Durch die Drosselung der Menge an Gas, die aus Russland kommt, ist die Energieversorgung in Deutschland wie nie zuvor angespannt. Gasunternehmen mussten trotz der Probleme am Gasmarkt ihren Kunden gerecht werden – durften aber bisher die dadurch entstandenen Mehrkosten gesetzlich nicht an Kunden weitergeben. Das soll sich ab Oktober 2022 ändern: Die sogenannte Gasumlage wird in Kraft gesetzt.
  • Wofür gibt es eine Gasumlage?
  • Wie teuer wird Gas für Verbraucher?
  • Gilt die Umlage auch für Flüssiggas?
  • Alle Infos zur Gasumlage zusammengefasst

Höhe der Gasumlage: Wie teuer wird das Gas durch die Umlage?

Die große Frage nach der Höhe wurde am 15. August bekannt. Laut Trading Hub Europe, der für die Berechnungen verantwortlich ist, wird die Umlage 2,419 Cent pro Kilowattstunde sein. Konkret bedeutet das:
  • bei einem Verbrauch von 4.000 kWh im Jahr: 96 Euro mehr
  • bei einem Verbrauch von 8.000 kWh im Jahr: 193 Euro mehr
  • bei einem Verbrauch von 12.000 kWh im Jahr: 290 Euro mehr
  • bei einem Verbrauch von 18.000 kWh im Jahr: 435 Euro mehr
  • bei einem Verbrauch von 20.000 kWh im Jahr: 483 Euro mehr
  • bei einem Verbrauch von 40.000 kWh im Jahr: 967 Euro mehr
Diese Berechnungen beziehen sich nur auf die Gasumlage. Hinzu kommen die marktbedingte Preissteigerungen, die auch ohne Umlage auf Verbraucher zukämen. Weiter unten findet ihr eine Beispielrechnung für die Gaskosten 2022.
Die Umlage gilt ab Anfang Oktober - sie werde aber nicht unmittelbar auf den Rechnungen sichtbar werden, sondern mit etwas Zeitverzug, so das Wirtschaftsministerium. Es gebe aus Verbraucherschutzgründen Ankündigungsfristen im Energiewirtschaftsgesetz von vier bis sechs Wochen, die eingehalten werden müssten. Daher werde die Umlage mit etwas Zeitverzug wahrscheinlich erstmals im November/Dezember auf den Rechnungen ausgewiesen werden.
Die Gasumlage endet am 1. April 2024.

Staatliche Gasumlage ab Oktober: Wofür gibt es sie?

Die Welt ist seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine aus den Fugen geraten. Mit Russland will die EU so gut wie nichts mehr zu tun haben. Kohle wird nicht mehr importiert, ein Ölembargo ist beschlossen und die Importe von Erdgas sollen nach und nach auf null sinken. Den Wirtschaftskrieg lässt Russland natürlich nicht einfach über sich ergehen: Im Sommer hat Russland die Lieferung von Erdgas nach Deutschland mittels der Pipeline Nord Stream 1 gedrosselt. Damit ist eine der wichtigsten Versorgungsquellen für Gas in Deutschland auf einmal nicht in ausreichenden Mengen verfügbar.
Gasimporteure aber haben Lieferpflichten gegenüber ihren Kunden, vor allem gegenüber Stadtwerken. Die Importeure können diesen Lieferpflichten nur gerecht werden, indem sie die ausgefallenen Mengen aus Russland durch den Kauf deutlich teurerer Mengen am Kurzfristmarkt ersetzen. Bisher können diese Mehrkosten nicht weitergegeben werden.
Die Folge: Bei Importeuren sind erhebliche Verluste entstanden. Deswegen hat der Bund mit dem Versorger Uniper ein milliardenschweres Rettungspaket vereinbart - und im Zuge dessen auch die Gasumlage. Diese kommt zusätzlich zu marktbedingten Preissteigerungen, die schrittweise bei den Kunden ankommen.
Die Umlage soll Gasversorgern zugutekommen, die zu hohen Preisen Ersatz für ausbleibende, günstigere Gasmengen aus Russland kaufen müssen. Die genaue Höhe der Umlage berechnet der sogenannte Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe, ein Gemeinschaftsunternehmen der Gas-Fernleitungsnetzbetreiber in Deutschland.

Ökogas und Flüssiggas: Sind sie von der Umlage betroffen?

Bezieher von Ökogas werden vermutlich ebenfalls von der Gasumlage betroffen sein. Was Flüssiggas angeht, gibt es keine konkreten Informationen. Allerdings ist es gut möglich, dass LNG nicht von der Gasumlage berührt wird.

Wie teuer wird Gas? Beispielrechnung für Haushalte

Die Gasrechnung wird 2022 also besonders teuer. Die Gaspreise steigen auch unabhängig von der Umlage an. Aktuell (Stand August) kostet ein neuer Gasvertrag 28 Cent pro kWh. 2021 waren es noch 5 Cent. Wenn wir als Beispiel 20 Cent pro kWh auf das Jahr berechnen, können Kunden folgende Gasrechnungen erwarten:
  • bei einem Verbrauch von 4.000 kWh im Jahr: 800 Euro + Gasumlage
  • bei einem Verbrauch von 8.000 kWh im Jahr: 1600 Euro + Gasumlage
  • bei einem Verbrauch von 12.000 kWh im Jahr: 2400 Euro + Gasumlage
  • bei einem Verbrauch von 18.000 kWh im Jahr: 3600 Euro + Gasumlage
  • bei einem Verbrauch von 20.000 kWh im Jahr: 4000 Euro + Gasumlage
  • bei einem Verbrauch von 40.000 kWh im Jahr: 8000 Euro + Gasumlage

Drittes Entlastungspaket soll kommen

Um der Bevölkerung bei der Bewältigung der zahlreichen Probleme zu unterstützen, darunter auch die Preissteigerungen durch die Gasumlage, will die Bundesregierung abermals in die Tasche greifen. Kanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte bei seiner Sommerpressekonferenz im August ein drittes Entlastungspaket an.