am Montag mit. Wie viele Menschen noch vermisst werden, ist weiterhin unklar. Am Sonntag war die Zahl der Flut-Toten in Rheinland-Pfalz mit 110 angegeben worden.

Angela Merkel verspricht Bundeshilfe für den Wiederaufbau

Kanzlerin Angela Merkel hat sich bei einem Besuch im Katastrophengebiet erschüttert gezeigt und schnelle Hilfen versprochen. Es herrsche eine „surreale, gespenstische Situation“, sagte die CDU-Politikerin am Sonntag nach einem Rundgang durch die Eifelgemeinde Schuld, wo die Fluten Trümmerberge und zerstörte Häuser hinterließen. „Die deutsche Sprache kennt kaum ein Wort für die Verwüstungen, die hier angerichtet wurden.“ Anschließend besuchte sie mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) den nahe gelegenen Ort Adenau, der ebenfalls schwer getroffen wurde.
Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

Bildergalerie Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

Behindertenheim wird zur Todesfalle

Unter den Toten sind zwölf Bewohner einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung in Sinzig, an der Mündung der Ahr in den Rhein. „Das Wasser drang innerhalb einer Minute bis an die Decke des Erdgeschosses“, sagte der Geschäftsführer des Landesverbands der Lebenshilfe Rheinland-Pfalz, Matthias Mandos. Die Nachtwache habe es noch geschafft, mehrere Bewohner in den ersten Stock des Wohnheims zu bringen. „Als er die nächsten holen wollte, kam er schon zu spät.“ Am Freitag war an dem Gebäude eine etwa drei Meter hoch reichende Schlammschicht zu sehen, die über die Fenster des Erdgeschosses reichte.

Krankenhaus und Hospiz in Bad Neuenahr-Ahrweiler werden evakuiert

Das Krankenhaus „Maria Hilf“ und das angrenzende Hospiz in Bad Neuenahr-Ahrweiler mussten evakuiert werden, weil die Wasser und Gasversorgung unterbrochen sind. Über ein Notstromaggregat wird das Krankenhaus derzeit noch mit Strom versorgt. Der Ambulanzbetrieb soll jedoch auch nach der Evakuierung bestehen bleiben.

Spenden und Hilfsfonds: Zur Unwetterkatastrophe äußert sich Steinmeier

Allein im Örtchen Schuld an der Ahr mit 700 Einwohnern wurden mehrere Häuser von den Wassermassen mitgerissen und zahlreiche weitere Gebäude teils schwer beschädigt. Jetzt sollen bald Hilfsgelder und Spenden für NRW und Rheinland-Pfalz kommen. Hilfsorganisationen und Kirchen riefen am Freitag zu Spenden und Unterstützung für die Betroffenen auf. Das Bundeskabinett wird sich am Mittwoch mit einer möglichen finanziellen Unterstützung befassen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte: „In der Stunde der Not steht unser Land zusammen.“ In diesen Tagen komme es darauf an, Solidarität zu zeigen, „mit denen, denen die Flut alles genommen hat“.

Hilfsangebote für Opfer der Überschwemmungen in Ahrweiler, Euskirchen, Rhein-Sieg

Nach einem Aufruf der Stadt Bonn, Menschen aus Hochwassergebieten eine Unterkunft anzubieten, sind bei der Verwaltung Hilfsangebote für mehr als 1000 Betroffene eingegangen. Viele Privatpersonen wollten bis zu drei Menschen aufnehmen, und Hotels stellten bis zu 50 Doppelzimmer zur Verfügung, teilte die Stadt am Freitag mit. „Wir sind überwältigt von der Vielfalt und der Fülle der Angebote. Weitere brauchen wir im Moment nicht mehr“, erklärte Oberbürgermeisterin Katja Dörner.
Ab jetzt sollten die Telefonleitungen für Hilfesuchende frei gehalten werden. Zudem suche ein Mitarbeiter der Stadt vier große Sammelunterkünfte auf, um die Menschen dort über das Angebot zu informieren. Angesprochen seien Hochwasser-Geschädigte aus Bonns stark betroffenen Nachbarkreisen Ahrweiler, Euskirchen und Rhein-Sieg.

Gasleitung in Ahrweiler zerstört: Langer Ausfall der Gasversorgung droht

Den Menschen im Kreis Ahrweiler droht nach der Unwetterkatastrophe ein langer Ausfall ihrer Gasversorgung. Nach der ersten Einschätzung des Schadensbilds müssten „mehrere Kilometer Gasleitungen komplett neu gelegt werden“, teilte die Netzgesellschaft der Energieversorgung Mittelrhein am Freitag in Koblenz mit. Dies werde mehrere Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern. Dem Unternehmen zufolge bedeutet dies für die betroffenen Bürger, dass sie kein warmes Wasser mehr beziehen können. Für Unternehmen, die Erdgas benötigen, bedeute dies den Ausfall ihrer Produktion. Nach Angaben des Versorgers ist eine Leitung im Bereich der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler gerissen, weshalb das gesamte Stadtgebiet und die umliegenden Orte kein Erdgas mehr haben.

