• Frankreich hat eine Impfpflicht für bestimmte Personengruppen eingeführt.
  • In Deutschland wird eine verpflichtende Impfung gegen Corona ebenfalls diskutiert.
In Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron am Montagabend verkündet, dass eine Impfpflicht für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Gesundheitswesen kommt. In Deutschland wird die Pflicht, eine Corona-Impfung zu erhalten, derzeit auch heftig diskutiert. Es geht um eine Impfpflicht für Schul- und Kitapersonal, die Situation der Schulen nach den Ferien und die steigende Corona-Inzidenz in Verbindung mit immer mehr Geimpften: Die aktuelle Corona-Situation ist vielschichtig und bei vielen Fragen gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Eine Übersicht.

Wie sehen aktuell die Corona-Zahlen in Deutschland aus?

Seit einer Woche steigt die 7-Tage-Inzidenz jeden Tag an. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts von Dienstagmorgen lag sie bei 6,5. Eine Woche zuvor betrug der Wert von Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen 4,9.
  • Neuinfektionen am Dienstag, 13. Juli: 646
Die für die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Virus maßgebende Reproduktionszahl, der R-Wert, lag laut RKI vom Montag bei 1,15. Die Zahl bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 115 weitere Menschen anstecken. Liegt der Wert anhaltend über 1, steigen die Fallzahlen. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab.

Merkel und Spahn im RKI: Was passiert am Dienstag?

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) besuchen das RKI in Berlin. Merkel wolle sich über aktuelle Aufgaben, Vorhaben und Herausforderungen beim RKI austauschen, hieß es vorab von Regierungsseite. Außerdem gehe es bei den Gesprächen um den Einfluss der Impfkampagne auf den Pandemieverlauf.
Neue wissenschaftliche Erkenntnisse Viele wissen nichts von ihrer Corona-Infektion

Berlin

Impfpflicht in Deutschland für Schul- und Kitapersonal?

Die Forderung nach einer Impfpflicht für das Personal in Kitas und Schulen stößt weiter auf Kritik. Lehrerpräsident Meidinger argumentierte in der Augsburger Allgemeinen: „Nach unserem Kenntnisstand ist die Impfbereitschaft bei Lehrkräften sehr hoch, so liegt die Quote der bereits erstgeimpften Lehrkräfte in einigen Bundesländern bei nahe 90 Prozent.“ Die Hauptinfektionsgefahr für die Kinder und Jugendlichen drohe also nicht von Erwachsenen und schon gar nicht von Lehrkräften, sondern von Gleichaltrigen.
SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bekräftigte gegenüber der „Rheinischen Post“: „Eine Impfung gegen Covid-19 muss die freiwillige Entscheidung jedes Einzelnen sein. Hier muss und wird die Politik zu ihrem Wort stehen. Das gilt auch für Lehrer und Erzieher.“ Der Humangenetiker Wolfram Henn vom Deutschen Ethikrat hatte am Montag eine Impfpflicht für das Personal gefordert. So sollen laut ihm Kinder unter zwölf Jahren geschützt werden, die keine Impfung bekommen können.

Die Impfkampagne in Deutschland soll intensiver werden

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, fordert eine intensivere Impfkampagne. „Ich vermisse den TV-Spot zum Impfen vor der Tagesschau. Und dann müssen wir direkt vor Ort informieren, und zwar genau da, wo die Impfbereitschaft bisher gering ist. Wir müssen auf die Menschen zugehen“, sagte Reinhardt der Rheinischen Post. Man müsse nicht nur Sportvereine, sondern auch Kulturvereine und Glaubenseinrichtungen für die Impfkampagne mit ins Boot holen. „Statt zu verordnen, müssen wir vor Ort sein.“
Die Frage, inwieweit die erhöhten Inzidenzwerte zu einer Belastung des Gesundheitssystems führen werden, hänge maßgeblich von der Impfquote ab, sagte Reinhardt. „Ich finde, jeder Erwachsene steht in der Verantwortung, durch seine Impfung dazu beizutragen, das Infektionsgeschehen niedrig zu halten - auch zum Schutz der Kinder. Sie sind bisher die großen Verlierer der Pandemie.“

Keine Einschränkungen für Ungeimpfte

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat sich im Gespräch mit der Rheinischen Post zudem gegen eine Einschränkung von Freiheitsrechten für ungeimpfte Menschen ausgesprochen. Dies käme einer indirekten Impfpflicht gleich, die er für falsch halte, sagte er. Nicht alle Impfwilligen hätten bisher ein Impfangebot wahrnehmen können. Für Kinder unter zwölf Jahren, Schwangere und Menschen mit bestimmten Erkrankungen gebe es noch kein Angebot. „Diese Menschen darf man nicht vom gesellschaftlichen Leben ausschließen“, sagte Reinhardt.

Kommt es in Deutschland zu einer starken, vierten Corona-Welle?

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, sagte der Rheinischen Post: „Wir haben in Deutschland aktuell mehr als die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung geimpft, was sich deutlich in der Belegung der Intensivstationen bemerkbar machen wird. Wir erwarten bei einem erneuten Anstieg der Inzidenzen deshalb eine deutlich flachere Kurve mit Blick auf die schwer erkrankten Patienten.“
Das sieht der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, ähnlich. Mit Blick auf den Herbst sagte er der Bild: „Wir erwarten bei gleicher Inzidenz viel weniger Corona-Patienten in den Kliniken.“ Deshalb sieht er auch den Begriff der „vierten Welle“ kritisch: „Das sorgt bei den Bürgern nur für die Angst, dass mit steigenden Fallzahlen die Intensivstationen wieder mit Covid-Patienten volllaufen - dank der Impfung wird das aber nicht der Fall sein.“ Vorsicht ist aus Sicht von Intensivmediziner Marx aber dennoch weiter angemessen: „Sollten die Infektionsraten sprunghaft ansteigen und ungebremst anwachsen, werden wir auch wieder eine deutliche Zunahme an schwer kranken Patienten erleben, die auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Denn wir dürfen eben nicht vergessen: 40 Millionen Menschen in Deutschland sind eben noch nicht geimpft.“