Wie viele Covid-19-Patienten befinden sich in Deutschland aktuell auf der Intensivstation? Momentan befinden sich jeden Tag etwa zwischen 4500 und 5000 Menschen wegen einer Corona-Infektion in einem Krankenhaus in intensivmedizinischer Behandlung. Wie viele davon sind geimpft, wie viele ungeimpft?

Corona in Deutschland: Wie viele Geimpfte und Ungeimpfte liegen auf der Intensivstation

Uwe Janssens, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) sagte nach einem Bericht von Focus Online dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dass die Zahl der Patienten mit Impfdurchbrüchen angestiegen sei. Bis zu 44 Prozent der über 60-jährigen Covid-19-Patientinnen und -Patienten auf der Intensivstation seien geimpft. Das habe deutlich und sprunghaft zugenommen, sagte Janssens.
Allerdings können die absoluten Zahlen zu falschen Schlussfolgerungen führen. Denn es gibt deutlich mehr Geimpfte über 60, als es Ungeimpfte gibt. Die Tagesschau hat dazu ein Erklär-Video veröffentlicht:
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Inzidenz, Hospitalisierung und Corona-Infektionen bei Geimpften und Ungeimpften im Vergleich

Mehrere Bundesländer haben bei der Sieben-Tage-Inzidenz zwischen Ungeimpften und Geimpften unterschieden.
Eines dieser Bundesländer ist Sachsen, jedoch ist dies inzwischen nicht mehr der Fall: „Angesichts der extremen Fallzahlen und daraus folgenden Meldeverzögerungen ist die Aktualität der Datenlage bezüglich des Impfstatus derzeit nicht mehr gegeben. Daher wird vorerst auf eine Veröffentlichung der Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz der Geimpften und nicht (vollständig) Geimpften verzichtet (Stand: 20. November 2021)“, heißt es auf der Website coronavirus.sachsen.de.
Auch Baden-Württemberg könne die Inzidenzen nach Impfstatus nicht mehr zuverlässig berichten und verweist auf die Wochenberichte des Robert-Koch-Instituts zu Covid-19. Darin kann für die vergangenen Wochen herausgelesen werden, wie viele Geimpfte und Ungeimpfte symptomatisch an Covid-19 erkrankten, deswegen ins Krankenhaus mussten, intensivmedizinisch betreut wurden oder verstorben sind.

Inzidenzen und Neuinfektionen laut RKI nach Impfstatus

Die Wochenberichte des Robert-Koch-Instituts (RKI) werden stets rückwirkend für ein Wochengeschehen veröffentlicht. Im aktuellen wöchentlichen Covid-19-Lagebericht vom 25.11.2021 zeigen Grafiken die Entwicklung der Sieben-Tage-Inzidenzen und der hospitalisierten Fälle in verschiedenen Altersgruppen. Die Grafiken verdeutlichen: Ungeimpfte haben ein weitaus höheres Risiko, an Corona zu erkranken und deswegen ins Krankenhaus zu kommen.
Symptomatische Fälle in Kalenderwoche 45:
  • Altersgruppe 12 bis 17 Jahre: Ungeimpfte haben eine Sieben-Tage-Inzidenz von über 350, Geimpfte von unter 50.
  • Altersgruppe 18 bis 59 Jahre: Ungeimpfte haben eine Sieben-Tage-Inzidenz von knapp unter 250, Geimpfte von knapp unter 100.
  • Altersgruppe ab 60 Jahre: Ungeimpfte haben eine Sieben-Tage-Inzidenz von knapp unter 150, Geimpfte von 50.
Hospitalisierte Fälle in Kalenderwoche 45:
  • Altersgruppe 12 bis 17 Jahre: Ungeimpfte haben eine Hospitalisierungsrate von knapp unter 2, Geimpfte von knapp unter 0,5.
  • Altersgruppe 18 bis 59 Jahre: Ungeimpfte haben eine Hospitalisierungsrate von 8, Geimpfte von knapp über 1.
  • Altersgruppe ab 60 Jahre: Ungeimpfte haben eine Hospitalisierungsrate von knapp unter 35, Geimpfte von knapp über 5.
Sind die symptomatischen Corona-Inzidenzen und die Hospitalisierungsrate in den den verschiedenen Altersgruppen gestiegen? Ja - sowohl bei den Geimpften als auch bei den Ungeimpften. Allerdings steigen die Inzidenzen bei den Geimpften deutlich moderater, jene bei den Ungeimpften dafür teils exponentiell.

