Vergangene Woche hat es für viele Gaskunden einen Schock gegeben: Der Gasanbieter Gas.de, zu dem auch Grünwelt Gas gehört, hat alle Verträge gekündigt und die Lieferung mit Gas eingestellt. Wer sich dann auf die Suche nach einem neuen Gasanbieter gemacht hat, musste schnell feststellen: Das wird teuer. Aber warum?
  • In Deutschland sind die Gaspreise diesen Winter so hoch wie noch nie
  • Grund dafür sind mehrere Faktoren, die zusammenspielen
  • Werden die Preise so hoch bleiben?
  • Alle Infos zur Energiekrise in Deutschland

Gaspreise 2021: Warum kostet Gas aktuell so viel?

Am 14. Dezember sind die Gaspreise in Deutschland auf ein Rekordhoch gestiegen: 118 Euro pro Megawattstunde (MWh) kostet der Energieträger. Die Hintergründe zu den hohen Preisen sind vielfältig:

1. Der letzte Winter war sehr kalt

Wir erinnern uns an die klirrende Kälte Anfang des Jahres: In Deutschland war der Winter 2020/21 besonders kalt. Dadurch wurden viele Gasvorräte aufgebraucht – die aber seitdem nicht wieder aufgefüllt werden konnten. Der Sommer 2021 war außerdem sonnen- und windarm. Dadurch war es nicht möglich, in den Sommermonaten hauptsächlich auf Solar- und Windenergie zu setzen – es musste weiter mit Gas versorgt werden.

2. Corona

Auch hier hat die Pandemie ihre Finger im Spiel gehabt. Denn die Gasnachfrage hat sich auf dem Weltmarkt extrem erhöht, da die Wirtschaft vor allem in Asien wieder angezogen hat. Auch die USA haben sich schneller erholt als erwartet. Die Industrie verbraucht also aktuell mehr Gas als üblich. Der Rohstoffmarkt ist leergefegt.

3. Nord Stream 2

Hier scheiden sich ein wenig die Geister. Einige Experten sind aber der Meinung, dass Gasversorger im Sommer ihre Vorräte nicht genug aufstockten, weil sie auf die Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 2 setzten. Die Leitung wurde im September fertiggestellt. In Betrieb genommen wurde sie aber noch nicht. Voraussetzung dafür ist eine Zertifizierung durch die Bundesnetzagentur, die noch aussteht. Zudem hat die neue Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Wochenende gesagt, dass sie gegen eine baldige Inbetriebnahme der Pipeline ist. Darauf reagieren nun die Märkte.

4. Der CO2-Preis

Seit Januar 2021 hat Deutschland einen CO2-Preis eingeführt. Dieser wirkt sich auch auf die Energiepreise aus, wenn sie von fossile Energieträgern kommen. Aktuell liegt er bei 25 Euro pro Tonne CO2 und soll jährlich steigen. Energieversorger geben diese Kosten zumindest teilweise an die Kunden weiter – weshalb die Energierechnung steigt. Der Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP sieht Entlastungen der Verbraucher bei den Energiepreisen vor. So soll 2023 die Finanzierung der milliardenschweren EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms über den Strompreis abgeschafft werden. Zudem sollen sich künftig auch Vermieter an dem Heizkostenaufschlag durch den CO2-Preis beteiligen - bisher tragen dies nur die Mieter.

Gaspreisentwicklung: Bleiben die Preise auch 2022 so hoch?

Die schlechte Nachricht: Vorerst schon. Ob das aber wirklich stimmt, ist schwer zu sagen. Denn die Vorhersage der Energiepreise ist sehr schwer, da sie (wie oben bereits beschrieben) von vielen Faktoren abhängen. Einiges spricht derzeit immerhin dafür, dass sich die Weltmärkte 2022 zumindest allmählich beruhigen könnten. Zwar erwarten die „Wirtschaftsweisen“ in ihrem jüngsten Gutachten, dass anziehende Energie- und Erzeugerpreise noch weit in das nächste Jahr hineinwirken. So vermutet das Beratergremium der Bundesregierung dass die Preise für Erdgas im Winterhalbjahr 2021/22 noch hoch bleiben, vom Frühjahr an dann „aber kräftig zurückgehen dürften“. Sie verweisen bei dieser Prognose auf Marktdaten der Europäischen Energiebörse EEX, wonach sich die Preise für Terminlieferungen ab April im Vergleich zum gegenwärtigen Niveau etwa halbieren und für die folgenden Jahre weiter sinken.

Gas.de Kündigung: Was Verbraucher tun können

Der Gasanbieter Gas.de der Marke Grünwelt Energie beliefert seine Kunden bereits seit dem 2. Dezember nicht mehr mit Gas. Der Anbieter hatte mit Verweis auf die hohen Gaspreise an internationalen Märkten mitgeteilt, die Gaslieferungen einzustellen. Seit dem 3. Dezember werden die Kunden über die Grundversorgung mit Gas beliefert.
Der Anbieter habe damit "Vertragsbruch begangen", kritisierte die Verbraucherzentrale Bremen am Dienstag. Gegebenenfalls müssten Schadensersatzansprüche geprüft werden. Die Energieexpertin der Verbraucherzentrale Bremen, Inse Ewen, betonte, dass der Versorger keine ausreichende Begründung für eine außerordentliche Vertragskündigung geliefert habe. Der Anbieter hatte seinen Kunden eine Belieferung mit Gas über einen festen Zeitraum zugesagt.
Die Verbraucherschützer raten Gas.de-Kunden zu einem schriftlichen Widerspruch gegen die Kündigung. Kunden sollten außerdem ihren Gaszähler ablesen und dem Anbieter mitteilen, dass sie sich die Geltendmachung von Schadensersatz vorbehalten. Einzugsermächtigungen oder Daueraufträge für das Unternehmen sollten bei der Bank widerrufen werden.