Erftstadt in NRW: Auch dort sind Häuser eingestürzt

Wie am Freitagmorgen bekannt wurde, ist nach heftigen Regenfällen auch in Erftstadt-Blessem in Nordrhein-Westfalen eine Reihe von Häusern ganz oder teilweise eingestürzt. Die aktuellen Entwicklungen gibt es hier.

Hochwasser in Schuld: Aktuell mindestens 50 Tote in Rheinland-Pfalz nach Überschwemmungen

Nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Toten, Stand 7:30 Uhr, auf 50 gestiegen. „Die Befürchtung ist, dass es noch mehr werden“, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Koblenz am Freitagmorgen. Die Bergungsarbeiten liefen weiter.
Wie viele Menschen insbesondere in der Region um Bad Neuenahr-Ahrweiler noch vermisst werden, konnte der Sprecher nicht genau sagen. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hatte am Donnerstagabend davon gesprochen, dass das Schicksal von 40 bis 60 Menschen weiterhin ungeklärt sei.
Der Kreis Ahrweiler hatte sogar von 1300 noch vermissten Menschen im Kreisgebiet gesprochen. Eine Sprecherin erklärte das auch mit einem teilweise lahmgelegten Mobilfunknetz. Daher gebe es keinen Handy-Empfang und viele Menschen seien nicht erreichbar.
Stundenlanger Starkregen hatte zu einem verheerenden Hochwasser geführt. Schwerpunkt der Katastrophe ist der Kreis Ahrweiler. Allein im 700 Einwohner-Dorf Schuld an der Ahr wurden mehrere Häuser von den Wassermassen mitgerissen, zahlreiche weitere Gebäude teils schwer beschädigt. Erhebliche Schäden gab es auch in weiteren Regionen der Eifel sowie im Landkreis Trier-Saarburg.

Hochwasser und Überschwemmung im Kreis Ahrweiler: Aufräumarbeiten werden fortgesetzt

Die Aufräum- und Bergungsarbeiten nach der Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz wurden am Freitagmorgen fortgesetzt. Auch Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr sind zur Unterstützung in die Hochwasserregionen gekommen.
Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) wollte sich am Freitagmorgen (8.30) in Trier über die Situation in ihrer Heimatstadt informieren. Wegen des starken Hochwassers im Mosel-Nebenfluss Kyll waren in Trier und Umgebung am Donnerstag Tausende Menschen in Sicherheit gebracht worden, auch ein Krankenhaus musste evakuiert werden.

Häuser in Schuld stürzen ein – Katastrophenfall im Kreis Ahrweiler

Im Landkreis Ahrweiler wurde der Katastrophenfall ausgerufen. Nach Angaben der Polizei waren mehrere Orte wegen Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten. Menschen seien auf die Dächer ihrer Häuser geflüchtet und warteten dort auf die Rettungskräfte.
Landrat Jürgen Pföhler rief die Menschen auf, möglichst zu Hause bleiben und "sich gegebenenfalls in höher gelegene Stockwerke" zu begeben. "Die Lage ist sehr ernst", sagte er. Es bestehe Lebensgefahr.
In Beller im Kreis Ahrweiler musste eine Autobahnbrücke nach starken Regenfällen und Unwettern gestützt werden. In der Gemeinde Schuld sind jetzt offenbar sechs Häuser eingestürzt und weitere einsturzgefährdet.
In Beller im Kreis Ahrweiler musste eine Autobahnbrücke nach starken Regenfällen und Unwettern gestützt werden. In der Gemeinde Schuld sind jetzt offenbar sechs Häuser eingestürzt und weitere einsturzgefährdet.
© Foto: Thomas Frey/DPA

Katastrophenfall auch im Kreis Vulkaneifel ausgerufen

Nach starken Regenfällen und Überschwemmungen hatte der Kreis Vulkaneifel bereits am Mittwochabend den Katastrophenfall ausgerufen. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind“, sagte Landrätin Julia Gieseking (SPD) am Mittwochabend in Daun. Die Schulen im Kreis sollen am Donnerstag geschlossen bleiben.

Hochwasser und Überschwemmungen entlang von Mosel, Saar und Rhein

Nach den Unwettern und starken Regenfällen der vergangenen Tage gibt es insbesondere in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vielerorts Hochwasser und Überschwemmungen. Einen aktuellen Überblick nach den Unwettern entlang der Flüsse Mosel, Saar und Rhein bietet dieser Artikel.
In den vergangenen Tagen hatte der Deutsche Wetterdienst DWD wiederholt vor starkem Regen und Unwettern gewarnt. Im Kreis Hof in Bayern und in Jöhstadt im Erzgebirgskreis in Sachsen hatte es zuletzt schwere Überschwemmungen und sogar eine Sturzflut gegeben.

Steinbachtalsperre: Damm in NRW droht zu brechen

In Euskirchen (Nordrhein-Westfahlen) droht die Steinbachtalsperre zu brechen. Der Damm wird aufgrund der gewaltigen Wassermassen durch der starken Regenfälle von der Polizei und dem Technischen Hilfswerk (THW) beobachtet.

Verteidigungsministerium löst militärischen Katastrophenalarm aus

Das Verteidigungsministerium hat wegen der Unwetterkatastrophe im Westen Deutschlands einen militärischen Katastrophenalarm ausgelöst. Die Hintergründe und Folgen der Entscheidung im Überblick.