Impfdurchbrüche bei Geimpften: Aktuelle Zahlen des RKI

Der aktuellste Stand ist jener vom 23.11.2021, der sich auf Impfdurchbrüche während der Kalenderwoche 43 bis 46 (aktuell KW 48) bezieht. Das RKI unterscheidet bei der Angabe in verschiedene Altersgruppen:

Altersgruppe 12 bis 17 Jahre: Impfdurchbrüche, Hospitalisierung, Intensivstation, Symptome

In dieser Altersgruppe gab es in dem genannten Zeitraum insgesamt 31.265 symptomatische Covid-19-Fälle, davon waren 2.103 Kinder und Jugendliche vollständig geimpft. Das heißt, der Anteil an Impfdurchbrüchen in dieser Altersgruppe liegt bei 6,7 Prozent. Darüber hinaus gab es 147 Fälle in dieser Altersgruppe, die wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten, davon waren 11 vollständig geimpft (Anteil Impfdurchbrüche 7,5 Prozent). Keiner dieser Fälle musste intensivmedizinisch behandelt werden.
Zuletzt ist eine Person in dieser Altersgruppe an einer symptomatischen Corona-Infektion gestorben. Sie war ungeimpft.

Altersgruppe 18 bis 59 Jahre: Impfdurchbrüche, Hospitalisierung, Symptome, Intensivstation

In dieser gab es in dem genannten Zeitraum insgesamt 207.476 symptomatische Covid-19-Fälle, davon waren 101.201 Menschen vollständig geimpft. Das heißt, der Anteil an Impfdurchbrüchen in dieser Altersgruppe liegt bei 48,8 Prozent.
Darüber hinaus gab es 4.030 Fälle in dieser Altersgruppe, die wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten, davon waren 1.136 vollständig geimpft (Anteil Impfdurchbrüche 28,2 Prozent) Auf einer Intensivstation mussten in dieser Altersgruppe 535 Menschen behandelt werden, davon waren 82 vollständig geimpft. Das heißt, es gibt hier einen Anteil an Impfdurchbrüchen von 15,3 Prozent.
Zuletzt sind 74 Erkrankte in dieser Altersgruppe an einer symptomatischen Corona-Infektion gestorben. Davon waren 12 geimpft, das macht einen Anteil der Impfdurchbrüche von 16,2 Prozent.

Altersgruppe 60 Jahre und älter: Symptome, Impfdurchbrüche, Hospitalisierung, Intensivstation

In dieser gab es in dem genannten Zeitraum insgesamt 51.212 symptomatische Covid-19-Fälle, davon waren 36.552 Menschen vollständig geimpft. Das heißt, der Anteil an Impfdurchbrüchen in dieser Altersgruppe liegt bei 71,4 Prozent.
Darüber hinaus gab es 6.149 Fälle in dieser Altersgruppe, die wegen einer Corona-Infektion ins Krankenhaus mussten, davon waren 3.443 vollständig geimpft (Anteil Impfdurchbrüche 56 Prozent) Auf einer Intensivstation mussten in dieser Altersgruppe 996 Menschen behandelt werden, davon waren 462 vollständig geimpft. Das heißt, es gibt hier einen Anteil an Impfdurchbrüchen von 46,4 Prozent.
Zuletzt sind 1.124 Erkrankte in dieser Altersgruppe an einer symptomatischen Corona-Infektion gestorben. Davon waren 590 vollständig geimpft, das macht einen Anteil der Impfdurchbrüche von 52,5 Prozent.

Trotz Impfdurchbrüchen: Eine Corona-Impfung ist trotzdem sinnvoll

Warum schmälern die Meldungen über Impfdurchbrüche dennoch nicht den Wert der Impfung? Das hat mehrere Gründe:
  • Da immer mehr Menschen geimpft sind, sich das Coronavirus aber ausbreitet, können sich auch Geimpfte vermehrt infizieren.
  • Sind Geimpfte infiziert, haben sie aber ein deutlich geringeres Risiko, an Covid-19 zu erkranken und sind gut vor einem schweren Verlauf der Krankheit geschützt.
  • Den Impfstoffen wurde seitens der Hersteller kein 100-prozentiger Impfschutz zugesprochen. Impfdurchbrüche waren zu erwarten.
  • Neue Coronavirus-Varianten wie Delta oder aktuell Omikron können die Wirkung der Impfung verringern.
  • Kommt es zu einem Impfdurchbruch, betrifft das aktuell hauptsächlich bestimmte Gruppen: Ältere Patienten und Patientinnen, deren Immunantwort nach der zweiten Dosis nachlässt oder generell eine geschwächte Immunabwehr aufgrund ihres Status als Risikogruppe haben.
Mehr zu Corona und den Folgen in Brandenburg und Berlin gibt es auf unserer Themenseite.