Zum Abschluss der olympischen Kanu-Wettbewerbe hat der deutsche Kajak-Vierer Gold gewonnen und für ein einigermaßen versöhnliches Olympia-Finale der sonst so erfolgsverwöhnten Rennkanuten gesorgt. Max Rendschmidt, Ronald Rauhe, Tom Liebscher und Max Lemke triumphierten am Samstag und gewannen die erst dritte Medaille im Kanu-Rennsport bei den Tokio-Spielen – sechs bis sieben Medaillen waren die Zielvorgabe gewesen.
Die Frauen schafften es erstmals seit langer Zeit nicht auf das Podest.
In Rio hatte es noch vier Mal Gold und insgesamt sieben Podestplätze gegeben - es war die stärkste olympische Ausbeute seit Athen 2004. Die Slalom-Kanuten dagegen hatten in Tokio mit einmal Gold und dreimal Bronze ihre Zielstellung doppelt übertroffen.
Der Kajak-Vierer aus Deutschland mit Ronald Rauhe hat Gold geholt. Für Rauhe war es der letzte Schlag am Paddel einer großen Karriere.
Der Kajak-Vierer aus Deutschland mit Ronald Rauhe hat Gold geholt. Für Rauhe war es der letzte Schlag am Paddel einer großen Karriere.
© Foto: Jan Woitas

Gold im Kajak-Vierer: Ein Sieg zum Abschluss für Ronald Rauhe

Ronald Rauhe sprang als erster aus dem Gold-Boot auf den Steg, dann drückte er jeden seiner Teamkollegen ganz fest an sich und fiel schließlich übermannt von seinen Emotionen auf die Knie. Der Kajak-Vierer der Männer hat im letzten Wettkampf der Olympischen Spiele doch noch das ersehnte erste Gold der deutschen Rennsport-Kanuten geholt. Für Rauhe (39) war es im letzten Rennen seiner Karriere seine fünfte Olympiamedaille.
In einem Kopf-an-Kopf-Rennen verwiesen Schlagmann Max Rendschmidt aus Bonn, Tom Liebscher aus Dresden sowie Ronald Rauhe und Max Lemke aus Potsdam den Rivalen Spanien knapp auf Rang zwei. Bronze ging an die Slowakei. Rendschmidt und Liebscher hatten schon 2016 in Rio mit dem Vierer Gold geholt.

Kanu bei Olympia: Mit drei Medaillen fällt die Bilanz im Vergleich zu Rio trotz des Kajak-Vierers mau aus

Weil die übrigen DKV-Boote am Samstag jedoch komplett leer ausgingen und der dreimalige Canadier-Olympiasieger Sebastian Brendel sogar im Halbfinale scheiterte, fällt die Bilanz mit drei Medaillen (1-1-1) insgesamt mäßig aus. 2016 in Rio hatten die Rennkanuten noch viermal Gold geholt.
Zumindest der Vierer wurde seiner Favoritenrolle aber gerecht - und das sogar im Ersatzboot. Das eigentliche Boot war beim Verladen in Luxemburg von einem Gabelstaplerführer gerammt worden, der Ersatz kam aber rechtzeitig in Tokio an. Der Vierer der Frauen musste sich dagegen mit Rang fünf begnügen, erstmals seit 1988 verpasste das deutsche Quartett den Sprung auf das Podest.
Eine Enttäuschung erlebte auch Brendel. Der dreimalige Canadier-Olympiasieger schaffte es auf seiner Paradestrecke über 1.000 Meter bei schwierigen Bedingungen nicht ins Finale, im B-Lauf wurde er Zweiter. "Es war nicht einfach für mich. Ich habe gemerkt, dass ich mit den Besten nicht mithalten kann", sagte der 33-Jährige, der 2012 und 2016 auf dieser Strecke Gold gewonnen hatte.

Rennen im Kajak-Vierer: Scheibner wird Sechster

Der Berliner Conrad Scheibner schaffte es anders als Brendel ins A-Finale und wurde Sechster. Lisa Jahn aus Berlin und Sophie Koch aus Karlsruhe kamen im ersten Canadier-Rennen der Olympia-Geschichte für Frauen auf einen sehr guten vierten Platz.
Zuvor hatten nur Brendel und Tim Hecker mit Bronze im Zweier sowie Max Hoff / Jacob Schopf mit Silber den Sprung auf das Podest geschafft. Ziel des DKV waren eigentlich sechs Medaillen im Rennsportbereich. Weil die Slalomkanutinnen und -kanuten um Olympiasiegerin Ricarda Funk in allen vier Rennen auf das Podest gepaddelt waren, fiel die Bilanz insgesamt dennoch positiv aus.