Die Angst vor der möglicherweise hochansteckenden Virusvariante Omikron befeuert die Debatte um strengere Corona-Maßnahmen und eine allgemeine Impfpflicht. Die neue, erstmals in Südafrika entdeckte Mutation hat bereits hektische Notmaßnahmen in der EU ausgelöst: In den Niederlanden wurden 61 Flugpassagieren aus Südafrika positiv auf Corona getestet, nun wird geprüft, ob die neue Variante darunter ist. Auch in Deutschland gibt es einen ersten Omikron-Verdachtsfall bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika.
  • Viele fragen sich nun, wie gefährlich Omikron ist?
  • Und schützt eine Impfung auch gegen diese Variante?
  • Was ist über Omikron bisher schon bekannt?
  • Alle Infos zur neuen Corona-Variante B.1.1.529 und zur aktuellen Entwicklung im Überblick:

Bedeutung von Omikron: Neue Corona-Variante aus Südafrika

Auf der ganzen Welt grassiert aktuell die Delta-Variante des Coronavirus. Am 25.11.2021 war in Südafrika die Entdeckung einer neuen Variante mit der wissenschaftlichen Bezeichnung B.1.1.529 bekannt gegeben worden. Die neue Variante wurde nach dem griechischen Buchstaben Omikron benannt.

Risiko der Ausbreitung: Wie ansteckend und gefährlich ist Omikron?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Omikron inzwischen als „besorgniserregend" ein. Die EU-Krankheitsbekämpfungsbehörde ECDC hält das Risiko einer Ausbreitung in der EU für „hoch bis sehr hoch". Omikron könnte wegen ungewöhnlich vieler Mutationen noch ansteckender sein als die derzeit grassierende Delta-Variante und die existierenden Impfstoffe weniger wirksam machen.
Noch ist unklar, wie die Covid-19-Erkrankung im Falle einer Infektion mit der neuen Variante verläuft und ob die Gesundheitsgefahr größer ist als bei anderen Varianten. Nach den Worten eines WHO-Sprechers wird es "einige Wochen" dauern, bis Wissenschaftler die Folgen verstehen können.

Montgomery befürchtet Virusvariante „so gefährlich wie Ebola“

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, warnt vor der Entstehung gefährlicher Varianten des Coronavirus. „Meine große Sorge ist, dass es zu einer Variante kommen könnte, die so infektiös ist wie Delta und so gefährlich wie Ebola“, sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die neue südafrikanische Variante B.1.1.529 sei ein gutes Beispiel dafür, dass man dem Virus keine Chance zur Mutation geben dürfe. Um weitere Varianten zu verhindern, werde es nötig sein, die Welt noch jahrelang zu impfen, sagte Montgomery.

Schützt eine Impfung vor der neuen Corona-Variante Omikron?

Die Impfstoffhersteller haben die Hoffnung, dass sie die aktuellen Impfstoffe so verändern können, dass sie gegen die Omikron-Variante wirken. Das deutsche Unternehmen Biontech und sein US-Partner Pfizer erklärten, dass sie "spätestens in zwei Wochen" Daten erwarten, die zeigen, ob ihr Vakzin angepasst werden kann. Der Virologe Christian Drosten geht davon aus, dass die verfügbaren Impfstoffe grundsätzlich auch gegen die neue Variante B.1.1.529 des Coronavirus schützen, insbesondere gegen schwere Krankheitsverläufe.

Lauterbach zu Impfschutz und Omikron

Karl Lauterbach sagte am Freitagabend in den ARD-"Tagesthemen": „Nichts ist schlimmer, als eine besonders schwere Variante in eine laufende Welle hinein zu bekommen." Der neue Erreger scheine "gefährlich für die Geimpften wie für die Ungeimpften" zu sein. Er sei aber dennoch zuversichtlich, dass „die Booster-Impfungen auch vor dieser Variante schützen".

Neue Corona-Variante: Folgen für Impfpflicht und Infektionsschutzgesetz?

Die Angst vor der möglicherweise hochansteckenden Virusvariante Omikron befeuert die Debatte um strengere Corona-Beschränkungen und eine allgemeine Impfpflicht. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen rechnet mit einer erneuten Nachschärfung des Infektionsschutzgesetzes. Es sei klar gewesen, dass die beschlossenen Gesetzesänderungen „allenfalls ein erster Schritt sein können", sagte er der „Rheinischen Post". Es sei bisher nicht gelungen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. „Insofern sind weitreichendere Maßnahmen erforderlich." Dahmen plädierte zugleich für eine allgemeine Impfpflicht.
Auch Kanzleramtsminister Braun zeigt sich nach früherer Skepsis nun offen für eine Impfpflicht. "Ich befürchte, dass eine Impfpflicht gesellschaftlich spaltet. Aber eine nicht enden wollende Pandemie spaltet auch", sagte Braun der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Reisebeschränkungen sollen in Südafrika entdeckte Corona-Variante eindämmen

Mit strikten Reisebeschränkungen wollen zahlreiche Länder die Ausbreitung einer zuerst in Südafrika entdeckten neuen Corona-Virusvariante verhindern. Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, beschlossen bereits die vorübergehende Einstellung des Reiseverkehrs mit acht Ländern im südlichen Afrika.

Südafrika wird als Virusvariantengebiet eingestuft

Wegen der Variante stuft die Bundesregierung Südafrika, Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho ab Sonntag, 0 Uhr, als Virusvariantengebiete ein, wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitagabend mitteilte. Fluggesellschaften dürfen damit im Wesentlichen nur noch deutsche Staatsbürger oder in Deutschland lebende Personen von dort nach Deutschland befördern. Für Einreisende gilt eine zweiwöchige Quarantänepflicht - auch für Geimpfte und Genesene.

Typische Mutationen für Omikron bei Reiserückkehrer in Hessen entdeckt

In Hessen wurden bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika mehrere für Omikron typische Mutationen gefunden.  Am Samstagvormittag machte Hessens Sozialminister Kai Klose (Grüne) diesen Omikron-Verdachtsfall bekannt. Bei einem Reiserückkehrer aus Südafrika wurden demnach mehrere für diese Variante typische Mutationen gefunden. „Es besteht also ein hochgradiger Verdacht, die Person wurde häuslich isoliert. Die vollständige Sequenzierung steht zum aktuellen Zeitpunkt noch aus“, twitterte Klose. Nach Angaben des Ministeriums in Wiesbaden reiste die Person über den Frankfurter Flughafen ein.

Niederlande melden 61 positiv auf Corona getestete Flugpassagiere aus Südafrika

In den Niederlanden sind 61 Flugpassagiere aus Südafrika positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Tests seien bei der Ankunft am Flughafen Schiphol in Amsterdam vorgenommen worden, teilte die niederländische Gesundheitsbehörde GGD am Samstag mit. Die Passagiere kamen demnach mit zwei Flügen aus Südafrika an. Neben den 61 positiven Ergebnissen habe es 531 negative Coronatests gegeben. Die positiv Getesteten würden in einem Quarantänehotel nahe des Flughafens untergebracht, erklärte die Behörde weiter. Es werde nun untersucht, ob sie sich mit der neuen, erstmals in Südafrika entdeckten Virusvariante angesteckt haben.