Ermittler haben den verurteilten Reemtsma-Entführer Thomas Drach nach dpa-Informationen bereits seit langer Zeit im Visier gehabt. Nun verhafteten Polizisten den 60-Jährigen in Amsterdam. Er soll an drei spektakulären Raubüberfällen auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt am Main beteiligt gewesen sein.
Drach habe sich am Dienstag, 23. Februar, widerstandslos festnehmen lassen und sitze nun in Auslieferungshaft, meldete der Spiegel. Laut der Bild-Zeitung sucht die Polizei noch nach zwei Komplizen. Für Drach ist es nach acht Jahren eine Rückkehr hinter Gitter.
Sollte er schuldig gesprochen werden, wird er dort vermutlich den Rest seines Lebens verbringen. Er schrammte nach der Entführung des Millionenerben Jan Philipp Reemtsma und einer späteren Erpressung seines Bruders aus dem Knast heraus bereits kurz an der Sicherungsverwahrung vorbei.

2019 soll Thomas Drach einen Geldtransporter überfallen haben

Thomas Drach, gebürtig aus Erftstadt, brachte die Fahnder bei einem Überfall am nahen Flughafen Köln/Bonn auf seine Spur. Am 6. März 2019 soll er dort mit Komplizen einen Geldtransporter überfallen haben. Ein Augenzeuge filmte den offensichtlich höchst professionell vorbereiteten Coup.
Den ersten Fluchtwagen fackelten die Täter samt der Tatwaffe, einer Kalaschnikow, ab. Den zweiten entdeckte die Polizei auf Videoaufnahmen. Nach sehr aufwendigen, zum Teil verdeckt geführten Ermittlungen sei es den Kölner Fahndern gelungen, die Spur des Wagens bis in die Niederlande zu verfolgen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der Wagen sei inzwischen sichergestellt.
Neben dem Raubzug am Flughafen rechnen die Ermittler Drach auch einen früheren, ähnlichen Überfall am Ikea-Möbelhaus in Köln-Godorf (24. März 2018) und einen späteren an einem Frankfurter Ikea (9. November 2019) zu. Die Höhe der Beute ist unklar.

Jan Philipp Reemtsma kam gegen Lösegeld wieder frei

Dass Drach nun als Krimineller rückfällig geworden sein soll, würde dafür sprechen, dass von der Beute aus der Reemtsma-Entführung tatsächlich nichts mehr da ist. Im März 1996 hatten Drach und seine Komplizen den Hamburger Soziologen und Erben der Tabak-Dynastie, Jan Philipp Reemtsma, entführt und nach 33 Tagen wieder freigelassen.
Gegen 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken Lösegeld. Zwei Jahre später wurde Drach in Buenos Aires (Argentinien) gefasst und Ende 2000 in Hamburg zu vierzehneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.
Zum Verbleib des Lösegelds hatte Drach stets geschwiegen beziehungsweise seinen Bruder in den Fall hineingezogen - der Millionen versenkt habe. Staatliche und private Ermittler im Auftrag Reemtsmas sicherten noch Reste des Lösegelds.

Wie Reemtsma-Entführer Thomas Drach 2013 abtauchte

Als Drach im Herbst 2013 frei kam, bot er sich für Interviews an - gegen Geld. Direkt nach seiner Freilassung setzte er sich ins Ausland ab. Die Staatsanwaltschaft teilte zu dem 60-Jährigen - den Namen Drach bestätigten die Behörden nicht - lediglich mit, dass er aus dem Rheinland stamme und in Deutschland keinen festen Wohnsitz habe.
Das dürfte sich ändern. Die Adresse wird bald die einer deutschen JVA sein. Drach wird am 24. Februar in Amsterdam dem Haftrichter vorgeführt, sagte ein Sprecher der dortigen Staatsanwaltschaft.
Die Kölner Staatsanwaltschaft hat einen Antrag auf Auslieferung gestellt. Nach einem schnellen Verfahren könnte das nach Angaben des Justizsprechers in den Niederlanden innerhalb von zehn Tagen der Fall sein.